GOÄ 1259: Pupillographie korrekt abrechnen & anwenden

1259
Pupillographie
I Augenheilkunde
Punktzahl
242
Einfachsatz
14,11 €
Regelhöchstsatz
25,40 €
Höchstsatz
35,27 €

Die Pupillographie nach GOÄ 1259 ist ein spezielles Messverfahren. Erfahren Sie hier alles zu Indikationen, korrekter Abrechnung und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1259

Pupillographie

Die GOÄ-Ziffer 1259 beschreibt ein spezialisiertes diagnostisches Verfahren zur Untersuchung der Pupillenfunktion. Es handelt sich hierbei um ein elektronisches Messverfahren, das die Reaktion der Pupille auf Lichtreize kontinuierlich misst und graphisch aufzeichnet. Die Leistung umfasst die Messung (Metrie) sowie die fortlaufende graphische Registrierung (Graphie).

Typischerweise wird die Untersuchung bei Infrarotbeleuchtung in einem Dunkelraum durchgeführt, um exakte und standardisierte Ergebnisse zu erzielen. In der Gebühr sind auch notwendige Zusatzleistungen wie die Feststellung des Kurvenablaufs sowie eventuell angefertigte Fotografien, Serien- oder Filmaufnahmen zur Dokumentation bereits enthalten. Diese Bilddokumentationen sind nicht gesondert honorarfähig.

GOÄ 1259 in der Praxis: Indikationen und technische Anforderungen

Die Pupillographie ist kein Routineverfahren, sondern kommt bei spezifischen diagnostischen Fragestellungen zum Einsatz. Die Indikationen liegen vorwiegend im Bereich von Erkrankungen des Zentralnervensystems sowie bei neurologischen, psychiatrischen und psychischen Anomalien. Sie dient der objektiven Erfassung von Störungen im autonomen Nervensystem.

Typische klinische Szenarien für den Einsatz der Pupillographie sind der Verdacht auf ein Horner-Syndrom, die Abklärung einer Adie-Pupille oder die Diagnostik von autonomen Neuropathien, beispielsweise im Rahmen eines Diabetes mellitus. Die Ziffer setzt zwingend den Einsatz eines Gerätes voraus, das eine kontinuierliche, graphische Aufzeichnung der Pupillenreaktion unter standardisierten Reizbedingungen ermöglicht. Eine manuelle Prüfung mit einer Stablampe erfüllt diese Anforderung nicht.

Tipp: Die GOÄ 1259 ist eine rein technische Leistung. Die für die Indikationsstellung notwendige Untersuchung und die Befundinterpretation sollten mit den entsprechenden Untersuchungs- und Beratungsziffern (z.B. GOÄ 1, 3, 6, 7, 800, 1200) zusätzlich abgerechnet werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1259

Fallbeispiel 1: Abklärung bei V.a. Horner-Syndrom

Ein Patient stellt sich mit einer einseitigen Miosis und Ptosis vor. Zur Objektivierung und Bestätigung des Verdachts auf ein Horner-Syndrom wird eine Pupillographie durchgeführt. Die Messung im Dunkelraum zeigt eine charakteristische Dilatationsverzögerung der betroffenen Pupille, was den Verdacht erhärtet. Die Abrechnung der GOÄ 1259 ist hier vollumfänglich gerechtfertigt.

Fallbeispiel 2: Differenzierung einer Anisokorie

Bei einer Patientin wird eine unklare Anisokorie (Pupillendifferenz) festgestellt. Mittels Pupillographie wird die Reaktion beider Pupillen auf Lichtreize unterschiedlicher Intensität verglichen. Das Verfahren hilft, eine harmlose physiologische Anisokorie von einer pathologischen Ursache, wie einer parasympathischen Lähmung, zu unterscheiden. Die graphische Aufzeichnung ist hierbei für die Differenzialdiagnose entscheidend.

Fallbeispiel 3: Monitoring einer autonomen Neuropathie

Ein langjähriger Diabetiker wird zur Beurteilung einer möglichen autonomen Neuropathie vorgestellt. Die Pupillographie dient als nicht-invasiver Test zur Überprüfung der Funktion des autonomen Nervensystems. Eine veränderte Latenz und Amplitude der Pupillenlichtreaktion kann ein früher Indikator für eine Schädigung sein. Die Messung wird zur Verlaufsbeurteilung dokumentiert und ist nach GOÄ 1259 abrechenbar.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1259: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 1259 ist die Anwendung der Ziffer für Leistungen, die den definierten Umfang nicht erfüllen. Prüfstellen von privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen beanstanden regelmäßig die Abrechnung, wenn keine elektronische und graphische Registrierung stattgefunden hat.

Eine alleinige Fotografie der Pupillen oder des vorderen Augenabschnitts, beispielsweise zur Dokumentation einer Anisokorie, ist explizit keine Pupillographie im Sinne der GOÄ 1259. Solche Bilddokumentationen gelten als nicht gesondert berechnungsfähige Nebenleistungen. Die Abrechnung der Ziffer 1259 ist in solchen Fällen unzulässig und führt zu Kürzungen.

Achtung: Die GOÄ 1259 darf nicht für eine manuelle Prüfung der Pupillenreaktion mit einer Leuchte angesetzt werden. Die Leistung erfordert zwingend ein technisches Gerät, das eine Messkurve aufzeichnet.

Dokumentation der GOÄ 1259: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und nachvollziehbare Dokumentation ist entscheidend, um die Abrechnung der GOÄ 1259 bei Rückfragen zu verteidigen. Die Patientenakte sollte die medizinische Indikation für die Untersuchung klar benennen. Ohne eine plausible Begründung kann die medizinische Notwendigkeit infrage gestellt werden.

Zentraler Bestandteil der Dokumentation ist der Nachweis der technischen Durchführung. Der ausgedruckte oder digital gespeicherte Kurvenverlauf der Messung ist der beste Beleg. Eine schriftliche Zusammenfassung der Ergebnisse und deren klinische Interpretation sollte ebenfalls in der Akte vermerkt werden.

Dokumentation: V.a. Adie-Pupille rechts. Durchführung einer Pupillographie im Dunkelraum. Befund: Tonische Pupille rechts mit verzögerter, wurmförmiger Reaktion auf Lichtreiz. Kurvenverlauf digital archiviert. Bestätigt Verdachtsdiagnose.

GOÄ 1259: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ 1259 kann über den Regelhöchstsatz (1,8-fach) hinaus bis zum 2,5-fachen Satz gesteigert werden, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen. Als Begründung können ein erhöhter Zeitaufwand oder eine besondere Schwierigkeit bei der Durchführung angeführt werden. Beispiele hierfür sind Untersuchungen bei Kindern, stark unruhigen Patienten oder Patienten mit kognitiven Einschränkungen, die eine intensive Betreuung während der Messung erfordern.

Typische Ziffernkombinationen

Die Pupillographie wird oft im Rahmen einer weiterführenden Diagnostik durchgeführt. Sinnvolle und zulässige Kombinationen sind:

  • GOÄ 1 und/oder 3: Beratung des Patienten
  • GOÄ 6, 7 oder 800: Vollständige augenärztliche oder neurologische Untersuchung als Grundlage für die Indikationsstellung
  • GOÄ 1200/1201: Untersuchung des Augenvordergrundes bzw. -hintergrundes
  • GOÄ 1212: Bestimmung des Augeninnendrucks

Die Kombination mit Ziffern für reine Fotografie (z.B. aus dem Abschnitt C VI) zur Dokumentation desselben Befundes ist nicht zulässig, da die Bilddokumentation bereits Bestandteil der Leistung nach GOÄ 1259 ist.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1259

Die GOÄ-Ziffer 1259 steht für die Pupillographie. Dies ist ein elektronisches Messverfahren, bei dem die Reaktion der Pupille auf Lichtreize kontinuierlich gemessen und als Kurve grafisch registriert wird. Sie dient der Diagnostik von neurologischen und ophthalmologischen Erkrankungen.
Die Abrechnung der GOÄ 1259 ist berechtigt, wenn eine elektronische, kontinuierliche und grafisch registrierende Messung der Pupillenfunktion durchgeführt wird. Typische Indikationen sind der Verdacht auf Erkrankungen des zentralen oder autonomen Nervensystems, wie das Horner-Syndrom oder eine autonome Neuropathie.
Nein, eine alleinige Fotografie der Pupille oder des Auges ist eine reine Bilddokumentation und erfüllt nicht den Leistungsinhalt der GOÄ 1259. Solche Aufnahmen sind laut Gebührenordnung nicht gesondert berechnungsfähig und können nicht mit dieser Ziffer abgerechnet werden.
Eine Steigerung über den Regelhöchstsatz (1,8-fach) ist bei besonderer Schwierigkeit oder erhöhtem Zeitaufwand möglich. Dies muss in der Rechnung nachvollziehbar begründet werden, beispielsweise durch mangelnde Kooperation eines Kindes oder eines dementen Patienten während der Messung.
Für die Abrechnung der GOÄ 1259 ist ein Pupillograph erforderlich. Dieses Gerät muss in der Lage sein, die Pupillenweite elektronisch zu messen und die Reaktion auf standardisierte Lichtreize als fortlaufende Kurve grafisch darzustellen, oft unter Infrarotlicht in einem abgedunkelten Raum.

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