GOÄ 2325: Schlüsselbeinfraktur abrechnen – Tipps & Analogien

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2325
Einrichtung des gebrochenen Schlüsselbeins – einschließlich Nagelung und/oder Drahtung –
Punktzahl 567  
Einfachsatz 33,05 € 1,0x
Regelhöchstsatz 76,01 € 2,3x
Höchstsatz 115,67 € 3,5x
Ausschlüsse

Die operative Versorgung einer Claviculafraktur wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie, wie Sie die GOÄ-Ziffer 2325 rechtssicher und vollständig abrechnen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2325

Einrichtung des gebrochenen Schlüsselbeins – einschließlich Nagelung und/oder Drahtung –

Die GOÄ-Ziffer 2325 beschreibt die operative beziehungsweise invasive Versorgung einer Fraktur der Clavicula (Schlüsselbein). Diese Leistung umfasst neben der eigentlichen Reposition (Einrichtung) der Bruchstücke auch die Stabilisierung mittels Osteosyntheseverfahren. Explizit genannt sind im Leistungstext die Nagelung und Drahtung.

In der modernen Unfallchirurgie und Orthopädie kommen jedoch häufig weiterentwickelte Verfahren zum Einsatz. Die Ziffer deckt das gesamte Spektrum der operativen Primärversorgung ab, sofern keine höherwertigen, spezifischeren Ziffern greifen. Die Vorbemerkungen des Abschnitts L der GOÄ sind hierbei stets zu beachten, insbesondere bezüglich der Kombination von operativen Einzelschritten.

GOÄ 2325 in der Praxis: Indikationen und moderne Verfahren

Die Indikation zur operativen Versorgung einer Schlüsselbeinfraktur nach GOÄ 2325 ist meist bei dislozierten Frakturen, drohender Durchspießung der Haut oder bei Pseudarthrosen gegeben. Auch bei aktiven Patienten oder Sportlern wird die operative Stabilisierung bevorzugt, um eine rasche funktionelle Nachbehandlung zu ermöglichen. Die Ziffer findet sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen Anwendung.

Ein wichtiger Aspekt in der Praxis ist die Prevot-Nagelung (auch bekannt als ESIN – elastic-stable intramedullary nailing). Hierbei wird ein elastischer Titannagel in den Markraum der Clavicula eingebracht, um die Fraktur von innen heraus zu schienen. Diese minimalinvasive Methode ist vollumfänglich über die GOÄ 2325 abrechenbar.

Tipp: Da die moderne Plattenosteosynthese in der veralteten GOÄ nicht eigenständig abgebildet ist, wird die GOÄ-Ziffer 2325 für diese Operationsmethode analog herangezogen. Achten Sie darauf, die Analogbewertung auf der Rechnung klar als solche zu kennzeichnen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2325

Fallbeispiel 1: Versorgung mittels ESIN (Prevot-Nagelung)

Ein 19-jähriger Patient stellt sich nach einem Fahrradsturz mit einer dislozierten Schaftfraktur der rechten Clavicula vor. Es erfolgt die geschlossene Reposition und die anschließende Stabilisierung mittels elastisch-stabiler intramedullärer Nagelung (ESIN). Da es sich um eine minimalinvasive Schienung von innen handelt, ist die GOÄ 2325 direkt anwendbar. Die Abrechnung erfolgt zum Regelsatz (2,3-fach) mit 76,01 €.

Fallbeispiel 2: Analoge Plattenosteosynthese bei Trümmerfraktur

Eine 45-jährige Patientin erleidet eine mehrfragmentäre Claviculafraktur. Aufgrund der Instabilität wird eine offene Reposition und eine winkelstabile Plattenosteosynthese durchgeführt. Da die Plattenosteosynthese nicht explizit in der GOÄ aufgeführt ist, erfolgt die Abrechnung analog über die GOÄ-Ziffer 2325. Aufgrund des erhöhten Aufwands bei der Fragmentrekonstruktion wird ein Steigerungssatz von 3,5 gewählt.

Fallbeispiel 3: Drahtung bei lateralen Claviculafrakturen

Bei einem älteren Patienten liegt eine instabile laterale Schlüsselbeinfraktur vor. Der Operateur entscheidet sich für eine offene Einrichtung und eine temporäre Spickdrahtung (Kirschner-Drahtung). Diese klassische Methode entspricht exakt dem Wortlaut der GOÄ 2325. Die Abrechnung erfolgt problemlos neben den Anästhesieleistungen und den Sachkosten für die Drähte.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2325: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von konservativen und operativen Leistungen. Die GOÄ-Ziffer 2325 darf unter keinen Umständen am selben Behandlungstag neben der Ziffer 2324 (Einrichtung des gebrochenen Schlüsselbeins durch einfachen Verband) abgerechnet werden. Die operative Versorgung schließt die konservative Erstversorgung am selben Tag ab.

Zudem sind die Ziffern 2237 und 2238 (Reposition einer Claviculaluxation) explizit ausgeschlossen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen diese Ausschlüsse sehr genau. Sollte im Rahmen desselben Traumas sowohl eine Fraktur als auch eine Luxation vorliegen, muss die höherwertige Leistung gewählt oder eine detaillierte Begründung geliefert werden.

Achtung: Die bloße Materialentfernung (z. B. Entfernung der Platte oder des Nagels nach Ausheilung) darf nicht nach GOÄ 2325 abgerechnet werden. Hierfür sind die spezifischen Ziffern für die Metallentfernung (z. B. GOÄ 2007 oder analoge Ziffern) zu nutzen.

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Dokumentation der GOÄ 2325: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Werkzeug zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den genauen Zugangsweg, die Darstellung der Fraktur und die Repositionsschritte detailliert beschreiben. Auch die Art des verwendeten Osteosynthesematerials (z. B. Titan-Prevot-Nagel, Rekonstruktionsplatte) muss exakt dokumentiert werden.

Zusätzlich sollten prä- und postoperative Röntgenaufnahmen in der Akte hinterlegt und im Bericht kurz befundet werden. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit und den Erfolg des Eingriffs zweifelsfrei. Bei analogen Abrechnungen sollte im Bericht explizit erwähnt werden, warum die gewählte Methode (z. B. Plattenosteosynthese) medizinisch indiziert war.

Dokumentation: Hautschnitt über der Clavicula. Darstellung der dislozierten Fraktur. Offene Reposition der Fragmente unter Sicht. Einbringen einer winkelstabilen Claviculaplatte und Fixierung mit 6 Schrauben. Bildwandlerkontrolle zeigt anatomische Stellung. Wundverschluss.

GOÄ 2325: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Satz erfordert eine patientenbezogene Begründung. Typische Begründungen bei der GOÄ 2325 sind eine ausgeprägte Trümmerzone, die eine zeitaufwendige Rekonstruktion erfordert. Auch starke Weichteilschäden, erhebliche Adhäsionen bei Voroperationen oder eine ausgeprägte Adipositas des Patienten rechtfertigen eine Steigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 2325 können verschiedene Begleit- und Zuschlagsleistungen abgerechnet werden. Bei ambulanter Durchführung ist der Zuschlag 443 (Operationszuschlag) anzusetzen. Ebenfalls berechnungsfähig sind die Anästhesieleistungen (z. B. Plexusanästhesie oder Allgemeinanästhesie) sowie radiologische Kontrollen (z. B. GOÄ 5040 für Röntgenaufnahmen).

Nicht zulässig ist hingegen die gesonderte Berechnung von Standard-Operationsschritten wie dem Hautverschluss oder der Blutstillung, da diese als Zielleistung bereits in der Hauptleistung enthalten sind. Werden jedoch zusätzliche, eigenständige operative Eingriffe an derselben Extremität durchgeführt, können diese unter Beachtung der Kombinationsregeln angesetzt werden.

Ziffer 2325 in der neuen GOÄ

Die neue GOÄ löst die bisherige Ziffer 2325 (Einrichtung des gebrochenen Schlüsselbeins – einschließlich Nagelung und/oder Drahtung –, heute 2,3-fach: 76,01 €) je nach erbrachter Leistung in verschiedene Nachfolgeziffern auf:

  • 7520 Offene Reposition einer einfachen Fraktur oder Epiphysenlösung eines Schlüsselbeins (329,57 €) — bei: Drahtosteosynthese; zzgl. 7584 (180,79 €)
  • 7520 Offene Reposition einer einfachen Fraktur oder Epiphysenlösung eines Schlüsselbeins (329,57 €) — bei: intramedulläre Nagelosteosynthese; zzgl. 7594 (393,41 €)
  • 7520 Offene Reposition einer einfachen Fraktur oder Epiphysenlösung eines Schlüsselbeins (329,57 €) — bei: konventionelle (nicht winkelstabile) Plattenosteosynthese; zzgl. 7586 (337,08 €)
  • 7520 Offene Reposition einer einfachen Fraktur oder Epiphysenlösung eines Schlüsselbeins (329,57 €) — bei: winkelstabile Plattenosteosynthese; zzgl. 7587 (284,02 €)

Die Bandbreite der abrechenbaren Gesamtsumme reicht von 510,36 € bis 722,98 € — die Dokumentation des konkreten Eingriffs entscheidet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2325

Ja, die GOÄ-Ziffer 2325 kann analog für die Plattenosteosynthese einer Schlüsselbeinfraktur herangezogen werden. Da die GOÄ keine eigene Ziffer für diese moderne Operationsmethode enthält, ist diese Analogbewertung fachlich anerkannt.
Ja, die elastisch-stabile intramedulläre Nagelung (ESIN) nach Prevot fällt unter die GOÄ 2325. Diese Methode schient die Fraktur von innen und ist explizit im Leistungsumfang enthalten.
Die GOÄ 2325 darf nicht neben den Ziffern 2237, 2238 und 2324 berechnet werden. Dies betrifft insbesondere die konservative Einrichtung der Fraktur sowie bestimmte Luxationsbehandlungen an derselben Extremität.
Bei ambulanter Durchführung der Operation kann der Zuschlag nach Nr. 443 GOÄ zusätzlich abgerechnet werden. Dieser Zuschlag deckt die Bereitstellung von Instrumenten und Einrichtungen bei ambulanten operativen Leistungen ab.
Eine Erhöhung des Steigerungssatzes lässt sich durch einen erhöhten operativen Aufwand begründen. Typische Gründe sind stark dislozierte Trümmerfrakturen, schwierige anatomische Verhältnisse oder ausgeprägte Weichteilverletzungen.
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