Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 865 wirft in der Praxis oft Fragen auf. Erfahren Sie alles über die analoge Anwendung, Steigerungsfaktoren und wichtige Ausschlüsse.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 865
Besprechung mit dem nichtärztlichen Psychotherapeuten über die Fortsetzung der Behandlung
Die GOÄ-Ziffer 865 beschreibt eine wichtige koordinative Leistung im Schnittfeld zwischen ärztlicher Versorgung und psychotherapeutischer Behandlung. Historisch basiert die Ziffer auf dem Delegationsverfahren, bei dem der Arzt die Indikation und Zweckmäßigkeit einer fortlaufenden Therapie beurteilt. Heute dient diese Ziffer der Sicherung einer integrierten Patientenversorgung durch den fachlichen Austausch auf Augenhöhe.
Die Leistung umfasst die fachliche Abstimmung über den bisherigen Therapieverlauf sowie die Planung der weiteren therapeutischen Schritte. Eine persönliche Anwesenheit des Patienten ist für diese Leistung nicht erforderlich, da es sich um eine reine interkollegiale Konsultation handelt. Die Ziffer stellt sicher, dass der behandelnde Arzt stets über den aktuellen Stand der psychotherapeutischen Interventionen informiert bleibt.
GOÄ 865 in der Praxis: Analoge Anwendung und Indikationen
In der modernen Praxis findet die GOÄ 865 weit über den historischen Wortlaut hinaus Anwendung. Obwohl die Legende nur die Fortsetzung erwähnt, ist die Abrechnung auch bei der Einleitung einer Psychotherapie zulässig. Da die Abstimmung zu Beginn einer Therapie meist einen Behandlungsplan erfordert, ist dieser Schritt medizinisch vollkommen gleichwertig.
Zudem ist die Ziffer nicht auf tiefenpsychologische Verfahren beschränkt, sondern gilt ausdrücklich auch für die Verhaltenstherapie. Da Psychologische Psychotherapeuten die GOÄ ebenfalls anwenden, können sie diese Ziffer bei einer Besprechung mit dem Arzt analog heranziehen. Dies sichert eine faire Vergütung für beide beteiligten Behandlerseiten.
Tipp: Bei der Einleitung einer Psychotherapie ist der Abstimmungsaufwand meist besonders hoch. In diesen Fällen sollte ein erhöhter Steigerungsfaktor gewählt und mit dem komplexen Gesamtbehandlungsplan begründet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 865
Fallbeispiel 1: Fortsetzung einer tiefenpsychologischen Therapie
Ein niedergelassener Psychiater bespricht telefonisch mit einer psychologischen Psychotherapeutin den Verlauf einer laufenden tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Es wird vereinbart, die Behandlung um weitere Stunden zu verlängern. Der Psychiater rechnet hierfür die GOÄ-Ziffer 865 zum Regelsatz (2,3-fach, 46,25 €) ab.
Fallbeispiel 2: Einleitung einer Verhaltenstherapie
Eine Nervenärztin stimmt sich mit einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten über die Einleitung einer Verhaltenstherapie bei einem minderjährigen Patienten ab. Aufgrund der komplexen familiären Situation und der Erstellung eines individuellen Behandlungsplans dauert das Gespräch ungewöhnlich lange. Die Ärztin rechnet die GOÄ-Ziffer 865 analog mit einem gesteigerten Faktor von 2,8 ab.
Fallbeispiel 3: Analoge Abrechnung durch den Psychotherapeuten
Ein psychologischer Psychotherapeut führt ein Konsiliargespräch mit dem behandelnden Hausarzt zur Abklärung somatischer Ursachen vor Beginn einer analytischen Psychotherapie. Da der Therapeut selbst nach der GOÄ liquidiert, setzt er die GOÄ-Ziffer 865 analog an. Die Abrechnung erfolgt problemlos zum Regelsatz.
Häufige Fehler bei der GOÄ 865: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 865 ist die Missachtung von Ausschlussziffern. Insbesondere die GOÄ-Ziffer 808, welche die Erstellung eines Berichts an den Gutachter umfasst, schließt die Nebeneinanderberechnung aus. Wenn ein Gutachterverfahren eingeleitet wird, ist die Besprechung in der Leistung nach Nr. 808 enthalten.
Ein weiterer Fehler ist der Versuch, die Ziffer für Besprechungen mit anderen nichtärztlichen Berufsgruppen wie Physiotherapeuten oder Logopäden zu nutzen. Dies stellt eine unzulässige Ausweitung des Gebührenverzeichnisses dar. Solche koordinativen Tätigkeiten können allenfalls über die GOÄ-Ziffer 15 abgebunden werden.
Achtung: Teambesprechungen oder Fallkonferenzen im größeren Kreis dürfen nicht über die GOÄ 865 abgerechnet werden. Die Ziffer ist streng auf den bilateralen Austausch zwischen Arzt und Psychotherapeut beschränkt.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 865: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch private Krankenversicherungen. In der Patientenakte müssen der Name des Gesprächspartners sowie das genaue Datum und die Uhrzeit der Besprechung festgehalten werden. Auch die wesentlichen therapeutischen Ergebnisse sollten kurz skizziert werden.
Falls ein erhöhter Steigerungsfaktor angewendet wird, muss die medizinische Begründung direkt aus der Dokumentation hervorgehen. Angaben zur Komplexität des Krankheitsbildes oder zur Dauer des Gesprächs sind hierbei entscheidend. Eine pauschale Begründung ohne Patientenbezug wird von Prüfstellen meist abgelehnt.
Dokumentation: 12.10.2023, 14:15 Uhr: Telefonische Besprechung mit PP Fr. Dr. Müller zur Fortsetzung der Verhaltenstherapie bei Pat. mit schwerer depressiver Episode. Abstimmung über Medikation und Frequenz der Sitzungen. Zeitaufwand: 15 Min.
GOÄ 865: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ 865 kann bei erhöhtem Aufwand bis zum 3,5-fachen Satz gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenüberschreitung sind eine ausgeprägte Multimorbidität des Patienten, schwierige differentialdiagnostische Abgrenzungen oder ein außergewöhnlich hoher Zeitaufwand bei der Erstkonzeption des Therapieplans.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer wird häufig mit psychiatrischen Grundleistungen kombiniert. Erlaubt ist beispielsweise die Nebeneinanderberechnung mit der GOÄ-Ziffer 800 (eingehende neurologische Untersuchung) oder psychiatrischen Gesprächsziffern an unterschiedlichen Tagen. Wichtig bleibt, dass am selben Tag keine Leistungsüberschneidung mit der GOÄ 808 vorliegt.
Ziffer 865 in der neuen GOÄ
Die Besprechung mit dem nichtärztlichen Psychotherapeuten über die Fortsetzung der Behandlung (bisher 46,25 € beim 2,3-fachen Satz) sieht der Entwurf der neuen GOÄ nicht als eigenständige Leistung vor. Der Entwurf enthält keine eigene Nachfolgeleistung für diese Koordinationsleistung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 865
Was hat nicht gestimmt?