Die Abrechnung der Prostatektomie nach GOÄ A1843 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles über Fallbeispiele, Ausschlüsse und die rechtssichere Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1843
A1843: Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung mit anschließender Rekonstruktion des Blasenhalses und der Schließmuskelfunktion, einschließlich Blasenkatheter, ggf. einschließlich suprapubischem Katheter, ggf. einschließlich einer oder mehrerer Drainagen
Die Ziffer A1843 beschreibt eine urologische Operationsleistung, die als Analogbewertung zur Ziffer 1843 herangezogen wird. Sie kommt dann zur Anwendung, wenn die vollständige Entfernung der Prostata und der Bläschendrüsen (Samenblasen) ohne eine Ausräumung der pelvinen Lymphknoten erfolgt. Die Leistung umfasst neben der Resektion auch die anspruchsvolle Rekonstruktion des Blasenhalses zur Wiederherstellung der Kontinenz.
Im Leistungstext ist explizit verankert, dass typische Begleitmaßnahmen wie das Legen eines transurethralen oder suprapubischen Blasenkatheters sowie das Einbringen von Drainagen abgegolten sind. Diese Ziffer stellt somit eine umfassende operative Einheit dar, die den urologischen Standardeingriff bei lokal begrenztem Prostatakarzinom ohne Lymphknotenbefall abbildet.
GOÄ A1843 in der Praxis: Indikation und klinischer Einsatz
Der klinische Einsatz der GOÄ A1843 konzentriert sich primär auf die operative Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms. Wenn präoperative Diagnostiken wie das multiparametrische MRT oder Biopsieergebnisse ein sehr geringes Risiko für eine lymphogene Metastasierung zeigen, kann auf die pelvine Lymphadenektomie verzichtet werden. Dies schont den Patienten und reduziert das Risiko für postoperative Lymphozelen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rekonstruktion der Schließmuskelfunktion. Dieser Schritt ist essenziell, um dem Patienten postoperativ eine bestmögliche Kontinenz zu sichern. Die präzise mikrochirurgische oder laparoskopische Nahttechnik erfordert eine hohe chirurgische Expertise, die durch die hohe Punktzahl von 4160 Punkten honoriert wird.
Tipp: Da es sich um eine Analogziffer handelt, muss auf der Liquidation zwingend der Hinweis auf die entsprechende Originalziffer 1843 sowie die Kennzeichnung als Analoggebühr erfolgen, um Verzögerungen bei der Erstattung zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1843
Fallbeispiel 1: Offene retropubische Prostatektomie bei Low-Risk-Karzinom
Ein 62-jähriger Patient stellt sich mit einem histologisch gesicherten, lokal begrenzten Prostatakarzinom (Gleason-Score 6, PSA 4,2 ng/ml) vor. Aufgrund des niedrigen Risikoprofils wird auf eine pelvine Lymphadenektomie verzichtet. Es erfolgt die offene retropubische Prostatektomie mit Rekonstruktion des Blasenhalses. Postoperativ werden ein transurethraler Katheter und eine Easy-Flow-Drainage eingelegt.
Die Abrechnung erfolgt mit der Analogziffer A1843 zum Regelsatz (2,3-fach). Die Katheterisierung und die Drainage sind mit der Ziffer abgegolten und werden nicht separat berechnet.
Fallbeispiel 2: Laparoskopische Prostatektomie bei ausgeprägten Verwachsungen
Bei einem 68-jährigen Patienten mit Zustand nach multiplen abdominalen Voroperationen wird eine laparoskopische Prostatektomie ohne Lymphadenektomie durchgeführt. Aufgrund der massiven intraabdominalen Verwachsungen gestaltet sich der Zugang und die Präparation der Samenblasen extrem zeitaufwendig und schwierig. Die Rekonstruktion des Blasenhalses gelingt komplikolos.
In diesem Fall wird die GOÄ A1843 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5-fach abgerechnet. Die Begründung in der Rechnung verweist detailliert auf die zeitintensive Adhäsiolyse und die anatomischen Erschwernisse.
Fallbeispiel 3: Roboter-assistierte Prostatektomie (daVinci) ohne Lymphknotenentfernung
Ein Patient entscheidet sich für eine roboter-assistierte laparoskopische Prostatektomie (RALP). Auf eine pelvine Lymphadenektomie wird verzichtet. Der Eingriff verläuft standardmäßig, die Rekonstruktion der Schließmuskelfunktion und Harnröhrenanastomose erfolgt roboter-assistiert.
Abgerechnet wird die GOÄ A1843. Die Nutzung des Operationsroboters rechtfertigt nach herrschender Meinung keine separate Ziffer, kann jedoch unter bestimmten Voraussetzungen als Kriterium für eine Faktorsteigerung herangezogen werden, sofern besondere intraoperative Schwierigkeiten auftraten.
Häufige Fehler bei der GOÄ A1843: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Einzelleistungen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen urologische Operationsberichte sehr genau auf Doppelabrechnungen. Insbesondere das Legen des Blasenkatheters (z. B. nach GOÄ 1728 oder 1732) darf keinesfalls zusätzlich liquidiert werden, da dies explizit im Leistungstext der A1843 enthalten ist.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Abgrenzung zur regulären Ziffer 1843. Wurde auch nur ein einzelner Lymphknoten zur histologischen Untersuchung entnommen, fordern Prüfer oft den Wechsel auf die Ziffer 1843, was jedoch tariflich identisch bewertet ist. Problematisch wird es, wenn fälschlicherweise die Ziffer A1843 plus eine separate Lymphadenektomie (z. B. nach GOÄ 1835) abgerechnet wird. Dies stellt einen klaren Verstoß gegen das Zielleistungsprinzip dar.
Achtung: Die zusätzliche Abrechnung von Wunddrainagen nach GOÄ 2009 oder ähnlichen Ziffern neben der A1843 führt regelmäßig zu Beanstandungen und sollte strikt vermieden werden, da diese als typische Begleitleistungen gelten.
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Dokumentation der GOÄ A1843: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation des Operationsverlaufs ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht muss die vollständige Entfernung der Prostata und beider Samenblasen detailliert beschrieben werden. Besonders die Schritte zur Rekonstruktion des Blasenhalses und der Erhalt bzw. die Rekonstruktion des Schließmuskelapparates müssen explizit Erwähnung finden.
Zudem sollte dokumentiert werden, dass keine pelvine Lymphknotenentfernung stattgefunden hat, um die Wahl der Analogziffer A1843 zu rechtfertigen. Auch das Einbringen des Katheters und der Drainagen gehört in den Bericht, um die Vollständigkeit der erbrachten Leistungskomponenten zu belegen.
Dokumentationsbeispiel: "...Nach Darstellung des Situs erfolgt die präzise Präparation und totale Entfernung der Prostata mitsamt beiden Samenblasen unter Schonung der neurovaskulären Bündel. Keine pelvine Lymphadenektomie. Anschließend plastische Rekonstruktion des Blasenhalses und Readaptation der Schließmuskelstrukturen. Einlegen eines 16-Ch-Silikonkatheters transurethral sowie Platzierung einer Easy-Flow-Drainage im Logenbereich..."
GOÄ A1843: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei der GOÄ A1843 aufgrund der Komplexität des Eingriffs keine Seltenheit. Typische Begründungen für eine Faktorsteigerung bis zum 3,5-fachen Satz sind ein extrem enger Beckenraum, starke postoperative Verwachsungen nach vorangegangenen Operationen (z. B. Hernien-OPs oder Darm-OPs) oder ein hohes Patientengewicht (Adipositas permagna). Auch eine stark vergrößerte Prostata, die die Präparation erschwert, kann als medizinische Begründung dienen.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Hauptleistung A1843 können weitere selbstständige Leistungen anfallen. Zulässig ist in der Regel die Abrechnung von Anästhesieleistungen durch den Anästhesisten sowie prä- und postoperative Visiten. Nicht zulässig ist die Kombination mit operativen Einzelschritten, die zur Gesamtleistung der Prostatektomie gehören. Eine sorgfältige Prüfung der Kombinationsmöglichkeiten schützt vor Honorarverlusten.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1843
Was hat nicht gestimmt?