Die Abrechnung der Pankreoduodenektomie nach GOÄ 3198 birgt finanzielle Risiken. Erfahren Sie, wie Sie die extreme Unterbewertung rechtssicher kompensieren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3198
Pankreoduodenektomie (z. B. nach Whipple) - 5000 Punkte
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 3198 umfasst die operative Entfernung des Pankreaskopfes in Kombination mit dem Duodenum. Diese hochkomplexe chirurgische Intervention wird meist bei malignen Tumoren des Pankreaskopfes oder des periampullären Bereichs durchgeführt. Die Ziffer deckt sowohl die Resektionsphase als auch die aufwendige Rekonstruktionsphase ab.
In der offiziellen Anmerkung wird klargestellt, dass die Ziffer 3198 die operativen Maßnahmen der Ziffern 3196 (Teilresektion der Bauchspeicheldrüse) und 3197 (Totalexstirpation der Bauchspeicheldrüse) bereits in sich zusammenschließt. Die klassische Operation nach Whipple beinhaltet neben der Pankreaskopfresektion auch die Entfernung des Magenantrums sowie des Zwölffingerdarmes. Die anschließenden Anastomosen (Gastrojejunostomie, Choledochojejunostomie und Pankreatojejunostomie) sind ebenfalls Bestandteil dieser Ziffer.
GOÄ 3198 in der Praxis: Die Herausforderung der Unterbewertung
In der chirurgischen Praxis stellt die Abrechnung der GOÄ 3198 eine erhebliche wirtschaftliche Hürde dar. Die Summation der in dieser Ziffer enthaltenen Einzelschritte übersteigt den zugewiesenen Honorarwert von 291,44 Euro im Einfachsatz bei Weitem. Selbst beim Regelhöchstsatz von 2.3-fach (670,31 Euro) spiegelt das Honorar nicht den realen Aufwand eines oft mehrstündigen, hochriskanten Eingriffs wider.
Typische Indikationen für diesen Eingriff sind das Pankreaskopfkarzinom, chronische Pankreatitis mit entzündlichem Tumor im Kopfbereich oder fortgeschrittene Duodenal- und Gallengangstumoren. Aufgrund der anatomischen Lage erfordert die Präparation höchste Präzision und exzellentes chirurgisches Geschick. Um eine adäquate Vergütung zu erzielen, müssen alle zulässigen Begleitleistungen und Steigerungsfaktoren lückenlos erfasst werden.
Tipp: Da die Ziffer 3198 extrem unterbewertet ist, sollte bei elektiven Eingriffen im Vorfeld unbedingt eine abweichende Honorarvereinbarung gemäß § 2 GOÄ mit dem Patienten getroffen werden, um den tatsächlichen Aufwand wirtschaftlich abzubilden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3198
Fallbeispiel 1: Klassische Whipple-Operation bei Pankreaskopfkarzinom
Ein Patient stellt sich mit einem schmerzlosen Ikterus und dem radiologischen Nachweis eines Adenokarzinoms des Pankreaskopfes vor. Es erfolgt die klassische Pankreoduodenektomie nach Whipple inklusive Lymphadenektomie. Neben der GOÄ-Ziffer 3198 wird die systematische Lymphknotendissektion analog nach Ziffer 1809 berechnet. Die aufwendige Rekonstruktion rechtfertigt zudem das Ausschöpfen des Steigerungssatzes.
Fallbeispiel 2: Pyloruserhaltende Pankreoduodenektomie (PPPD)
Bei einer Patientin mit einem neuroendokrinen Tumor des Duodenums wird eine pyloruserhaltende Modifikation der Pankreoduodenektomie durchgeführt. Da der Magenpförtner erhalten bleibt, entfällt die klassische Gastrojejunostomie, stattdessen erfolgt eine Duodenojejunostomie. Auch diese Modifikation fällt unter das Leistungsspektrum der GOÄ 3198, da der Kern des Eingriffs identisch bleibt.
Fallbeispiel 3: Erweiterte Whipple-Operation mit Pfortaderresektion
Bei der intraoperativen Exploration zeigt sich eine tumoröse Infiltration der Pfortader. Es erfolgt die Resektion des infiltrierten Pfortadersegments mit anschließender End-zu-End-Anastomose der Vene. Neben der GOÄ 3198 für die Pankreoduodenektomie wird hierfür die GOÄ-Ziffer 2891 für die rekonstruktive Operation an den Körpervenen zusätzlich in Ansatz gebracht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3198: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der unzulässigen Nebeneinanderberechnung von Teilschritten, die bereits durch das Zielleistungsprinzip des § 4 Abs. 2 GOÄ abgegolten sind. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen Rechnungen mit der Ziffer 3198 akribisch. Insbesondere die gesonderte Berechnung der Anastomosen im Operationsgebiet (wie der Gastrojejunostomie) wird regelmäßig beanstandet, da diese integraler Bestandteil der Whipple-Operation sind.
Zudem ist der explizite Ausschluss der Ziffern 3195 (Pankreasschwanzresektion), 3196 und 3197 zu beachten. Diese dürfen unter keinen Umständen am selben Operationstag für denselben Eingriff berechnet werden. Ein weiterer Streitpunkt ist die zusätzliche Abrechnung der Roux-en-Y-Schlinge nach den Ziffern 3176 und 3167, welche von Kostenträgern oft als Teil der Rekonstruktion abgelehnt wird, jedoch bei entsprechender medizinischer Begründung eigenständig codiert werden kann.
Achtung: Die bloße Begründung "hoher Zeitaufwand" reicht für eine Steigerung über den Schwellenwert von 2,3 oft nicht aus. Es müssen konkrete, patientenindividuelle Erschwernisse wie ausgeprägte Adhäsionen oder anatomische Varianten dokumentiert werden.
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Dokumentation der GOÄ 3198: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte OP-Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss jeden einzelnen Resektions- und Rekonstruktionsschritt präzise beschreiben. Insbesondere die Darstellung der Präparationsgrenzen und der Zustand des umgebenden Gewebes (z. B. entzündliche Veränderungen bei chronischer Pankreatitis) sind essenziell.
Für die Begründung von Schwellenwertüberschreitungen müssen Erschwernisse wie starker Blutverlust, adipöse Bauchdecken oder vorangegangene abdominelle Eingriffe im Bericht hervorgehoben werden. Auch die exakten Zeiten der einzelnen Operationsphasen sollten dokumentiert werden, um den außergewöhnlichen Zeitaufwand transparent zu machen.
Dokumentation: "Aufwendige Präparation des Pankreaskopfes bei massiven, fibrotischen Verwachsungen nach rezidivierenden Schüben einer chronischen Pankreatitis. Erschwerte Darstellung der Pfortader mit der Notwendigkeit einer scharfen Neurolyse. Rekonstruktion mittels Roux-en-Y-Schlinge aufgrund anatomischer Besonderheiten zeitaufwendig modifiziert."
GOÄ 3198: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der extremen Unterbewertung der GOÄ 3198 ist eine Erhöhung des Steigerungssatzes auf den Höchstsatz von 3,5-fach (1020,04 Euro) in fast allen Fällen medizinisch begründbar. Typische Begründungsfaktoren sind ein hohes Blutungsrisiko, schwierige anatomische Verhältnisse bei Zustand nach Voroperationen oder ein stark adipöser Situs. Auch eine ausgeprägte Tumoradhäsion an großen Gefäßen rechtfertigt den erhöhten Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Hauptleistung nach Ziffer 3198 können verschiedene Begleitleistungen regelkonform kombiniert werden. Hierzu gehört die Milzexstirpation nach GOÄ-Ziffer 3199, falls diese onkologisch oder anatomisch notwendig ist. Auch die systematische Lymphknotendissektion kann analog über die Ziffern 1809 oder 1783 abgerechnet werden, da die Standard-Lymphadenektomie über die Ziffer 3198 hinausgeht.
Für die aufwendige Bildung einer Roux-Schlinge zur Rekonstruktion können zusätzlich die Ziffern 3176 (Transposition eines Darmteils) und 3167 (Dünndarmanastomose) herangezogen werden. Bei Gefäßbeteiligung ist zudem die Gefäßrekonstruktion nach Ziffer 2891 eine wichtige und hochbewertete Kombinationsmöglichkeit.
Ziffer 3198 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 3198 (Pankreoduodenektomie (z. B. nach Whipple) [1, 2, 3,]) führt in der neuen GOÄ zu Nummer 10785 — „Partielle Pankreatoduodenektomie mit Wiederanschluss von Gallen- und Pankreasgängen, ggf. …" (2.690,52 €, bisher 2,3-facher Satz: 670,31 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3198
Was hat nicht gestimmt?