Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2880 birgt durch strenge Ausschlusskriterien Fallstricke. Unser Leitfaden zeigt, wie die Inzision rechtssicher liquidiert wird.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2880
GOÄ-Ziffer 2880: Inzision eines Varixknotens (148 Punkte)
Die GOÄ-Ziffer 2880 beschreibt die operative Inzision eines Varixknotens. Unter einer Inzision versteht man in der Chirurgie die gezielte Freilegung oder Eröffnung von Gewebe durch einen chirurgischen Einschnitt. Ein Varixknoten stellt eine krankhafte, kugelige oder sackförmige Erweiterung einer oberflächlichen Vene dar, die im Rahmen eines Krampfaderleidens auftritt.
Die Leistung umfasst die sterile Vorbereitung, die Lokalanästhesie (sofern nicht gesondert berechnungsfähig), den eigentlichen Haut- und Gefäßeinschnitt sowie die Entleerung von Thromben oder Blutstauungen. Die Ziffer ist als selbstständige Zielleistung konzipiert und darf nicht als Teilschritt einer größeren venenchirurgischen Operation abgerechnet werden.
GOÄ 2880 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag
Im klinischen Alltag findet die GOÄ 2880 vor allem bei der Akutversorgung von schmerzhaften Komplikationen des Krampfaderleidens Anwendung. Die typischste Indikation ist die akute oberflächliche Thrombophlebitis in einem umschriebenen Varixknoten. Durch die Inzision und die anschließende Expression des Thrombus wird eine sofortige Druckentlastung und Schmerzlinderung für den Patienten erzielt.
Auch die Entlastung von stark gestauten, prall elastischen Varizen, die eine akute Perforationsgefahr aufweisen, rechtfertigt den Einsatz dieser Ziffer. Wichtig ist die Abgrenzung zu rein kosmetischen Interventionen oder zu komplexeren Exzisionen. Die Ziffer 2880 setzt immer einen therapeutischen Einschnitt voraus, der der Entlastung oder Sanierung des betroffenen Gefäßabschnitts dient.
Tipp: Die Spaltung oberflächlich gelegener Venen, die keine klassischen Varixknoten darstellen, kann gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ analog nach der Ziffer 2880 berechnet werden, sofern die Kriterien einer selbstständigen Leistung erfüllt sind.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2880
Fallbeispiel 1: Akute Thrombophlebitis am Unterschenkel
Ein Patient stellt sich mit einer schmerzhaften, geröteten und prall elastischen Schwellung im Bereich einer bekannten Varikosis am rechten Unterschenkel vor. Diagnostiziert wird eine umschriebene Thrombophlebitis eines Varixknotens. Nach lokaler Desinfektion und Vereisung erfolgt die Inzision des Knotens und die Expression des Thrombus.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2880 zum Regelsatz (2,3-fach). Da es sich um eine isolierte Akutmaßnahme handelt, ist die Abrechnung als Zielleistung vollkommen korrekt und unstrittig.
Fallbeispiel 2: Multiple Inzisionen bei ausgeprägter Varikosis
Bei einer Patientin liegen an unterschiedlichen Stellen des linken Beins zwei voneinander getrennte, schmerzhaft thrombosierte Varixknoten vor. Beide Knoten müssen in einer Sitzung durch getrennte chirurgische Schnitte entlastet werden. Der Eingriff erfordert aufgrund der anatomischen Distanz zwei separate Zugänge.
In diesem Fall kann die GOÄ-Ziffer 2880 zweifach abgerechnet werden. In der Rechnung muss die Mehrfachberechnung durch die Angabe der unterschiedlichen Lokalisationen (z. B. "Unterschenkel lateral" und "Kniekehle") transparent begründet werden.
Fallbeispiel 3: Entlastung bei drohender Perforation
Ein älterer Patient präsentiert einen extrem dünnwandigen, prall gefüllten Varixknoten mit entzündlicher Rötung und drohender spontaner Ruptur. Zur Abwendung einer schweren Blutung erfolgt die kontrollierte Inzision und Entlastung des Gefäßes unter sterilen Bedingungen in der Praxis.
Abgerechnet wird die GOÄ 2880. Aufgrund des erhöhten Risikos einer Nachblutung und der erforderlichen engmaschigen Überwachung kann hier ein erhöhter Steigerungsfaktor von 3,5 begründet angewendet werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2880: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2880 ist die Missachtung der Abrechnungsausschlüsse. Die Ziffer darf keinesfalls neben den Ziffern 2881 (Exzision einer oberflächlichen Vene), 2882 (Exzision mehrerer oberflächlicher Venen) oder 2887 (große Varizenoperationen wie Stripping) berechnet werden. Diese höher bewerteten operativen Eingriffe beinhalten die Inzision als immanenten Teilschritt.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen (PKV) ist die Abgrenzung zur einfachen Stichinzision bei der Sklerosierungstherapie. Wird im Rahmen einer Verödung lediglich eine Mikropunktion durchgeführt, ist die GOÄ 2880 nicht anwendbar. Prüfstellen fordern hier oft den Nachweis, dass eine echte chirurgische Eröffnung stattgefunden hat.
Achtung: Wird die GOÄ 2880 mehrfach in einer Sitzung liquidiert, ohne dass die getrennten Lokalisationen exakt dokumentiert sind, führt dies fast immer zur Kürzung durch die Beihilfestellen oder privaten Versicherer.
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Dokumentation der GOÄ 2880: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die Indikation, die genaue Lokalisation sowie der Ablauf des Eingriffs detailliert festgehalten werden. Insbesondere bei der Abrechnung mehrerer Inzisionen müssen die anatomischen Abstände und die Notwendigkeit separater Schnitte klar hervorgehen.
Auch die Art des entleerten Materials (z. B. "Expression von altem Blutkoagel") und die anschließende Wundversorgung sollten dokumentiert werden. Dies belegt den therapeutischen Charakter des Eingriffs gegenüber den Kostenträgern zweifelsfrei.
Dokumentationsbeispiel:
Diagnose: Akute, schmerzhafte Thrombophlebitis eines Varixknotens am linken Unterschenkel (Vorderseite). Lokalanästhesie mit 2 ml Scandicain 1%. Desinfektion, sterile Abdeckung. Chirurgische Inzision des prall gefüllten Knotens mittels Skalpell (Länge ca. 0,5 cm). Expression eines soliden Thrombus, sofortige Druckentlastung. Blutstillung durch Kompression, steriler Verband.
GOÄ 2880: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 2,3 bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der GOÄ 2880 gut begründbar, wenn besondere Erschwernisse vorlagen. Typische Begründungen sind eine starke entzündliche Infiltration des umgebenden Gewebes, eine schwierige Blutstillung bei hämorrhagischer Diathese oder ein extrem adipöser Patient, der den Zugang erschwert.
Auch eine anatomisch ungünstige Lage des Varixknotens, die eine besonders vorsichtige Präparation erfordert, rechtfertigt einen erhöhten Steigerungsfaktor. Die Begründung muss individuell und patientenbezogen auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 2880 können begleitende Leistungen abgerechnet werden, sofern sie eigenständige Maßnahmen darstellen. Häufig kombiniert wird die Inzision mit der GOÄ-Ziffer 490 (Infiltrationsanästhesie) oder der GOÄ-Ziffer 200 (Verband). Auch die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 ist bei Erstkontakt im Notdienst neben der operativen Leistung berechnungsfähig.
Es ist stets darauf zu achten, dass keine Überschneidungen mit den expliziten Ausschlussziffern entstehen. Nicht zulässig ist die zusätzliche Berechnung von allgemeinen Wundversorgungen am selben Gefäß, da diese mit der Inzisionsziffer abgegolten sind.
Ziffer 2880 in der neuen GOÄ
Die Leistung „Inzision eines Varixknotens“ erhält in der neuen GOÄ die Nummer 9776 „Lokale Umstechung, In- oder Exzision eines Varixknotens, als selbständige Leistung“ mit einem festen Satz von 113,37 € — ein Plus von rund 471 % (heute beim 2,3-fachen Satz: 19,85 €) (Berechnungseinheit: 1).
Die neue Ziffer bildet die selbständige lokale Umstechung, In- oder Exzision eines Varixknotens ab.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2880
Was hat nicht gestimmt?