GOÄ 3195: Pankreaskopfresektion korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3195
Resektion des Kopfteils vom Pankreas
Punktzahl 4620  
Einfachsatz 269,29 € 1,0x
Regelhöchstsatz 619,37 € 2,3x
Höchstsatz 942,52 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der Pankreaskopfresektion nach GOÄ-Ziffer 3195 birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles zu Kombinationen, Ausschlüssen und Steigerungsfaktoren.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3195

Resektion des Kopfteils vom Pankreas

Die GOÄ-Ziffer 3195 beschreibt die chirurgische Teilentfernung der Bauchspeicheldrüse im Bereich des Pankreaskopfes. Diese hochkomplexe abdominalchirurgische Leistung umfasst die vollständige Freilegung, Mobilisation und die präzise Resektion des Kopfteils vom Pankreas unter Schonung der umliegenden Gefäßstrukturen. Die Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie), Unterabschnitt XIV (Ösophaguschirurgie / Abdominalchirurgie) der Gebührenordnung für Ärzte verortet.

In der Praxis wird diese Ziffer vor allem für die duodenumerhaltende Kopfresektion angewendet, wie sie beispielsweise beim Beger-Verfahren durchgeführt wird. Die Ziffer deckt den reinen Resektionsvorgang des Drüsengewebes ab. Rekonstruktive Schritte oder zusätzliche Organentfernungen müssen über separate Ziffern abgebildet werden.

GOÄ 3195 in der Praxis: Indikationen und chirurgische Verfahren

Die Indikation zur Durchführung einer Pankreaskopfresektion nach GOÄ 3195 ist meist bei gutartigen oder niedrig-malignen Tumoren des Pankreaskopfes gegeben. Ein weiteres, sehr häufiges Einsatzgebiet ist die fortgeschrittene Form der chronischen Pankreatitis. Wenn entzündliche Pseudotumoren im Kopfbereich zu einer schmerzhaften Einengung des Gallengangs oder des Duodenums führen, ist die Resektion indiziert.

Chirurgisch hat sich hierbei die duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion nach der Beger-Methode oder der Frey-Methode etabliert. Der Erhalt des Zwölffingerdarms bietet für den Patienten erhebliche physiologische Vorteile im Vergleich zur klassischen Whipple-Operation. Die GOÄ 3195 bildet genau diese organerhaltende Resektion gebührentechnisch optimal ab.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3195

Fallbeispiel 1: Duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion (Beger-Verfahren)

Ein Patient stellt sich mit einer chronischen, schmerzhaften Pankreatitis und einem entzündlichen Tumor im Pankreaskopf vor. Es erfolgt die duodenumerhaltende Resektion des Pankreaskopfes. Die Rekonstruktion wird über eine Roux-Y-Anastomose realisiert. Abgerechnet wird die GOÄ 3195 für die Resektion sowie die Ziffern 3176 und 3167 für die intestinale Rekonstruktion.

Fallbeispiel 2: Pankreaskopfresektion mit Milzexstirpation

Bei einem Patienten liegt ein gutartiger neuroendokriner Tumor im Bereich des Pankreaskopfes vor. Aufgrund anatomischer Besonderheiten und zur Sicherung des Abflusses muss während des Eingriffs eine zusätzliche Milzexstirpation durchgeführt werden. Neben der GOÄ 3195 für die Resektion des Pankreaskopfes wird die Ziffer 3199 für die Entfernung der Milz in Ansatz gebracht.

Fallbeispiel 3: Resektion des Pankreaskopfes mit Lymphknotendissektion

Bei Verdacht auf einen Borderline-Tumor im Pankreaskopf erfolgt die Resektion des Kopfteils. Aufgrund des Befundes führt der Operateur eine systematische, regionale Lymphknotendissektion durch. Neben der GOÄ 3195 wird die Lymphknotenentfernung analog über die Ziffer 1809 berechnet.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3195: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3195 ist die Missachtung der strengen Ausschlussbestimmungen innerhalb der Zifferngruppe. Die Ziffer 3195 darf nicht neben den Ziffern 3196 (Totale Duodenopankreatektomie), 3197 (Whipple-Operation) oder 3198 (Linksresektion) abgerechnet werden. Private Krankenversicherungen prüfen diese Kombinationen automatisiert und kürzen die Honorare bei Verstößen umgehend.

Zudem kommt es oft zu Diskussionen bezüglich der Rekonstruktionsleistungen. Einige Kostenträger versuchen, die Anlage der Roux-Schlinge als integralen Bestandteil der Hauptleistung darzustellen. Dies ist jedoch unzulässig, da die GOÄ 3195 lediglich die Resektion beschreibt und eine Doppelabrechnung durch die getrennte Ausweisung der Rekonstruktion nicht vorliegt.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 3195 mit den Ziffern 3196 bis 3198 ist ausgeschlossen. Achten Sie penibel darauf, dass bei einer erweiterten Resektion (z. B. Whipple-OP) direkt die höher bewertete Ziffer 3197 angesetzt wird.

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Dokumentation der GOÄ 3195: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die Indikation, den genauen Resektionsverlauf und den Erhalt des Duodenums zweifelsfrei belegen. Auch die Darstellung der anatomischen Grenzen und die Schonung der großen Gefäße sollten explizit erwähnt werden.

Falls zusätzliche Leistungen wie eine Lymphadenektomie oder eine Milzentfernung stattgefunden haben, müssen diese mit eigener Indikation und Durchführung im Bericht auftauchen. Nur so kann die medizinische Notwendigkeit gegenüber dem medizinischen Dienst der privaten Kassen nachgewiesen werden.

Dokumentation: Duodenumerhaltende Resektion des Pankreaskopfes bei chronischer Pankreatitis. Präparation des Pankreashalses, schrittweise Absetzung des Kopfteils unter Schonung des Duodenums. Rekonstruktion mittels Roux-Y-Schlinge...

GOÄ 3195: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Aufgrund der hohen Komplexität des Eingriffs kann der Schwellenwert von 2,3 häufig überschritten werden. Rechtfertigende Gründe für eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz sind beispielsweise ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen oder schwere chronisch-entzündliche Veränderungen des Gewebes. Auch ein erhöhter Blutverlust oder anatomische Varianten der Gefäßversorgung rechtfertigen das Überschreiten des Schwellenwerts.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3195 lässt sich hervorragend mit anderen operativen Ziffern kombinieren, sofern diese nicht im Ausschluss stehen. Zu den häufigsten und medizinisch sinnvollsten Ziffernkombinationen gehören die Ziffer 3176 (Transposition eines Darmteils) und die Ziffer 3167 (Anastomose) für die Rekonstruktion. Ebenfalls kombinierbar ist die Ziffer 3199 für eine begleitende Milzentfernung sowie die analogen Ziffern 1809 oder 1783 für die Lymphknotendissektion.

Tipp: Begründen Sie Schwellenwertüberschreitungen (über 2,3-fach) stets patientenindividuell und detailliert im Rechnungsformular. Verweisen Sie auf konkrete Erschwernisse wie ausgeprägte Verwachsungen oder erhöhten Blutverlust.

Ziffer 3195 in der neuen GOÄ

Die alte Ziffer 3195 (Resektion des Kopfteils vom Pankreas) führt in der neuen GOÄ zu Nummer 10784 — „Duodenum-erhaltende Resektion des Kopfteiles vom Pankreas und/oder Pankreassegmentresektion, ggf. …" (1.789,31 €, bisher 2,3-facher Satz: 619,37 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3195

Nein, die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3195 mit der GOÄ 3197 für eine klassische Whipple-Operation ist ausgeschlossen. Bei einer Whipple-Operation wird der Pankreaskopf zusammen mit dem Duodenum und Teilen des Magens entfernt, was vollständig durch die höher bewertete Ziffer 3197 abgedeckt ist. Die Ziffer 3195 kommt primär bei duodenumerhaltenden Verfahren zum Einsatz.
Für die Rekonstruktion mittels einer Roux-Schlinge können die GOÄ-Ziffern 3176 und 3167 zusätzlich berechnet werden. Die Ziffer 3176 erfasst dabei die Transposition des Darmteils, während die Ziffer 3167 für die intestinale Anastomose herangezogen wird. Diese Kombination ist medizinisch begründet und liquidationsfähig.
Ja, die Milzexstirpation nach GOÄ-Ziffer 3199 ist neben der GOÄ-Ziffer 3195 berechenbar. Der explizite Abrechnungsausschluss der Ziffer 3199 gilt laut GOÄ-Kommentierung nur für die Ziffern 3196 bis 3198. Bei einer isolierten Pankreaskopfresektion ist die zusätzliche Abrechnung somit zulässig.
Der Höchstsatz der GOÄ 3195 bei einem 3,5-fachen Steigerungsfaktor beträgt 942,52 Euro. Der reguläre Schwellenwert beim 2,3-fachen Satz liegt bei 619,37 Euro. Eine Steigerung über den Regelsatz hinaus erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung auf der Rechnung.
Ja, regionale Lymphknotenentfernungen können neben der GOÄ 3195 analog über die Ziffern 1809 oder 1783 berechnet werden. Dies ist insbesondere dann zulässig, wenn die Lymphadenektomie über das typische Maß der Standardoperation hinausgeht. Die analoge Anwendung sollte im Operationsbericht detailliert begründet sein.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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