Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2088 bei Dupuytren-Kontraktur: Erfahren Sie alles zu Fallbeispielen, Ausschlüssen und Dokumentationstipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2088
Operation einer Dupuytren’schen Kontraktur mit vollständiger Entfernung der Palmaraponeurose
Die GOÄ-Ziffer 2088 beschreibt eine hochspezifische chirurgische Leistung an der Hand. Die Palmaraponeurose stellt die derbe Sehnenplatte in der Hohlhand dar, welche die Fortsetzung der Sehne des langen und/oder kurzen Hohlhandmuskels bildet. Bei der Dupuytren’schen Kontraktur kommt es zu einer gutartigen, aber fortschreitenden Fibromatose dieser Struktur, die zu schmerzhaften Strangbildungen und Beugekontrakturen der Finger führt.
Die Leistung nach Nr. 2088 GOÄ umfasst die vollständige Entfernung dieser Aponeurose (totale Fasziektomie). Dies unterscheidet sie maßgeblich von der partiellen Resektion. Alle präparatorischen Schritte, die Darstellung der neurovaskulären Bündel sowie die eigentliche Exzision des veränderten Gewebes sind mit dieser Gebührennummer abgegolten.
GOÄ 2088 in der Praxis: Indikation und Abgrenzung
Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2088 setzt eine medizinisch indizierte, vollständige Resektion der Palmaraponeurose voraus. Typische klinische Situationen betreffen Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Morbus Dupuytren (meist Stadium III oder IV nach Tubiana), bei denen eine erhebliche Einschränkung der Handfunktion vorliegt. Die Indikation ist gegeben, wenn eine konservative Therapie keinen Erfolg verspricht und eine dauerhafte Streckhemmung der Finger droht.
Ein wesentlicher Aspekt in der Praxis ist die Abgrenzung zur Ziffer 2087, welche lediglich die partielle Entfernung der Palmaraponeurose beschreibt. Wird im Zuge des Eingriffs nur ein Teil der Sehnenplatte oder ein einzelner Strang entfernt, ist zwingend die Nr. 2087 anzusetzen. Die vollständige Entfernung nach Nr. 2088 erfordert eine radikale Sanierung der gesamten Hohlhandaponeurose, was operativ deutlich aufwendiger ist.
Tipp: Die Wahl zwischen den Ziffern 2087 und 2088 richtet sich ausschließlich nach dem tatsächlichen operativen Ausmaß. Eine sorgfältige intraoperative Dokumentation des Resektionsausmaßes schützt vor Honorarkürzungen durch private Krankenversicherungen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2088
Fallbeispiel 1: Fortgeschrittene Dupuytren-Kontraktur Stadium III
Ein Patient stellt sich mit einer ausgeprägten Beugekontraktur des Ring- und Kleinfingers der rechten Hand vor. Konservative Maßnahmen blieben ohne Erfolg. Es erfolgt die stationäre Aufnahme und eine offene, vollständige Fasziektomie der gesamten Palmaraponeurose unter Schonung der Digitalnerven.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2088 zum Regelhöchstsatz (2,3-fach). Da der Eingriff ambulant durchgeführt wurde, kann zusätzlich der Zuschlag nach Nr. 444 berechnet werden.
Fallbeispiel 2: Rezidiveingriff bei ausgeprägtem Befund
Bei einer Patientin zeigt sich ein schweres Rezidiv eines Morbus Dupuytren mit narbigen Verwachsungen im Bereich der Hohlhand. Der Operateur führt eine aufwendige Neurolyse und die komplette Exzision des veränderten Aponeurosen- und Narbengewebes durch.
Aufgrund des massiven Narbengewebes und der schwierigen Präparation der Nerven-Gefäß-Strukturen wird die GOÄ-Ziffer 2088 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5 abgerechnet. Die Begründung verweist auf den extremen zeitlichen Mehraufwand durch die Rezidivsituation.
Fallbeispiel 3: Beidseitige Operation in getrennten Sitzungen
Ein Patient leidet an einer beidseitigen Dupuytren’schen Kontraktur. Zunächst erfolgt die vollständige operative Sanierung der linken Hand. Vier Wochen später wird die rechte Hand in gleicher Weise operiert.
Für beide getrennten Sitzungen kann jeweils die GOÄ-Ziffer 2088 in voller Höhe abgerechnet werden. Eine zeitgleiche Abrechnung in einer Sitzung wäre nur bei beidseitigem Eingriff unter Angabe des ICD-10-Codes und entsprechender Begründung (ggf. mit Steigerung) denkbar, ist jedoch klinisch unüblich.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2088: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ziffern, die bereits im Leistungsumfang der GOÄ 2088 enthalten oder explizit ausgeschlossen sind. So ist die Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Ziffern 2072 (Sehnennaht) oder 2073 (Sehnenverpflanzung) am selben operativen Feld nicht zulässig. Auch die Kombination mit der Ziffer 2087 (partielle Entfernung) schließt sich logisch und gebührenrechtlich aus.
Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen zudem genau, ob tatsächlich eine vollständige Entfernung der Palmaraponeurose stattgefunden hat. Wird in der Operationsdokumentation lediglich von der "Resektion eines Stranges" gesprochen, stufen Prüfer die Leistung regelmäßig auf die schlechter bewertete Nr. 2087 herunter.
Achtung: Die Ziffern 2075 (Sehnenlösung) und 2076 (Tenolyse) dürfen für dieselbe anatomische Struktur nicht neben der Nr. 2088 abgerechnet werden, da die Freilegung der Sehnen inhärenter Bestandteil der Fasziektomie ist.
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Dokumentation der GOÄ 2088: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Operationsdokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die anatomischen Strukturen exakt benennen und den Operationsverlauf detailliert beschreiben. Insbesondere die vollständige Darstellung und Mobilisation der Palmaraponeurose sowie deren komplette Resektion müssen explizit erwähnt werden.
Zusätzlich sollten Angaben zur Präparation der Gefäß-Nerven-Bündel und zur Blutstillung im Bericht enthalten sein. Falls anatomische Besonderheiten oder starke Verwachsungen vorlagen, müssen diese detailliert beschrieben werden, um eine spätere Faktorerhöhung zu rechtfertigen.
Dokumentationsbeispiel: "...Nach Hautschnitt und Darstellung der Hohlhandfaszie zeigt sich eine diffuse Fibromatose. Präparation und vollständige Mobilisation der gesamten Palmaraponeurose unter sorgfältiger Schonung der digitalisierenden Gefäße und Nerven. Komplette Exzision der Aponeurose in toto. Histologische Sicherung des Resektats..."
GOÄ 2088: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2088 kann bei überdurchschnittlich schwierigen Operationsbedingungen über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenüberschreitung sind ein extrem ausgeprägter Befund mit starker Kontraktur (z. B. Tubiana-Stadium IV), ausgeprägte Narbenbildung bei Rezidiveingriffen oder die anatomische Nähe zu verlagerten Nervenbahnen, die eine zeitaufwendige Mikropräparation erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Hauptleistung nach Nr. 2088 können weitere selbstständige Leistungen abgerechnet werden, sofern sie nicht dem Zielleistungsprinzip unterliegen. Häufig kombiniert wird die Ziffer mit Anästhesieleistungen oder postoperativen Überwachungsziffern. Bei ambulanten Eingriffen ist der Zuschlag nach Nr. 444 (Zuschlag bei ambulanter Durchführung von operativen Leistungen) oder Nr. 440 (Zuschlag für Laseranwendung, falls zutreffend) ansetzbar.
Nicht zulässig ist hingegen die zusätzliche Abrechnung von einfachen Wundverschlüssen oder Standard-Blutstillungen, da diese als allgemeine operative Teilschritte gelten. Eine aufwendige plastische Deckung mittels Schwenklappen (z. B. Z-Plastik) kann jedoch unter Beachtung der entsprechenden GOÄ-Ziffern (z. B. Nr. 2381 oder 2382) eigenständig berechnungsfähig sein.
Ziffer 2088 in der neuen GOÄ
Je nach Befund und Vorgehen löst die Operation einer Dupuytren’schen Kontraktur mit vollständiger Entfernung der Palmaraponeurose (heute 147,48 € beim 2,3-fachen Satz) in der neuen GOÄ unterschiedliche Leistungen aus:
- Bei perkutane Nadelfasziotomie bei Morbus Dupuytren oder Ledderhose: 7778 (1x je Eingriff) (181,13 €)
- Bei Morbus Ledderhose: 7779 (253,34 €)
- Bei in allen anderen Fällen: 7776 (1x je Eingriff) (400,00 €)
Die Preisspanne reicht von 181,13 € bis 400,00 € — eine präzise Dokumentation entscheidet über den Ansatz.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2088
Was hat nicht gestimmt?