Die Abrechnung der Harntraktkontrastuntersuchung nach GOÄ-Ziffer 5220 birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Steigerungssätzen und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 5220
Harntraktkontrastuntersuchung – einschließlich retrograder Verabreichung des Kontrastmittels, gegebenenfalls einschließlich Durchleuchtung(en) –, je Seite
Die GOÄ-Ziffer 5220 beschreibt die radiologische Kontrastmitteluntersuchung des Harntrakts. Ein wesentlicher Aspekt dieser Leistungslegende ist, dass die retrograde Verabreichung des Kontrastmittels bereits vollständig in der Gebühr enthalten ist. Eine gesonderte Berechnung dieser Applikation ist somit nicht zulässig.
Zudem sind eventuell erforderliche Durchleuchtungen als fakultativer Leistungsinhalt ebenfalls abgegolten. Die Leistung wird pro untersuchter Seite berechnet, was bei bilateralen Fragestellungen eine mehrfache Abrechnung ermöglicht.
GOÄ 5220 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die retrograde Urografie beziehungsweise Pyelografie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn andere bildgebende Verfahren keine ausreichende Diagnose erlauben. Typische Indikationen sind der Verdacht auf Ureterstenosen, Urotheltumoren oder strahlendurchlässige Konkremente im oberen Harntrakt.
Auch bei Kontraindikationen gegen eine intravenöse Kontrastmittelgabe, wie einer schweren Niereninsuffizienz oder bekannten Überempfindlichkeiten, bietet dieses Verfahren eine sichere diagnostische Alternative. Die Untersuchung liefert hochauflösende morphologische Details der ableitenden Harnwege.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 5220
Fallbeispiel 1: Einseitige retrograde Pyelografie
Ein Patient stellt sich mit einer unklaren Hydronephrose links vor. Zur Abklärung erfolgt eine retrograde Kontrastmitteleinbringung und Durchleuchtung des linken Harnleiters. Da die Untersuchung einseitig durchgeführt wurde, erfolgt die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 5220 zum Regelsatz (1,8-fach) für eine Seite.
Fallbeispiel 2: Beidseitige Untersuchung bei Hämaturie
Bei einer schmerzlosen Makrohämaturie besteht der Verdacht auf ein bilaterales Urothelkarzinom. Der Urologe führt die Untersuchung an beiden Harnleitern nacheinander durch. In diesem Fall ist die GOÄ-Ziffer 5220 zweimal berechnungsfähig, da die Leistung ausdrücklich je Seite definiert ist.
Fallbeispiel 3: Lagekontrolle einer Harnleiterschiene
Nach Einlage einer Doppel-J-Schiene rechts soll die korrekte Lage und Durchgängigkeit überprüft werden. Mittels retrograder Kontrastmittelgabe wird der rechte Harntrakt dargestellt. Die Abrechnung erfolgt einfach über die GOÄ-Ziffer 5220 für die rechte Seite.
Häufige Fehler bei der GOÄ 5220: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die zusätzliche Liquidation der GOÄ-Ziffer 370 für den Blasenkatheterismus. Da die retrograde Einbringung des Kontrastmittels die Passage der Harnblase voraussetzt, ist dieser Schritt mit der GOÄ-Ziffer 5220 abgegolten und darf nicht separat berechnet werden.
Ebenso führt die zusätzliche Abrechnung der Durchleuchtung nach GOÄ-Ziffer 5295 regelmäßig zu Kürzungen. Die Leistungslegende schließt die Durchleuchtungsleistungen explizit ein.
Achtung: Private Krankenversicherungen prüfen die Kombination von GOÄ 5220 mit Katheterisierungsziffern sehr genau. Es ist darauf zu achten, dass keine unzulässigen Nebeneinanderberechnungen auf der Liquidation erscheinen.
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Dokumentation der GOÄ 5220: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation unerlässlich. In der Patientenakte müssen die Indikation, die untersuchte Seite sowie Details zum verwendeten Kontrastmittel präzise festgehalten werden.
Auch die Dokumentation der Durchleuchtungszeit und der erzielten Befunde sichert den Honoraranspruch bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
Tipp: Vermerken Sie bei beidseitiger Durchführung explizit die getrennte Katheterisierung und Darstellung beider Ureteren, um die zweifache Abrechnung transparent zu belegen.
Dokumentation: Indikation: V.a. Ureterstenose links. Retrograde Kontrastmittelapplikation links über Ureterkatheter (Ch. 5), 12 ml Solutrast. Durchleuchtungsgestützte Darstellung des linken Ureters und Nierenbeckens. Befund: Keine höhergradige Stenose nachweisbar.
GOÄ 5220: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen, wie ausgeprägten Strikturen oder einer extremen Adipositas des Patienten, kann der Schwellenwert überschritten werden. Eine Erhöhung des Steigerungssatzes auf den 2,5-fachen Satz muss in der Rechnung mit einer patientenbezogenen Begründung dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die Harntraktkontrastuntersuchung im Rahmen einer diagnostischen Zystoskopie (GOÄ-Ziffer 1785) durchgeführt. Diese Kombination ist zulässig und stellt eine typische urologische Leistungseinheit dar. Auch das Einlegen eines Ureterkatheters kann unter Beachtung der jeweiligen Bestimmungen zusätzlich berechnungsfähig sein.
Ziffer 5220 in der neuen GOÄ
Die retrograde Harntraktkontrastuntersuchung wird zur neuen Nummer 13254 — „Retrograde Harntraktkontraströntgenuntersuchung, je Seite" — zum festen Satz von 89,34 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 31,48 €; deutliche Höherbewertung). Die Seitenlogik bleibt erhalten; bei beidseitiger Untersuchung ist die Ziffer zweimal berechnungsfähig. Kontrastmitteleinbringung und Durchleuchtungen sind nach den Allgemeinen Bestimmungen Kapitel O Bestandteil der Leistung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 5220
Was hat nicht gestimmt?