Die Abrechnung der submukösen Vestibulumplastik nach GOÄ 2677 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallbeispielen, Ausschlüssen und Steigerungsfaktoren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2677
Submuköse Vestibulumplastik, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich, als selbstständige Leistung
Die GOÄ-Ziffer 2677 beschreibt eine chirurgische Maßnahme zur Vertiefung des Mundvorhofs. Bei dieser speziellen Operationsmethode wird die bewegliche Schleimhaut durch eine besondere Schnittführung unterminiert. Anschließend erfolgt die Ablösung der Muskulatur von der Knochenhaut (Periost), um eine Mobilisierung zu erreichen.
Die so mobilisierte Schleimhaut wird im Anschluss mithilfe einer Verbandsplatte oder einer modifizierten Prothese adaptiert. Diese Ziffer ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter den mund-, kiefer- und gesichtschirurgischen Leistungen angesiedelt. Die Bewertung mit 700 Punkten spiegelt den operativen Aufwand dieser präprothetischen Maßnahme wider.
GOÄ 2677 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung
Die submuköse Vestibulumplastik kommt vor allem in der präprothetischen Chirurgie zum Einsatz. Wenn ein ausgeprägter Alveolarkammabbau vorliegt, reicht der verbleibende Kieferknochen oft nicht aus, um einer Prothese ausreichend Halt zu bieten. Durch die Vertiefung des Mundvorhofs wird die nutzbare Prothesenlagerfläche effektiv vergrößert.
Typische Indikationen sind ein flaches Vestibulum im Ober- oder Unterkiefer sowie störende Muskelansätze, die den Prothesenrand abhebeln würden. Die Leistung wird je Kieferhälfte oder für den gesamten Frontzahnbereich berechnet. Eine präzise anatomische Zuordnung in der Dokumentation ist daher unerlässlich.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2677
Fallbeispiel 1: Präprothetische Versorgung im zahnlosen Oberkiefer
Ein Patient stellt sich mit ungenügendem Halt der Oberkiefer-Totalprothese bei ausgeprägter Atrophie des Alveolarfortsatzes im Frontzahnbereich vor. Es erfolgt eine submuköse Vestibulumplastik im Bereich der Frontzähne zur Vertiefung des Mundvorhofs. Die Mobilisierung der Schleimhaut wird durchgeführt und eine vorbereitete Verbandsplatte eingebracht.
Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2677 für den Frontzahnbereich. Zusätzlich wird die Einbringung der Verbandsplatte nach GOÄ-Ziffer 2700 berechnet. Der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ-Ziffer 443 rundet die Liquidation ab.
Fallbeispiel 2: Einseitige Vestibulumplastik im Unterkiefer
Bei einem Patienten ist aufgrund eines störenden Muskelansatzes im linken Seitenzahnbereich des Unterkiefers kein stabiler Prothesensitz möglich. Der Chirurg führt eine submuköse Vestibulumplastik in der linken Kieferhälfte durch. Die Wundversorgung erfolgt über eine modifizierte Prothese des Patienten.
In diesem Fall wird die GOÄ-Ziffer 2677 einmalig für die betroffene Kieferhälfte angesetzt. Die Anpassung und Einbringung der modifizierten Prothese wird separat nach GOÄ-Ziffer 2700 liquidiert. Eine entsprechende Dokumentation der Seite (links) ist für die Rechnungsstellung erforderlich.
Fallbeispiel 3: Beidseitige Vestibulumplastik im Unterkiefer
Zur Verbesserung des Prothesenlagers im gesamten Seitenzahnbereich des Unterkiefers ist eine beidseitige Vertiefung des Mundvorhofs notwendig. Der Eingriff erfolgt in einer Sitzung für die rechte und linke Kieferhälfte. Die Schleimhaut wird beidseitig mobilisiert und adaptiert.
Die Abrechnung erfolgt durch den zweifachen Ansatz der GOÄ-Ziffer 2677. In der Rechnung muss die Leistung für die rechte und linke Kieferhälfte getrennt ausgewiesen werden. Auch hier kann die GOÄ-Ziffer 2700 für die Verbandsplatte zusätzlich berechnet werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2677: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist das Versäumnis, die zusätzlich erbrachten Leistungen wie die Verbandsplatte separat abzurechnen. Die Anlage der Verbandsplatte ist nicht in der GOÄ-Ziffer 2677 enthalten und muss über die GOÄ-Ziffer 2700 liquidiert werden. Wird dies vergessen, geht der Praxis wertvolles Honorar verloren.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig den mehrfachen Ansatz der Ziffer in einer Sitzung ohne genaue Lokalisationsangabe. Der Leistungstext gibt klar vor, dass die Abrechnung je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich erfolgt. Ohne die Angabe der anatomischen Region wird die Erstattung oft verweigert.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 2677 darf nicht neben anderen chirurgischen Leistungen im selben Operationsgebiet berechnet werden, wenn diese die Vestibulumplastik als unselbstständigen Teilschritt beinhalten. Achten Sie strikt auf das Kriterium der selbstständigen Leistung.
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Dokumentation der GOÄ 2677: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Im OP-Bericht müssen die Indikation, die anatomische Lokalisation sowie die angewandte Schnitttechnik detailliert beschrieben werden. Auch die Mobilisation der Schleimhaut und die Ablösung der Muskulatur vom Periost müssen klar hervorgehen.
Zusätzlich sollte die Art der Adaptation (z. B. mittels Verbandsplatte oder Prothese) dokumentiert werden. Dies stützt nicht nur die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2677, sondern rechtfertigt auch die Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Ziffer 2700.
Dokumentationsbeispiel: Submuköse Vestibulumplastik im Unterkiefer links zur Verbesserung des Prothesenlagers bei ausgeprägter Atrophie. Schnittführung im Bereich der beweglichen Schleimhaut, Unterminierung und Mobilisation der Mukosa. Ablösung der störenden Muskelansätze vom Periost. Einbringen und Fixieren der vorbereiteten Verbandsplatte (GOÄ 2700).
GOÄ 2677: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen kann der Schwellenwert von 2,3 überschritten werden. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungsfaktor bis zum 3,5-fachen Satz sind starke Vernarbungen nach Voroperationen oder eine stark erschwerte Blutstillung. Auch eine extreme Kieferatrophie, die ein besonders vorsichtiges Vorgehen erfordert, rechtfertigt eine Steigerung.
Typische Ziffernkombinationen
Die wichtigste Kombination betrifft die GOÄ-Ziffer 2700 (Anlage einer Verbandsplatte) oder die GOÄ-Ziffer 2701 bei narbigen Kontrakturen. Für die Schmerzausschaltung können die entsprechenden Anästhesieleistungen (z. B. Infiltrationsanästhesie nach GOÄ-Ziffer 490/491) angesetzt werden. Bei ambulanter Durchführung ist zudem der OP-Zuschlag nach GOÄ-Ziffer 443 berechnungsfähig.
Tipp: Wenn nach einer Voroperation narbige Kontrakturen vorliegen, kann statt der GOÄ-Ziffer 2700 die GOÄ-Ziffer 2701 für die Verbandsplatte herangezogen werden. Begründen Sie diesen Mehraufwand in der Rechnung besonders sorgfältig.
Ziffer 2677 in der neuen GOÄ
Die submuköse Vestibulumplastik (alte Nr. 2677, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich, als selbständige Leistung, 2,3-facher Satz: 93,84 €) erhält mit der neuen Nummer 8752 einen direkten Nachfolger — zum Festpreis von 185,49 € je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich. Lokalisation und Abrechnungseinheit bleiben identisch. Der Zusatz „als selbständige Leistung" in der alten Legende bleibt als Abgrenzung zur Einbindung in eine andere Operation relevant: Nr. 8752 gilt nur, wenn die Vestibulumplastik eigenständig und nicht als unselbständiger Bestandteil einer größeren Operation durchgeführt wurde.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2677
Was hat nicht gestimmt?