Wie Sie die Vektorkardiographie nach GOÄ-Ziffer 657 rechtssicher und erfolgreich neben dem EKG abrechnen. Alle Infos zu Ausschlüssen und Begründungen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 657
Vektorkardiographische Untersuchung (253 Punkte, Einfachsatz 14,75 €, Regelhöchstsatz 26,55 €, Höchstsatz 36,88 €)
Die Vektorkardiographie (VKG) stellt eine spezialisierte kardiologische Untersuchungsmethode dar. Im Gegensatz zum klassischen Elektrokardiogramm (EKG), das den zeitlichen Spannungsverlauf als skalare Kurve abbildet, erfasst die VKG die elektrische Aktivität des Herzens dreidimensional. Dabei werden die Veränderungen der Stärke und Richtung der Aktionsströme der Herzmuskelfasern als sogenannte Vektorschleifen aufgezeichnet.
GOÄ 657 in der Praxis: Indikationen und Abgrenzung zum EKG
Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 657 erfordert eine präzise medizinische Indikation, die über ein Standard-EKG hinausgeht. Typische Einsatzbereiche sind unklare kardiologische Befunde, bei denen eine räumliche Darstellung der Erregungsausbreitung notwendig ist. Hierzu zählen insbesondere der Verdacht auf atypische Myokardinfarkte oder komplexe Schenkelblöcke.
Eine routinemäßige Durchführung ohne spezifische Fragestellung ist nicht zulässig. Die Untersuchung muss einen klaren diagnostischen Mehrwert liefern, der allein durch die Ziffern 650 bis 653 nicht erreicht werden kann. Nur dann ist eine Nebeneinanderberechnung rechtlich sicher.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 657
Fallbeispiel 1: Verdacht auf posterioren Myokardinfarkt
Ein Patient stellt sich mit unklaren thorakalen Beschwerden vor, wobei das Standard-EKG keine eindeutigen Infarktzeichen zeigt. Zur weiteren Abklärung wird eine Vektorkardiographie durchgeführt, um die räumliche Vektorschleife zu analysieren. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 657 neben der EKG-Ziffer 650 unter Angabe der spezifischen Ausschlussdiagnose.
Fallbeispiel 2: Differenzierung von Schenkelblöcken
Bei einem Patienten mit Herzinsuffizienz zeigt sich im EKG ein verbreiterter QRS-Komplex. Zur exakten Differenzierung des Leitungsblocks wird die VKG eingesetzt, um die räumliche Erregungsverzögerung darzustellen. Neben der klinischen Untersuchung wird die GOÄ 657 erfolgreich für diese spezialisierte Diagnostik liquidiert.
Fallbeispiel 3: Ausschluss einer rechtsventrikulären Hypertrophie
Ein Patient mit einer chronischen Lungenerkrankung wird auf Anzeichen eines Cor pulmonale untersucht. Die Analyse der Vektorschleifen liefert präzise Hinweise auf eine rechtsventrikuläre Belastung. Die Erbringung der Leistung nach GOÄ 657 wird mit der entsprechenden kardiologischen Fragestellung begründet und abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 657: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das unbegründete Nebeneinanderberechnen der GOÄ 657 und den EKG-Ziffern 650 bis 653. Nach § 4 Abs. 2a GOÄ dürfen Teilleistungen oder besondere Ausführungen einer Leistung nicht gesondert berechnet werden. Private Krankenversicherungen streichen die Ziffer 657 daher oft, wenn kein eigenständiger diagnostischer Nutzen dokumentiert ist.
Achtung: Ein bloßes Mitlaufenlassen der Vektorkardiographie ohne eigene Fragestellung ist nicht berechnungsfähig. Zudem ist die Ziffer 657 gemäß den Abrechnungsbestimmungen nicht neben der GOÄ-Ziffer 435 ansetzbar.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 657: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die spezifische Fragestellung, die medizinische Notwendigkeit und das Ergebnis der Vektorschleifen-Analyse detailliert festgehalten werden. Ein Verweis auf eine bloße Ergänzung des EKGs reicht für die Erstattungsfähigkeit meist nicht aus.
Dokumentation: Durchführung der Vektorkardiographie nach GOÄ 657 zur Abklärung eines V. a. posterioren Myokardinfarkt bei unklarem EKG-Befund. Analyse der QRS-Schleife zeigt eine pathologische Abweichung nach anterior.
GOÄ 657: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Regelsatz der GOÄ 657 liegt beim 1,8-fachen Satz bei 26,55 €. Bei besonders zeitaufwendigen Untersuchungen oder unkooperativen Patienten kann der Faktor auf bis zu 2,5-fach gesteigert werden. Eine überzeugende Begründung, wie beispielsweise eine ausgeprägte Dyspnoe des Patienten, ist hierfür zwingend erforderlich.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 657 wird häufig in Kombination mit den EKG-Leistungen nach den Ziffern 650 bis 653 erbracht. Auch die Kombination mit einer eingehenden Beratung nach GOÄ 3 oder einer symptombezogenen Untersuchung ist in der kardiologischen Praxis üblich.
Tipp: Vermerken Sie bei der Kombination mit EKG-Ziffern immer die konkrete kardiologische Fragestellung direkt auf der Liquidation. Dies beschleunigt das Erstattungsverfahren bei den privaten Krankenversicherungen erheblich.
Ziffer 657 in der neuen GOÄ
Die vektorkardiographische Untersuchung (heute beim 2,3-fachen Satz: 26,55 €) ist als eigenständige Leistung entfallen: Sie geht in die neuen EKG-Leistungen 2901 und 2903 auf, wo die Vektorkardiographie als fakultativer Bestandteil ausdrücklich aufgeführt ist und mit dem jeweiligen Festpreis abgegolten wird. Eine gesonderte Berechnung ist nicht mehr möglich.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 657
Was hat nicht gestimmt?