Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 842: Erfahren Sie, wie Sie die apparative isokinetische Muskelfunktionsdiagnostik und die analoge MTT-Eingangsuntersuchung rechtssicher abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 842
GOÄ-Ziffer 842: Apparative isokinetische Muskelfunktionsdiagnostik - 500 Punkte (Einfachsatz: 29,14 €, Regelhöchstsatz: 67,02 €, Höchstsatz: 101,99 €)
Die Leistung nach Nummer 842 beschreibt die apparative isokinetische Muskelfunktionsdiagnostik. Diese diagnostische Methode dient der präzisen und objektiven Messung der Muskelkraft sowie des Kraftverlaufs unter kontrollierten, geschwindigkeitskonstanten Bedingungen. Sie liefert wertvolle Daten über muskuläre Dysbalancen, Defizite und das Verhältnis von Agonisten zu Antagonisten.
Die Ziffer ist im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig. Dies schränkt die wiederholte Abrechnung innerhalb desselben Monats bei demselben Patienten stark ein, weshalb eine präzise Indikationsstellung und Terminplanung essenziell sind.
GOÄ 842 in der Praxis: Indikationen und analoge Anwendung
In der orthopädischen, unfallchirurgischen und sportmedizinischen Praxis wird die isokinetische Funktionsdiagnostik vor allem nach schweren Gelenkverletzungen, Operationen oder bei chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt. Typische Indikationen sind die postoperative Nachsorge nach Kreuzbandrekonstruktionen oder Schultergelenkseingriffen, um den aktuellen Rehabilitationsstatus objektiv zu bewerten.
Ein besonders praxisrelevanter Aspekt ist die Analogempfehlung der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2002. Demnach kann die GOÄ 842 analog für die aufwendige Eingangsuntersuchung zur Medizinischen Trainingstherapie (MTT) herangezogen werden. Diese analoge Anwendung ist insbesondere bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates indiziert.
Die analoge Abrechnung schließt die biomechanische Funktionsanalyse, eine spezielle Schmerzanamnese, eventuelle weitere funktionsbezogene Messverfahren sowie die Sicherung der Diagnose und die Behandlungsplanung mit ein. Wichtig zu beachten ist, dass die Kernleistungen dieser Eingangsuntersuchung persönlich durch den Arzt erbracht werden müssen und nicht an nicht-ärztliches Personal delegationsfähig sind.
Tipp: Nutzen Sie die Analogabrechnung der GOÄ 842 gezielt vor dem Start einer Medizinischen Trainingstherapie (MTT), um die komplexe biomechanische Ausgangslage des Patienten umfassend zu dokumentieren und den Therapieplan individuell zu gestalten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 842
Fallbeispiel 1: Postoperative Rehabilitation nach vorderer Kreuzbandplastik
Ein Patient stellt sich zwölf Wochen nach einer Kreuzbandrekonstruktion zur Beurteilung der Kraftfähigkeit des Kniegelenks vor. Es erfolgt eine apparative isokinetische Muskelfunktionsdiagnostik beider Kniegelenke im Seitenvergleich bei verschiedenen Winkelgeschwindigkeiten. Die Messdaten zeigen ein signifikantes Kraftdefizit des Quadrizeps der betroffenen Seite. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 842 zum Regelsatz (2,3-fach, 67,02 €), da die Untersuchung im aktuellen Behandlungsfall erstmalig durchgeführt wird.
Fallbeispiel 2: Eingangsuntersuchung zur Medizinischen Trainingstherapie (MTT)
Bei einer Patientin mit chronischen, therapieresistenten Lumbalgien soll eine gerätegestützte Medizinische Trainingstherapie eingeleitet werden. Der Arzt führt die Eingangsuntersuchung analog GOÄ 842 durch, welche eine biomechanische Funktionsanalyse der Rumpf- und Wirbelsäulenmuskulatur, eine Schmerzanamnese sowie die Erstellung des detaillierten Trainingsplans umfasst. Abgerechnet wird die GOÄ 842 analog (500 Punkte, 67,02 € beim Schwellenwert), da alle geforderten Kernleistungen persönlich erbracht wurden.
Fallbeispiel 3: Komplexe Schulterinstabilität bei Leistungssportler
Ein Handballer leidet unter rezidivierenden Schulterbeschwerden nach einer Subluxation. Zur exakten Bestimmung der Außen- und Innenrotatorenkraft wird eine isokinetische Funktionsanalyse durchgeführt. Aufgrund starker Schmerzen und muskulärer Abwehrspannung gestaltet sich die Fixierung und Durchführung der Messung als extrem zeitaufwendig. Der Arzt rechnet die GOÄ-Ziffer 842 mit einem gesteigerten Faktor von 3,0 ab und begründet dies mit dem erheblichen zeitlichen Mehraufwand durch die schmerzbedingte Kooperationserschwerung.
Häufige Fehler bei der GOÄ 842: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Mehrfachberechnung im selben Behandlungsfall. Da der Behandlungsfall in der GOÄ als Zeitraum von einem Monat definiert ist, darf die Ziffer 842 (ob originär oder analog) innerhalb von 30 Tagen nach der Erstabrechnung kein zweites Mal für denselben Patienten in Rechnung gestellt werden, selbst wenn eine Kontrollmessung medizinisch sinnvoll erscheint.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Delegation von Kernleistungen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen zunehmend, ob die Eingangsuntersuchung zur MTT tatsächlich persönlich vom Arzt erbracht wurde. Wird die biomechanische Analyse oder die Therapieplanung vollständig an Sportwissenschaftler oder Physiotherapeuten delegiert, entfällt die Berechnungsfähigkeit der analogen GOÄ 842.
Achtung: Die apparative isokinetische Muskelfunktionstherapie darf nicht unter der Diagnostikziffer 842 abgerechnet werden. Für die therapeutische Durchführung an den Geräten ist stattdessen die GOÄ-Ziffer 558 heranzuziehen.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 842: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Für die originäre Ziffer 842 müssen die isokinetischen Messprotokolle inklusive der grafischen Auswertungen (Kraft-Winkel-Kurven, Peak-Torque-Werte, Defizitberechnungen im Seitenvergleich) zwingend in der Patientenakte hinterlegt sein.
Bei der analogen Anwendung für die MTT-Eingangsuntersuchung müssen die einzelnen Bestandteile der Leistung explizit dokumentiert werden. Dazu gehören die Ergebnisse der biomechanischen Funktionsanalyse, die spezielle Schmerzanamnese sowie der individuell erstellte Trainings- und Behandlungsplan mit Angabe der Zielparameter.
Dokumentationsbeispiel (MTT-Eingangsuntersuchung analog GOÄ 842):
Spezielle Schmerzanamnese bei chronischer Lumbalgie (VAS 6/10). Biomechanische Funktionsanalyse der Rumpfextensoren und -flexoren mittels computergestütztem Testsystem durchgeführt. Deutliche Dysbalance (Flexoren/Extensoren-Ratio verschoben auf 1,4). Diagnose: Chronisch-rezidivierendes LWS-Syndrom bei muskulärer Insuffizienz. Erstellung eines individuellen MTT-Behandlungsplans über 12 Wochen zur gezielten Kräftigung der lumbalen Extensoren unter ärztlicher Aufsicht.
GOÄ 842: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungssatzes über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus (bis zum 3,5-fachen Höchstsatz) erfordert eine patientenbezogene, medizinische Begründung. Typische Gründe für eine Faktorerhöhung bei der GOÄ 842 sind erhebliche Bewegungseinschränkungen (z. B. hochgradige Kontrakturen), starke Schmerzzustände, die eine langsame und vorsichtige Testung erfordern, oder neurologische Begleiterkrankungen wie Spastiken, die den apparativen Aufbau und die Durchführung massiv erschweren.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 842 können am selben Behandlungstag weitere diagnostische oder beratende Leistungen anfallen. Häufig kombiniert wird die Ziffer mit der beratenden Leistung nach GOÄ 1 oder GOÄ 3 sowie mit symptombezogenen Untersuchungen nach GOÄ 5. Wichtig ist hierbei, dass die in der GOÄ 842 bereits enthaltenen diagnostischen Schritte (wie die biomechanische Analyse) nicht nochmals separat über andere Ziffern abgerechnet werden, wenn sie Teil derselben Untersuchungseinheit sind.
Ziffer 842 in der neuen GOÄ
Die apparative isokinetische Muskelfunktionsdiagnostik wird zur neuen Nummer 2020: „Apparativer Muskelfunktionstest" (72,70 €). Die isokinetische Spezifität (konstante Winkelgeschwindigkeit) der alten Ziffer geht in der neuen GOÄ in der breiteren Leistungsbezeichnung auf.
\n2020 ist neben 4219 nicht berechnungsfähig. Heute bringt die 842 beim 2,3-fachen Satz 67,02 €; die neue 2020 liegt mit 72,70 € leicht darüber.
\nStand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 842
Was hat nicht gestimmt?