GOÄ A1716: Urethrotomie unter Sicht korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ A1716
Spaltung einer Harnröhrenstriktur unter Sicht (z. B. nach Sachse)
Punktzahl 739  
Einfachsatz 43,07 € 1,0x
Regelhöchstsatz 99,06 € 2,3x
Höchstsatz 150,75 € 3,5x

Die endoskopische Spaltung einer Harnröhrenstriktur unter Sicht wird nach GOÄ-Ziffer A1716 analog abgerechnet. Erfahren Sie, wie Sie Honorarverluste vermeiden.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1716

Die offizielle Gebührenordnung für Ärzte enthält für diese Leistung folgende Definition:

Spaltung einer Harnröhrenstriktur unter Sicht (z. B. nach Sachse) – analog Nr. 1802

Diese Ziffer beschreibt die endoskopische Schlitzung einer Harnröhrenverengung unter direkter visueller Kontrolle. Im Gegensatz zur blinden Methode ermöglicht dieses Verfahren eine hochpräzise Schnittführung mittels Kaltlicht und spezieller Optiken. Die Leistung ist mit 739 Punkten bewertet und wird analog zur Ziffer 1802 herangezogen.

GOÄ A1716 in der Praxis: Indikation und Abgrenzung zur blinden Schlitzung

Die Indikation für eine Urethrotomia interna nach Sachse ist bei klinisch relevanten Harnröhrenstrikturen gegeben, die zu Miktionsbeschwerden oder Harnverhalt führen. Der Eingriff erfolgt unter direkter Sichtkontrolle mit einem Urethrotom. Dies minimiert das Risiko von Verletzungen des umgebenden Schwellkörpers erheblich.

Die Abgrenzung zur Ziffer 1715 ist hierbei von zentraler Bedeutung. Während die Ziffer 1715 die blinde, d. h. ohne optische Kontrolle durchgeführte Spaltung honoriert, bildet die Analogziffer A1716 den deutlich höheren apparativen und zeitlichen Aufwand der Sichtmethode ab. Eine Nebeneinanderberechnung beider Ziffern für dieselbe Sitzung ist ausgeschlossen.

Tipp: Achten Sie darauf, dass bei der Anwendung moderner endoskopischer Verfahren stets die präzisere Analogziffer A1716 gewählt wird, um den tatsächlichen Aufwand adäquat abzubilden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1716

Fallbeispiel 1: Rezidivierende bulbäre Harnröhrenstriktur

Ein Patient stellt sich mit einer rezidivierenden Striktur im bulbären Anteil der Harnröhre vor. Es erfolgt die endoskopische Spaltung unter Sicht mittels Sachse-Urethrotom. Der Eingriff verläuft ohne Komplikationen.

Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A1716 zum Regelsatz (2,3-fach). Da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen, ist der Regelhöchstsatz von 99,06 € anzusetzen.

Fallbeispiel 2: Komplexe postoperative Striktur mit erhöhtem Zeitaufwand

Nach einer vorangegangenen Prostataoperation zeigt sich eine ausgeprägte, narbige Verengung der Harnröhre. Die Spaltung gestaltet sich aufgrund der massiven Vernarbung und des erhöhten Blutungsrisikos als äußerst zeitaufwendig.

In diesem Fall ist eine Steigerung des Gebührensatzes gerechtfertigt. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A1716 und dem Schwellenwert-überschreitenden Faktor 3,5 (150,75 €) unter Angabe der konkreten Begründung.

Fallbeispiel 3: Ambulante Urethrotomie mit postoperativer Überwachung

Bei einer unkomplizierten Harnröhrenstriktur wird die Schlitzung unter Sicht ambulant in der Praxis durchgeführt. Nach dem Eingriff verbleibt der Patient zur Überwachung für mehrere Stunden in der Praxis.

Neben der operativen Leistung nach Ziffer A1716 kann in diesem Szenario die postoperative Überwachung nach Ziffer 444 separat in Ansatz gebracht werden, sofern die Voraussetzungen der Überwachung erfüllt sind.

Häufige Fehler bei der GOÄ A1716: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die fehlerhafte Kombination mit der Ziffer 1715. Private Krankenversicherungen kürzen die Liquidation umgehend, wenn beide Ziffern in einer Sitzung nebeneinander auftauchen. Die visuelle Spaltung schließt die blinde Methode logischerweise ein.

Ein weiterer Kritikpunkt von Prüfstellen ist das Fehlen des Begriffs analog auf der Liquidation. Da die Ziffer A1716 eine Analogbewertung darstellt, muss dies formal korrekt ausgewiesen werden. Die Angabe der Referenzziffer 1802 ist dabei zwingend erforderlich.

Achtung: Die bloße Nennung der Ziffer A1716 ohne den Zusatz analog und ohne Verweis auf die Referenzziffer 1802 entspricht nicht den Vorgaben der GOÄ und führt regelmäßig zu Erstattungsverweigerungen.

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Dokumentation der GOÄ A1716: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen. Im OP-Bericht müssen die Indikation, die Lokalisation und das Ausmaß der Striktur exakt beschrieben werden. Auch das verwendete Instrumentarium und die visuelle Kontrolle müssen explizit Erwähnung finden.

Besonders bei der Anwendung eines erhöhten Steigerungsfaktors müssen die erschwerenden Faktoren im Bericht detailliert dargelegt werden. Allgemeine Floskeln wie erhöhter Zeitaufwand reichen den Prüfern meist nicht aus. Es müssen konkrete anatomische Besonderheiten genannt werden.

Dokumentation: Endoskopische Einstellung der Harnröhre. Darstellung einer ausgeprägten, ringförmigen Striktur im bulbären Drittel. Spaltung der Striktur unter direkter Sicht bei 12 Uhr mittels Sachse-Urethrotom bis zur vollständigen Passagefähigkeit des Instruments. Blutstillung und Einlegen eines Verweilkatheters.

GOÄ A1716: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Ziffer A1716 kann bei erhöhtem Schwierigkeitsgrad oder außergewöhnlichem Zeitaufwand bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen sind eine ausgeprägte narbige Fixierung, extreme Enge des Lumens oder eine erhöhte Blutungsneigung, die eine besonders vorsichtige Präparation erfordert.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die Urethrotomie in Kombination mit Anästhesieleistungen erbracht. Wird der Eingriff in Lokalanästhesie durchgeführt, ist die Ziffer 490 oder 491 berechnungsfähig. Eine postoperative Überwachung kann, wie bereits erwähnt, über die Ziffer 444 abgerechnet werden, sofern die zeitlichen und infrastrukturellen Kriterien erfüllt sind.

Ziffer A1716 in der neuen GOÄ

Die Spaltung einer Harnröhrenstriktur unter Sicht (z. B. nach Sachse) erhält in der neuen GOÄ mit der neuen Nummer 10133 eine Regelleistung.

10133 „Inzision der Harnröhre zur Beseitigung einer Striktur, unter Sicht …" — 70,07 € je Sitzung. Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 99,06 €; die neue Festpreisziffer liegt damit merklich darunter.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1716

Die Urethrotomia interna nach Sachse wird analog mit der GOÄ-Ziffer A1716 (Referenzziffer 1802) abgerechnet. Diese Analogbewertung basiert auf einem Beschluss der Bundesärztekammer. Sie leistet 739 Punkte, was im Regelsatz 99,06 € entspricht.
Nein, eine gleichzeitige Abrechnung der GOÄ A1716 und der Ziffer 1715 in derselben Sitzung ist nicht zulässig. Die Ziffer 1715 beschreibt die blinde Schlitzung, während die A1716 die aufwändigere Spaltung unter Sicht darstellt. Letztere schließt die einfachere Methode abrechnungstechnisch aus.
Ein Steigern über den 2,3-fachen Satz ist bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen, ausgeprägter Vernarbung oder hohem Blutungsrisiko gerechtfertigt. Auch ein erheblicher zeitlicher Mehraufwand durch Voroperationen kann als Begründung dienen. Diese Erschwernisse müssen detailliert in der Patientendokumentation festgehalten werden.
Ja, da es sich bei der Ziffer A1716 um eine Analogbewertung handelt, ist die Kennzeichnung als Analoggebühr auf der Rechnung gesetzlich vorgeschrieben. Es muss die Ziffer A1716 mit dem Hinweis auf die Referenzziffer 1802 ausgewiesen werden. Andernfalls riskieren Praxen Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Das postoperative Einlegen eines transurethralen Verweilkatheters ist in der Regel als integraler Bestandteil des operativen Eingriffs mit der Ziffer A1716 abgegolten. Eine separate Abrechnung von Standardkatheterisierungen am selben Tag ist daher meist nicht zulässig. Ausnahmen bestehen nur bei eigenständigen, medizinisch begründeten Folgeeingriffen.
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