Die Abrechnung der Elektromyographie nach GOÄ 838 wirft oft Fragen auf. Dieser Leitfaden zeigt, wie Fallstricke und Honorarverluste sicher vermieden werden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 838
Elektromyographische Untersuchung zur Feststellung peripherer Funktionsstörungen der Nerven und Muskeln
Die Elektromyographie (EMG) dient der präzisen Erfassung und Analyse der elektrischen Aktivität im ruhenden und kontrahierenden Muskel. Diese diagnostische Maßnahme erlaubt weitreichende Rückschlüsse auf den Zustand der Muskelfasern sowie der sie versorgenden peripheren Nerven. Die Ziffer 838 ist im Abschnitt G (Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie) der Gebührenordnung für Ärzte verortet.
Die Leistung umfasst die gesamte Untersuchung unabhängig von der Anzahl der untersuchten Muskeln oder Extremitäten. Eine Aufspaltung in mehrere Einzelleistungen am selben Behandlungstag ist somit ausgeschlossen. Die gebührenrechtliche Bewertung spiegelt den typischen zeitlichen und apparativen Aufwand einer neurologischen Facharztpraxis wider.
GOÄ 838 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Indikation zur Durchführung einer elektromyographischen Untersuchung nach GOÄ 838 ist bei Verdacht auf periphere Nervenschädigungen oder primäre Myopathien gegeben. Typische klinische Szenarien umfassen die Abklärung von Radikulopathien, Plexusläsionen oder Mononeuropathien wie dem Karpaltunnelsyndrom. Auch bei der Differenzialdiagnostik von neurogenen und myogenen Muskelschwächen kommt das Verfahren regelmäßig zum Einsatz.
In der Praxis erfolgt die Untersuchung meist mittels feiner Nadelelektroden, die direkt in den Muskel eingeführt werden. Obwohl die GOÄ formal nicht zwischen Nadel- und Oberflächenelektroden unterscheidet, basiert die Kalkulation der Ziffer auf dem invasiven Verfahren. Bei der Nutzung von Oberflächen-EMG ist daher eine kritische Prüfung des Steigerungsfaktors ratsam.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 838
Fallbeispiel 1: Verdacht auf lumbales Radikulärsyndrom
Ein Patient stellt sich mit ausstrahlenden Schmerzen und Taubheitsgefühl im Bein vor. Zur Abklärung einer lumbalen Radikulopathie führt der Neurologe eine Nadel-EMG des Musculus tibialis anterior und des Musculus gastrocnemius durch. Da die Ziffer 838 unabhängig von der Anzahl der untersuchten Muskeln nur einmal berechnet werden darf, erfolgt der Ansatz der GOÄ 838 zum Regelsatz (2,3-fach).
Fallbeispiel 2: Diagnostik bei Karpaltunnelsyndrom
Bei Verdacht auf ein fortgeschrittenes Karpaltunnelsyndrom wird eine elektromyographische Untersuchung des Musculus abductor pollicis brevis durchgeführt. Die Untersuchung verläuft ohne Komplikationen und liefert den Nachweis einer chronischen neurogenen Reorganisation. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 838 mit dem Regelsatz von 73,74 €.
Fallbeispiel 3: Analoge Anwendung bei Pulsierender Signaltherapie (PST)
Ein Orthopäde wendet bei einem Patienten mit Gonarthrose die pulsierende Signaltherapie an. Gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ kann diese neuartige Methode analog über die Ziffer 838 analog abgerechnet werden. Aufgrund gesunkener Gerätekosten wird in vielen Fällen jedoch alternativ die Ziffer 5802 analog herangezogen, um eine Überbewertung zu vermeiden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 838: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die mehrfache Ansetzung der GOÄ 838 in einer Sitzung, wenn mehrere Muskeln untersucht wurden. Die Leistungslegende stellt klar, dass die Ziffer pro Sitzung nur einmalig berechnungsfähig ist. Mehrfachansätze führen regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen und Beihilfestellen.
Zudem existiert ein strikter Ausschluss bezüglich der GOÄ-Ziffer 839 (aufwendige elektromyographische Untersuchung). Da die Ziffer 838 als methodischer Bestandteil der umfassenderen Ziffer 839 gilt, darf sie keinesfalls neben der Ziffer 839 abgerechnet werden. Verstöße gegen diesen Ausschluss verstoßen gegen das Doppelberechnungsverbot nach § 4 Abs. 2a GOÄ.
Achtung: Bei der Durchführung eines Oberflächen-EMG sollte der Schwellenwert von 2,3 nur mit äußerster Vorsicht und fundierter Begründung überschritten werden. Da die Bewertung der Ziffer 838 auf dem hohen Aufwand der Nadel-EMG basiert, fordern Prüfstellen bei der schmerzfreien Oberflächenmethode oft eine Absenkung des Faktors.
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Dokumentation der GOÄ 838: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die untersuchten Muskeln, die Art der verwendeten Elektroden sowie die pathologischen Befunde detailliert festgehalten werden. Insbesondere die Differenzierung zwischen Ruheaktivität, Willkürpotenzialen und Interferenzmuster ist essenziell.
Falls ein erhöhter Steigerungsfaktor gewählt wird, muss die medizinische Begründung direkt aus der Dokumentation hervorgehen. Schwierige anatomische Verhältnisse oder eine mangelnde Compliance des Patienten sollten explizit vermerkt werden, um den erhöhten Zeitaufwand nachvollziehbar zu machen.
Dokumentationsbeispiel: Nadel-EMG des M. tibialis anterior rechts. Untersuchung bei V. a. Radikulopathie L5. Keine pathologische Spontanaktivität in Ruhe. Bei maximaler Willkürkontraktion gelichtetes Interferenzmuster mit verbreiterten, polyphasischen Potenzialen motorischer Einheiten. Befund vereinbar mit chronisch-neurogener Schädigung L5.
GOÄ 838: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Gebührenrahmen der GOÄ erlaubt eine Steigerung der Ziffer 838 bis zum 3,5-fachen Satz. Ein Überschreiten des Schwellenwertes von 2,3 erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung auf der Rechnung. Typische Begründungen sind eine extreme Abwehrhaltung des Patienten, ausgeprägte Tremor-Zustände, die die Messung erschweren, oder eine zeitaufwendige Suche nach geeigneten Insertionspunkten bei adipösen Patienten.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 838 wird im klinischen Alltag häufig mit neurographischen Untersuchungen kombiniert. Zulässig ist beispielsweise die gemeinsame Abrechnung mit der GOÄ-Ziffer 827 (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit). Auch die Kombination mit neurologischen Basisuntersuchungen nach GOÄ 800 ist im Rahmen einer komplexen Diagnostik möglich und gebührenrechtlich zulässig.
Tipp: Bei der Kombination von EMG (838) und NLG (827) ist darauf zu achten, dass beide Untersuchungen medizinisch unabhängig voneinander indiziert sind. Eine saubere Trennung der Befunde in der Dokumentation sichert den Honoraranspruch bei Rückfragen der Kostenträger.
Ziffer 838 in der neuen GOÄ
Die elektromyographische Untersuchung zur Feststellung peripherer Funktionsstörungen wird in der neuen GOÄ nach Elektrodentyp und Methode aufgeteilt und erstmals muskelspezifisch abgerechnet — die alte 838 war unabhängig von der Muskelzahl nur einmal berechnungsfähig.
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- 4328 „EMG mit Nadelelektroden, einschließlich Ableitung der Spontanaktivität, Registrierung der Potentiale motorischer Einheiten und Bestimmung von Rekrutierungsverhalten und Maximalinnervation, je Muskel einer Seite" (44,95 €) — die untersuchten Muskeln sind anzugeben; nicht neben 4329 \n
- 4329 „EMG mit Oberflächenelektroden, je Muskel, ein- oder beidseitig" (30,98 €) — Muskeln angeben; bis zu dreimal je Sitzung; nicht neben 4328 \n
- 4330 „Einzelfaser-Elektromyographie, ggf. einschließlich Jittermessung" (128,38 €) — eigenständige Methode; eine zusätzliche Abrechnung von 4328 oder 4329 für denselben Leistungsinhalt ist nicht ableitbar \n
Heute bringt die 838 beim 2,3-fachen Satz 73,74 €. Die Dokumentation des Elektrodentyps und der untersuchten Muskeln ist in der neuen GOÄ zwingend und entscheidet sowohl über die Ziffer als auch über die Anzahl ansetzbarere Positionen.
\nStand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 838
Was hat nicht gestimmt?