Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2100 birgt Fallstricke bei Ausschlüssen und Zielleistungen. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Honorarverluste sicher vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2100
Nr. 2100: Naht der Gelenkkapsel eines Finger- oder Zehengelenks – 278 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 2100 beschreibt die operative Rekonstruktion der Gelenkkapsel an einem Finger- oder Zehengelenk. Diese Leistung umfasst den chirurgischen Zugriff, die Darstellung der verletzten Kapselstrukturen sowie die fachgerechte Kapselnaht zur Wiederherstellung der Gelenkstabilität. Die anatomische Integrität der Kapsel ist essenziell, um Spätfolgen wie chronische Instabilitäten oder Arthrose zu verhindern.
Wichtig für die Abrechnung is, dass diese Ziffer nur dann herangezogen werden kann, wenn die Kapselnaht die primäre medizinische Zielleistung darstellt. Ein bloßer Kapselverschluss im Rahmen eines anderen, umfassenderen Eingriffs am selben Gelenk ist mit der Hauptleistung abgegolten und darf nicht separat berechnet werden.
GOÄ 2100 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag
Im klinischen Alltag tritt die Notwendigkeit einer Gelenkkapselnaht meist nach traumatischen Ereignissen auf. Typisch sind geschlossene Luxationen, bei denen die Kapsel durch die Hebelwirkung des Gelenks zerreißt, während die darüber liegende Haut intakt bleibt. Auch offene Gelenkverletzungen, beispielsweise durch Schnitt- oder Stichwunden, erfordern häufig eine Kapselrekonstruktion.
Die Abgrenzung zu reinen Weichteilverletzungen ist für die korrekte Liquidation entscheidend. Eine Kapselnaht setzt immer die Eröffnung bzw. den traumatischen Riss des Gelenkraums voraus. Die chirurgische Versorgung muss sich explizit auf das fibröse Kapselgewebe beziehen, um die Abrechnung der GOÄ 2100 zu rechtfertigen.
Tipp: Achten Sie bei der Abgrenzung darauf, ob lediglich eine Sehnenhaube oder die tatsächliche Gelenkkapsel genäht wurde. Nur Letzteres rechtfertigt den Ansatz der GOÄ 2100.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2100
Fallbeispiel 1: Versorgung einer geschlossenen Kapselruptur nach Luxation
Ein Patient stellt sich mit einer geschlossenen, bereits reponierten Luxation des Fingermittelgelenks (PIP-Gelenk) vor. Diagnostisch zeigt sich eine erhebliche Instabilität durch einen Kapselriss. Es erfolgt die operative Freilegung und die anatomische Kapselnaht.
In diesem Fall wird die GOÄ-Ziffer 2100 als primäre Zielleistung berechnet. Da es sich um einen geschlossenen Eingriff ohne zusätzliche Wundversorgung handelt, ist die Ziffer 2100 im Regelsatz (2,3-fach) oder bei erhöhtem Aufwand mit Begründung steigerbar.
Fallbeispiel 2: Offenes Gelenktrauma mit Kapselriss und Wundversorgung
Nach einer tiefen Schnittverletzung am Zehenendgelenk zeigt sich eine offene Gelenkverletzung mit durchtrennter Kapsel. Der Operateur führt eine gründliche Wundreinigung, die Kapselnaht sowie die anschließende chirurgische Wundversorgung durch.
Abrechnungstechnisch ist hier die Kombination der GOÄ 2100 mit den Ziffern für die Wundversorgung (z. B. GOÄ 2003) zulässig. Die Kapselnaht gilt bei frischen Verletzungen als eigenständige Leistung neben der Haut- und Weichteilversorgung.
Fallbeispiel 3: Kapselnaht bei komplexer Schnittverletzung am Finger
Bei einer komplexen Schnittverletzung am Zeigefinger müssen sowohl die Gelenkkapsel als auch die Hautoberfläche versorgt werden. Die Kapselnaht erfolgt unter lokaler Anästhesie. Die Kapselrekonstruktion sichert die Gelenkfunktion.
Neben der GOÄ 2100 kann die Lokalanästhesie (z. B. GOÄ 490) sowie der ambulante Operationszuschlag nach Nr. 442 abgerechnet werden. Dies optimiert das Honorar für den ambulanten Eingriff rechtssicher.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2100: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die unzulässige Doppelabrechnung der Kapselnaht als "Schlussnaht" nach einer Arthrotomie oder Gelenkmobilisation. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen prüfen genau, ob die Kapselnaht als unselbstständige Hilfsleistung einer anderen Gelenkoperation durchgeführt wurde. Liegt beispielsweise eine Operation nach den Ziffern 2110 bis 2121 vor, ist die GOÄ 2100 explizit ausgeschlossen.
Zudem müssen die strikten Ausschlussziffern beachtet werden. Die GOÄ 2100 darf nicht neben den Ziffern 2105 (Bandnaht), 2110 (Eröffnung eines Finger- oder Zehengelenks) oder 2118 operativ angesetzt werden. Wird fälschlicherweise eine Bandnaht und eine Kapselnaht nebeneinander liquidiert, führt dies regelmäßig zur Kürzung der Rechnung.
Achtung: Die einfache Hautnaht zur Deckung des Operationsgebietes ist niemals als Kapselnaht nach GOÄ 2100 berechenbar. Dies gilt als unzulässige Aufspaltung einer operativen Leistung.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 2100: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wirksamste Mittel gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht muss die anatomische Schichtung der Versorgung klar hervorgehen. Es muss explizit beschrieben werden, wie die Gelenkkapsel dargestellt, mobilisiert und mit welchen Nahtmaterialien sie verschlossen wurde.
Auch der pathologische Befund, wie beispielsweise das Ausmaß des Kapselrisses oder eine begleitende Instabilität, gehört zwingend in die Patientenakte. Dies liefert im Nachgang die medizinische Begründung für die Notwendigkeit des Eingriffs und schützt vor Regressansprüchen.
Dokumentationsbeispiel:
...Nach sterilem Abdecken und Lokalanästhesie (Oberst-Block) Darstellung der traumatischen Kapselruptur am PIP-Gelenk Dig. II. Spülung des Gelenkraums. Anatomische Kapselrekonstruktion mittels U-Nähten (PDS 4-0). Das Gelenk zeigt sich postoperativ stabil. Anschließend schichtweiser Wundverschluss...
GOÄ 2100: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2100 kann bei überdurchschnittlichem operativem Aufwand über den Regelsatz von 2,3 angehoben werden. Typische Begründungen für eine Faktorsteigerung bis 3,5 sind stark zerfaserte Kapselränder, die eine aufwendige plastische Rekonstruktion erfordern, oder schwierige anatomische Verhältnisse bei rezidivierenden Luxationen. Auch eine erhebliche Verschmutzung der Wunde bei offenen Traumata rechtfertigt einen höheren Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Im Rahmen einer ambulanten Operation lässt sich die GOÄ 2100 hervorragend mit begleitenden Leistungen kombinieren. Zulässig ist die Abrechnung von Anästhesieleistungen (z. B. Nr. 490) sowie der Zuschlag für ambulantes Operieren nach Nr. 442. Bei frischen Verletzungen ist zudem die Kombination mit den Wundversorgungsziffern (Nrn. 2000ff.) für die Hautnaht möglich, sofern es sich um getrennte anatomische Schritte handelt.
Ziffer 2100 in der neuen GOÄ
Die bisherige Leistung erhält die neue Nummer 7735 — „Naht bzw. Nähte und/oder Refixation(en) am Kapselbandapparat eines kleinen Gelenks“. Der Festpreis liegt bei 291,59 €. Zum Vergleich: der heutige 2,3-fache Satz beträgt 37,26 €. Die Leistung nach Nummer 7735 ist nicht berechnungsfähig für die Naht am Schultereckgelenk. Der Kapselbandapparat umfasst auch die Ringbänder und kann unabhängig von der Anzahl der behandelten Ringbänder pro Gelenk nur einmal berechnet werden..
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2100
Was hat nicht gestimmt?