Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2076 (Tendolyse) birgt Fallstricke. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Fehler vermeiden und Ihr Honorar rechtssicher steigern.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2076
GOÄ-Ziffer 2076: Operative Lösung von Verwachsungen um eine Sehne, als selbständige Leistung (950 Punkte)
Die GOÄ-Ziffer 2076 beschreibt die sogenannte Tendolyse, bei der narbige Verwachsungen im Bereich des Sehnengleitgewebes operativ gelöst werden. Ziel dieses Eingriffs ist es, die freie Gleitfähigkeit der betroffenen Sehne wiederherzustellen und Bewegungseinschränkungen zu beseitigen. Diese Leistung ist explizit als selbstständige Leistung definiert, was bedeutet, dass sie nicht als bloßer Teilschritt einer umfassenderen Sehnenoperation abgerechnet werden darf.
Die Ziffer findet vor allem in der Extremitätenchirurgie Anwendung, wenn nach Verletzungen, Entzündungen oder vorangegangenen Operationen Verklebungen das Gleiten der Sehne behindern. Der Eingriff erfordert eine präzise Präparation, um das umliegende Gewebe zu schonen und die Sehnenstruktur intakt zu halten.
GOÄ 2076 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2076 setzt voraus, dass die Tendolyse die primäre und eigenständige therapeutische Maßnahme darstellt. Typische Indikationen sind posttraumatische oder postoperative Verwachsungen, die zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führen. Häufig betrifft dies die Beuge- oder Strecksehnen der Hand oder des Fußes nach längerer Immobilisation.
Ein wesentlicher Aspekt ist die Abgrenzung zu anderen Eingriffen an Sehnen. Wird beispielsweise eine Sehnennaht durchgeführt und im selben Operationsgebiet eine Verwachsung gelöst, ist die Tendolyse meist Bestandteil der Hauptleistung und kann nicht separat über die Ziffer 2076 liquidiert werden. Die selbstständige Indikationsstellung muss daher klar aus dem Operationsbericht hervorgehen.
Tipp: Wenn die operative Lösung von Verwachsungen an mehreren, anatomisch getrennten Sehnen erfolgt, kann die Ziffer 2076 unter Umständen mehrfach angesetzt werden. Dies erfordert jedoch eine präzise Dokumentation der unterschiedlichen Lokalisationen und Zugangswege.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2076
Fallbeispiel 1: Postoperative Tendolyse an der Hand
Ein Patient stellt sich sechs Monate nach einer versorgten Beugesehnenverletzung mit einer ausgeprägten Bewegungseinschränkung des Ringfingers vor. Diagnostiziert werden Verwachsungen im Bereich der Sehnenscheide. Es erfolgt die operative Freilegung und die vollständige Lösung der Verwachsungen (Tendolyse) als alleiniger Eingriff.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2076 als selbstständige Leistung. Da der Eingriff ambulant durchgeführt wurde, kann zusätzlich der Zuschlag nach Nummer 444 für ambulante Operationen berechnet werden.
Fallbeispiel 2: Tendolyse der Achillessehne nach chronischer Entzündung
Bei einer Patientin mit chronischer Achillodynie und ausgeprägten peritendinösen Verklebungen wird eine operative Freilegung der Achillessehne durchgeführt. Die Sehne selbst ist intakt, jedoch stark mit dem Paratenon verklebt. Die Verwachsungen werden sorgfältig gelöst, um die Gleitfähigkeit der Sehne wiederherzustellen.
Auch hier ist die Ziffer 2076 die korrekte Hauptleistung. Da es sich um einen größeren Eingriff an einer großen Sehne handelt, kann bei erhöhtem Zeitaufwand ein erhöhter Steigerungssatz (z. B. 2,8-fach oder 3,5-fach) mit entsprechender Begründung gewählt werden.
Fallbeispiel 3: Arthroskopische Tendolyse der Patellarsehne
Nach einer Knie-Arthroskopie leidet ein Patient unter einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung durch Verwachsungen im Bereich der Patellarsehne. Im Rahmen eines erneuten Eingriffs werden diese Verwachsungen operativ gelöst. Es werden keine weiteren rekonstruktiven Maßnahmen an der Sehne durchgeführt.
Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 2076. Da der Eingriff die Kriterien einer selbstständigen Leistung erfüllt, ist die Abrechnung neben diagnostischen Maßnahmen zulässig. Die vollständige Wiederherstellung der Mobilität steht im Fokus der Dokumentation.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2076: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2076 ist die Missachtung der Ausschlussziffern. Die Ziffer darf nicht neben den Nummern 2075 (Sehnenplastik), 2087 bis 2089 (Sehnennaht, Sehnenverpflanzung) sowie 2091 und 2092 (Eingriffe an Sehnenscheiden) abgerechnet werden, wenn diese im selben Operationsgebiet erbracht werden. Private Krankenversicherungen prüfen diese Kombinationen standardmäßig und kürzen die Erstattung bei Verstößen.
Ein weiterer Streitpunkt ist das Kriterium der "selbstständigen Leistung". Wenn die Tendolyse lediglich als vorbereitender oder begleitender Schritt einer anderen Hauptoperation dient, ist sie mit der Gebühr für die Hauptleistung abgegolten. Die Abrechnung der Ziffer 2076 ist in solchen Fällen unzulässig und führt regelmäßig zu Beanstandungen durch Prüfstellen.
Achtung: Die bloße Darstellung einer Sehne im Rahmen eines anderen Eingriffs rechtfertigt nicht den Ansatz der Ziffer 2076. Es muss eine eigenständige, therapeutisch relevante Lösung von Verwachsungen stattgefunden haben, die über das normale operative Freipräparieren hinausgeht.
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Dokumentation der GOÄ 2076: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die medizinische Notwendigkeit der Tendolyse klar darlegen. Es sollte detailliert beschrieben werden, welche Verwachsungen vorlagen, wie diese die Funktion der Sehne beeinträchtigten und mit welchen chirurgischen Techniken die Lösung erfolgte.
Zudem muss die Unabhängigkeit des Eingriffs von anderen Maßnahmen im selben Operationsgebiet hervorgehoben werden. Die Angabe der genauen Lokalisation und der betroffenen Sehne ist für die Nachvollziehbarkeit der Abrechnung unerlässlich.
Dokumentationsbeispiel:
"Operativer Zugang über der Beugesehne des Digitus IV links. Darstellung der Sehne, die im Bereich des A2-Ringbandes stark narbig verwachsen ist. Sorgfältige, scharfe und stumpfe Neurolyse und Tendolyse der Sehne unter Schonung der Gefäß-Nernen-Strukturen. Nach der Lösung zeigt sich eine freie passive Gleitfähigkeit der Sehne über das gesamte Bewegungsausmaß."
GOÄ 2076: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2076 kann bei überdurchschnittlichem Schwierigkeitsgrad oder erhöhtem Zeitaufwand über den Regelsatz von 2,3 hinaus gesteigert werden. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungssatz (bis zum 3,5-fachen Satz) sind besonders ausgeprägte, derbe Vernarbungen nach schweren Traumata oder Voroperationen. Auch die Nähe zu sensiblen anatomischen Strukturen wie Nerven oder großen Gefäßen, die eine extrem vorsichtige Präparation erfordert, rechtfertigt eine Steigerung.
Die Begründung muss patientenindividuell und konkret formuliert sein. Allgemeine Floskeln wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen meist nicht aus und werden von den Kostenträgern oft zurückgewiesen.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die Ziffer 2076 mit Anästhesieleistungen oder Zuschlägen für ambulantes Operieren kombiniert. Zulässig ist beispielsweise die Kombination mit dem Zuschlag nach Nummer 444 (Zuschlag bei ambulanter Durchführung von operativen Leistungen, die mit 800 bis 1199 Punkten bewertet sind). Auch die Kombination mit physikalisch-medizinischen Leistungen im Rahmen der Nachsorge ist üblich, sofern die zeitlichen und formalen Vorgaben der GOÄ eingehalten werden.
Ziffer 2076 in der neuen GOÄ
Die Operative Lösung von Verwachsungen um eine Sehne, als selbständige Leistung wird zur neuen Nummer 7728, abrechenbar 1x je Eingriff — Festpreis 305,66 €. Das sind 140 % mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 127,35 €. Die Selbständigkeit der alten Leistung bleibt in der neuen Abrechnungsregel ausdrücklich erhalten. Abrechnungshinweis: Die Leistung nach Nummer 7728 ist nicht im Rahmen anderer Operationen berechnungsfähig. Titel / Zusatz / Abrechnungsbestimmung Gebührensatz
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2076
Was hat nicht gestimmt?