Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2210 für die operative Einrenkung von Finger- und Zehengelenken mit Praxisbeispielen und Tipps zur Steigerung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2210
Operative Einrenkung der Luxation eines Finger- oder Zehengelenks
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 2210 umfasst die offene, operative Reposition eines verrenkten Finger- oder Zehengelenks. Im Gegensatz zur geschlossenen Einrenkung erfordert diese Maßnahme die chirurgische Eröffnung des Gelenks, um Repositionshemmnisse wie interponiertes Gewebe zu beseitigen. Die Ziffer deckt rein die operative Einrenkung ab, während zusätzliche rekonstruktive Schritte gesondert bewertet werden.
Wichtig ist die Abgrenzung zu konservativen Verfahren. Sobald ein chirurgischer Zugang gelegt werden muss, um das Gelenk wieder in seine anatomische Position zu bringen, ist die Ziffer 2210 die korrekte Wahl. Die Vorbemerkungen des Abschnitts L der GOÄ sind hierbei stets zu beachten.
GOÄ 2210 in der Praxis: Indikationen und operative Herausforderungen
Die Indikation zur operativen Einrenkung nach GOÄ 2210 ist gegeben, wenn eine geschlossene Reposition frustran verlaufen ist oder anatomische Hindernisse vorliegen. Häufig verhindern eingeklemmte Sehnenanteile, Kapselrisse oder freie Gelenkkörper eine manuelle Einrenkung. In diesen Fällen ist die offene Freilegung des betroffenen Gelenks medizinisch indiziert.
Typische Szenarien finden sich in der Unfallchirurgie und Orthopädie nach Sportunfällen oder schweren Traumata. Besonders komplexe Luxationen der Finger- oder Zehengelenke erfordern ein präzises operatives Vorgehen, um Spätfolgen wie Arthrose oder chronische Instabilitäten zu vermeiden. Die Ziffer ist je Gelenk einmal berechnungsfähig.
Tipp: Sollten bei dem Eingriff zusätzliche Bandnähte oder Drahtfixationen notwendig sein, können diese Leistungen mit den entsprechenden eigenständigen GOÄ-Ziffern kombiniert werden, da sie nicht im Leistungsumfang der 2210 enthalten sind.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2210
Fallbeispiel 1: Offene Reposition nach Sportverletzung
Ein Patient stellt sich mit einer irreduziblen Luxation des Fingermittelgelenks (PIP) nach einem Handballsturz vor. Nach frustranem geschlossenen Repositionsversuch erfolgt die operative Freilegung und Einrenkung. Neben der GOÄ 2210 wird die Anästhesie und der Zuschlag 442 für ambulantes Operieren abgerechnet.
Fallbeispiel 2: Komplexe Zehenluxation mit Sehneninterposition
Bei einer Patientin liegt eine Luxation des Großzehengrundgelenks vor, bei der die Beugesehne im Gelenkspalt eingeklemmt ist. Die Reposition gelingt erst nach chirurgischer Eröffnung und Mobilisation der Sehne. Abgerechnet wird die GOÄ 2210 für die operative Einrenkung des Zehengelenks.
Fallbeispiel 3: Operative Einrenkung mit anschließender Kapselbandnaht
Nach einer schweren Luxation des Daumengrundgelenks zeigt sich intraoperativ eine vollständige Ruptur des ulnaren Seitenbandes. Der Operateur führt die operative Einrenkung (GOÄ 2210) durch und versorgt anschließend das Band mittels Naht. Die Bandnaht wird zusätzlich nach der entsprechenden Ziffer (z. B. GOÄ 2087) liquidiert, da sie nicht in der 2210 enthalten ist. Dies stellt eine vollkommen korrekte Kombination dar.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2210: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die gleichzeitige Abrechnung von geschlossenen Einrenkungen am selben Gelenk. Die GOÄ schließt die Nebeneinanderberechnung der Ziffern 2205 bis 2209 (geschlossene Repositionen) und der Ziffer 2210 explizit aus. Wurde zunächst ein geschlossener Versuch unternommen, der fehlschlug, darf letztlich nur die operative Einrenkung berechnet werden.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die Abrechnung, wenn aus dem OP-Bericht kein echter operativer Zugang hervorgeht. Eine rein perkutane Manipulation ohne Schnitt gilt nicht als operative Einrenkung im Sinne der Ziffer 2210. Achten Sie daher auf eine präzise Abgrenzung zur geschlossenen Reposition.
Achtung: Die Ziffer 2210 bezieht sich ausschließlich auf die Einrenkung. Rekonstruktive Maßnahmen an Sehnen oder Bändern müssen separat codiert werden, um Honorarverluste zu vermeiden.
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Dokumentation der GOÄ 2210: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Im OP-Bericht müssen der chirurgische Zugangsweg, die Darstellung des luxierten Gelenks sowie die Repositionshemmnisse detailliert beschrieben werden. Auch die anschließende Stabilitätsprüfung des Gelenks sollte schriftlich festgehalten werden.
Zusätzlich ist die postoperative Röntgenkontrolle zu dokumentieren und separat abzurechnen. Ein präziser Bericht sichert die Berechtigung der operativen Ziffer gegenüber der günstigeren geschlossenen Variante ab.
Dokumentation: "Hautschnitt über dem PIP-Gelenk D II. Darstellung der nach dorsal luxierten Phalanx. Beseitigung der Interposition der palmaren Platte. Leichtgängige, anatomische Reposition unter Sicht. Prüfung der Gelenkstabilität zeigt gute Führung."
GOÄ 2210: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert von 2,3 (54,56 €) kann bei Vorliegen besonderer Erschwernisse bis zum Höchstsatz von 3,5 (83,02 €) gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Steigerung sind erhebliche anatomische Deformitäten, starke Narbenbildung nach Voroperationen oder eine ausgeprägte Weichteilinterposition, die den Eingriff zeitlich und technisch signifikant verlängert.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 2210 lässt sich hervorragend mit anderen chirurgischen Leistungen kombinieren. Häufig erfolgt die Abrechnung zusammen mit Ziffer 2087 (Bandnaht) oder Ziffer 2254 (Drahtfixation). Auch die Anästhesieleistungen sowie der Zuschlag 442 für ambulante Operationen sind regelhaft anzusetzen, sofern die Kriterien erfüllt sind.
Ziffer 2210 in der neuen GOÄ
Die bisherige Leistung erhält die neue Nummer 7555 — „Offene Reposition der Luxation eines Grund-, Mittel- oder Endgelenks einer Zehe oder …“. Der Festpreis liegt bei 223,24 €. Zum Vergleich: der heutige 2,3-fache Satz beträgt 54,56 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2210
Was hat nicht gestimmt?