GOÄ 2082 richtig abrechnen: Erfahren Sie alles zu Indikationen, Fallstricken, Steigerungsfaktoren und der Kombination mit Ringbandplastiken.
1. Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2082
Im offiziellen Gebührenverzeichnis für Ärzte wird die Leistung wie folgt beschrieben:
Operative Herstellung eines Sehnenbettes – einschließlich einer alloplastischen Einlage an der Hand –
Diese hochspezialisierte Leistung aus dem Bereich der Extremitätenchirurgie umfasst die operative Vorbereitung eines Gleitkanals für eine spätere Sehnentransplantation. Die Ziffer beinhaltet sowohl die Freilegung und das Debridement des vernarbten Gewebes als auch das Einbringen und Verankern eines alloplastischen Platzhalters (z. B. eines Silikonstabs). Ziel ist es, den Körper zur Bildung einer neuen, gleitfähigen Gewebescheide anzuregen.
Die Leistung ist als primärer Eingriff bei schweren, meist traumatischer Natur entspringenden Gewebedefekten konzipiert. Da es sich um ein zweizeitiges Verfahren handelt, ist die spätere Einbringung der eigentlichen Sehnentransplantats nicht in dieser Ziffer enthalten.
2. GOÄ 2082 in der Praxis: Indikationen und klinischer Ablauf
Die Abrechnung der GOÄ 2082 setzt eine strenge medizinische Indikation voraus. Typischerweise liegt eine schwere, oft verstümmelnde Handverletzung vor, die mit einer massiven Zerstörung des Sehnenbettes und tiefen Narbenbildungen einhergeht. In solchen Fällen ist eine direkte Sehnennaht oder eine sofortige Transplantation aufgrund mangelnder Gleitfähigkeit des Gewebes nicht erfolgversprechend.
Der Operateur schafft in diesem ersten Schritt die anatomischen Voraussetzungen für die spätere Rekonstruktion. Der implantierte alloplastische Stab verbleibt für etwa 8 bis 12 Wochen im Gewebe, bis sich eine stabile, röhrenförmige Gewebsumscheidung gebildet hat. Erst nach dieser Konsolidierungsphase erfolgt der Folgeeingriff zur eigentlichen Sehnentransplantation.
Tipp: Die Kosten für das verwendete alloplastische Material (z. B. Silastik-Stab) sind nicht in der Gebühr enthalten. Diese können als Sachkosten gemäß § 10 GOÄ gesondert auf der Liquidation ausgewiesen werden.
3. Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2082
Um die korrekte Anwendung der Ziffer im Praxisalltag zu verdeutlichen, dienen die folgenden klinischen Szenarien als Orientierung.
Fallbeispiel 1: Zustand nach komplexem Hohlhandtrauma
Ein Patient stellt sich mit einer veralteten, vernarbten Beugesehnenverletzung am Mittelfinger vor. Der Operateur führt eine radikale Tenolyse und Exzision des Narbengewebes durch und implantiert einen Silikonstab zur Sehnenbettbildung. Abgerechnet wird die GOÄ 2082 zum Regelsatz sowie der ambulante OP-Zuschlag nach GOÄ 445.
Fallbeispiel 2: Rekonstruktion bei partiellem Ringbandverlust
Bei einer schweren Quetschverletzung der Hand zeigt sich neben dem Verlust der Beugesehne auch eine Zerstörung der Ringbänder. Neben der Einbringung des Platzhalters (GOÄ 2082) rekonstruiert der Chirurg das A2-Ringband. In diesem Fall sind die GOÄ 2082 und die GOÄ 2100 (Wiederherstellung von Anularligamenten) nebeneinander berechenbar.
Fallbeispiel 3: Postinfektiöse Sehnenbettzerstörung mit Gelenksteife
Nach einer schweren Handphlegmone ist das Sehnenbett des Zeigefingers vollständig vernarbt, zudem besteht eine Beugekontraktur im PIP-Gelenk. Der Operateur führt eine Arthrolyse des Gelenks durch und bereitet das Sehnenbett mit einem Platzhalter vor. Die Abrechnung erfolgt über die Kombination aus GOÄ 2082 und GOÄ 2134 (Arthrolyse) unter Berücksichtigung gesteigerter Sätze wegen des erhöhten Schwierigkeitsgrades.
4. Häufige Fehler bei der GOÄ 2082: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2082 ist die zeitgleiche Ansetzung der GOÄ 2083 (Sehnentransplantation). Da es sich per definitionem um ein zweizeitiges Verfahren handelt, können diese beiden Schritte nicht in derselben Sitzung am selben Sehnenbett stattfinden. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen solche Rechnungen umgehend.
Zudem wird oft übersehen, dass die Materialkosten für den Platzhalter separat liquidiert werden dürfen. Ohne diesen Sachkostennachweis verschenkt die Praxis bares Geld. Auch die Abgrenzung zu einfachen Tenolysen (GOÄ 2081) muss im OP-Bericht klar erkennbar sein, da Prüfer bei ungenauer Dokumentation gerne auf die niedriger bewertete Ziffer verweisen.
Achtung: Achten Sie penibel darauf, dass die Implantation des alloplastischen Materials im OP-Bericht explizit erwähnt und spezifiziert wird. Fehlt dieser Nachweis, wird die GOÄ 2082 bei einer Rechnungsprüfung meist nicht anerkannt.
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5. Dokumentation der GOÄ 2082: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Fundament, um Honorarkürzungen abzuwehren. Der OP-Bericht muss die medizinische Notwendigkeit des zweizeitigen Vorgehens klar darlegen. Hierzu gehören Angaben über das Ausmaß der Vernarbung, den Zustand der ursprünglichen Sehnenscheide und die genaue Lokalisation des Defekts.
Zusätzlich müssen die Maße und der Typ des verwendeten alloplastischen Materials sowie dessen proximale und distale Verankerung detailliert beschrieben werden. Ein Verweis auf den geplanten Zweiteingriff rundet die Dokumentation ab.
Dokumentationsbeispiel:
Präparation des stark vernarbten Sehnenbettes über dem D IV der linken Hand. Vollständige Exzision des narbigen Gewebes im Verlauf der ehemaligen tiefen Beugesehne. Einpassen und distale Verankerung eines Silastik-Stabes (Durchmesser 4 mm, Länge 15 cm) als temporärer Platzhalter. Nahtverschluss der Weichteile. Geplante zweitzeitige Sehnentransplantation (GOÄ 2083) in ca. 10 Wochen.
6. GOÄ 2082: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus ist bei der GOÄ 2082 gut begründbar, wenn besondere anatomische Schwierigkeiten vorliegen. Typische Begründungen sind ein erhöhter Zeitaufwand durch extreme Vernarbungen nach Voroperationen, anatomische Varianten oder die Notwendigkeit einer gleichzeitigen, aufwendigen Neurolyse der Fingernerven. Auch ein Zustand nach schweren Infektionen im Operationsgebiet rechtfertigt einen höheren Faktor (bis 3,5-fach).
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 2082 lässt sich regelkonform mit verschiedenen anderen chirurgischen Leistungen kombinieren. Häufige und zulässige Kombinationen umfassen:
- GOÄ 2100: Wiederherstellung von Anularligamenten (Ringbändern), da diese für die spätere Sehnenfunktion zwingend stabil sein müssen.
- GOÄ 2134: Arthrolyse eines oder mehrerer Fingergelenke bei bestehender Kontraktur.
- GOÄ 445: Zuschlag für die ambulante Durchführung operativer Leistungen.
- GOÄ 2583: Neurolyse eines Fingernervs, falls dieser im Narbengebiet mitbetroffen ist.
Ziffer 2082 in der neuen GOÄ
Die Operative Herstellung eines Sehnenbettes – einschließlich einer alloplastischen Einlage an der Hand – wird zur neuen Nummer 7729, abrechenbar 1x je Eingriff — Festpreis 285,67 €. Das sind 29 % mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 221,19 €. Die neue Legende bildet die Herstellung des Sehnengleitlagers ab; Material- und begleitende Sehnenscheidenmaßnahmen sind als gegebenenfalls eingeschlossene Bestandteile genannt.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2082
Was hat nicht gestimmt?