Erfahren Sie, wie Sie die GOÄ-Ziffer 1262 (Ophthalmodynamometrie) rechtssicher abrechnen, Fehler vermeiden und Steigerungssätze optimal nutzen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1262
Ophthalmodynamometrie – gegebenenfalls einschließlich Tonometrie –, erste Messung
Die Ophthalmodynamometrie nach GOÄ-Ziffer 1262 beschreibt eine spezialisierte augenärztliche Untersuchung zur Bestimmung des Blutdrucks in der Zentralarterie der Netzhaut. Diese Messung liefert wichtige Rückschlüsse auf die Durchblutungsverhältnisse des Auges und des Gehirns. Eine eventuell zusätzlich erforderliche Tonometrie (Augeninnendruckmessung) ist in dieser Ziffer bereits enthalten.
Die Leistung wird mit 242 Punkten bewertet. Dies entspricht im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 14,11 € und im Regelhöchstsatz (1,8-fach) einem Betrag von 25,40 €.
GOÄ 1262 in der Praxis: Diagnostik bei Karotisstenosen und Gefäßverschlüssen
Die Ophthalmodynamometrie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn der Verdacht auf eine Verengung der hirnversorgenden Gefäße, insbesondere der Arteria carotis interna, besteht. Durch den Druck auf den Augapfel wird der retinale Perfusionsdruck ermittelt, was eine indirekte Beurteilung der zerebralen Hämodynamik ermöglicht. Auch bei der Abklärung von flüchtigen Sehstörungen wie der Amaurosis fugax ist diese Methode klinisch hochrelevant.
Darüber hinaus dient das Verfahren der Verlaufskontrolle nach operativen Eingriffen an den Halsschlagadern. Der Behandler nutzt die Messung, um den Erfolg einer Rekonstruktion oder Stenteinlage objektiv zu dokumentieren. Eine Abgrenzung zu reinen Screening-Untersuchungen ist wichtig, da eine medizinische Indikation für die Abrechnung vorliegen muss.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1262
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Karotisstenose bei Amaurosis fugax
Ein Patient stellt sich mit vorübergehenden, schmerzlosen Sehstörungen auf einem Auge vor. Zum Ausschluss einer hämodynamisch relevanten Karotisstenose führt der Augenarzt eine Ophthalmodynamometrie durch. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 1262 neben der ophthalmologischen Grunduntersuchung.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle nach Karotis-Stent-Implantation
Nach einer erfolgreichen Stent-Implantation in der Arteria carotis wird die Durchblutung der Netzhautgefäße kontrolliert. Der Arzt führt die Messung durch, um den postoperativen Perfusionsdruck zu dokumentieren. Die GOÄ 1262 wird hierbei als selbstständige Leistung liquidiert.
Fallbeispiel 3: Abklärung eines retinalen Gefäßverschlusses
Bei einem Patienten mit akutem Sehverlust besteht der Verdacht auf einen retinalen Zentralarterienverschluss. Zur Beurteilung des kollateralen Kreislaufs und des retinalen Drucks wird die Ophthalmodynamometrie eingesetzt. Die Ziffer 1262 ist in diesem Akutszenario voll berechnungsfähig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1262: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 1262 ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung mit der einfachen Tonometrie nach GOÄ 1255. Da der Leistungstext der Ziffer 1262 die Formulierung „gegebenenfalls einschließlich Tonometrie“ enthält, ist die separate Berechnung der Augeninnendruckmessung am selben Tag ausgeschlossen. Dies führt regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen.
Ebenso sind die Ziffern 1256 (Tagesdruckkurve) und 1257 (Provokationstest bei Glaukom) am selben Behandlungstag nicht neben der GOÄ 1262 berechenbar. Behandler sollten darauf achten, diese Ausschlussziffern im Praxisverwaltungssystem (PVS) korrekt zu hinterlegen.
Achtung: Die Nebeneinanderberechnung der einfachen Tonometrie nach GOÄ 1255 ist am selben Untersuchungstag ausgeschlossen, da diese Leistung bereits in der GOÄ 1262 enthalten ist.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 1262: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen bei Prüfungen durch Kostenträger zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die Indikation, die gemessenen Druckwerte der Netzhautarterie (systolisch und diastolisch) sowie der zum Vergleich gemessene systemische Blutdruck festgehalten werden. Auch das Ergebnis einer eventuell durchgeführten Tonometrie gehört in den Befundbericht.
Die Dokumentation sollte so präzise sein, dass ein medizinischer Gutachter die Notwendigkeit der Untersuchung sofort nachvollziehen kann. Ein standardisiertes Schema in der Praxissoftware erleichtert diesen Prozess erheblich.
Dokumentationsbeispiel: Ophthalmodynamometrie beidseits bei V.a. Karotisstenose links. RR systemisch: 135/85 mmHg. Retinaler Perfusionsdruck rechts: 68/38 mmHg, links: 42/22 mmHg. Tonometrie-Wert: 16 mmHg beidseits. Keine Komplikationen.
GOÄ 1262: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 1,8-fachen Satz hinaus bis zum 2,5-fachen Satz ist bei der GOÄ 1262 möglich. Typische Begründungen für eine Faktorerhöhung sind ein überdurchschnittlicher Zeitaufwand durch mangelnde Kooperation des Patienten oder schwierige anatomische Verhältnisse, wie eine ausgeprägte Medientrübung. Auch ein starker Nystagmus kann die Fixation erschweren und eine Steigerung rechtfertigen.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 1262 wird häufig mit den ophthalmologischen Grundleistungen kombiniert. Dazu gehören die Ziffern für die Spaltlampenmikroskopie (GOÄ 1249) oder die Ophthalmoskopie (GOÄ 1250). Eine Kombination mit neurologischen Basisuntersuchungen ist ebenfalls denkbar, sofern diese medizinisch begründet und nicht durch andere Ausschlüsse blockiert sind.
Tipp: Bei der Abrechnung über dem Regelsatz (1,8-fach) sollte die Begründung stets patientenbezogen und konkret formuliert sein, beispielsweise "erhöhter Zeitaufwand bei ausgeprägtem Nystagmus".
Ziffer 1262 in der neuen GOÄ
Die Ophthalmodynamometrie (erste Messung) und die weiteren Messungen (1263) werden in der neuen GOÄ in einer einzigen Leistung zusammengefasst: neue Nummer 4854 „Kontaktglasdynamometrie" — Festpreis 28,53 €, einmal je Sitzung berechnungsfähig.
Die frühere Trennung nach erster und weiterer Messung (1262 + 1263 × n) bildet sich auf einen Ansatz 4854 ab. Heute liegt der 2,3-fache Satz der 1262 bei 25,40 €; 4854 liegt leicht höher. Zu beachten: Die Bezeichnung wechselt von „Ophthalmodynamometrie" zu „Kontaktglasdynamometrie" — inwieweit beide Methoden inhaltlich identisch sind, bedarf fachärztlicher Prüfung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1262
Was hat nicht gestimmt?