GOÄ A1872: Prostatektomie korrekt abrechnen & steigern

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GOÄ A1872
Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung mit anschließender Rekonstruktion des Blasenhalses und der Schließmuskelfunktion, einschließlich Blasenkatheter, ggf. einschließlich suprapubischem Katheter, ggf. einschließlich einer oder mehrerer Drainagen,
Punktzahl 4160  
Einfachsatz 242,48 € 1,0x
Regelhöchstsatz 557,70 € 2,3x
Höchstsatz 848,68 € 3,5x

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer A1872 (Prostatektomie ohne Lymphadenektomie). Erfahren Sie alles zu Fallbeispielen, Ausschlüssen und Steigerungssätzen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1872

Die GOÄ-Ziffer A1872 beschreibt eine hochspezialisierte urologische Operationsleistung. Der offizielle Leistungstext lautet wie folgt:

Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung mit anschließender Rekonstruktion des Blasenhalses und der Schließmuskelfunktion, einschließlich Blasenkatheter, ggf. einschließlich suprapubischem Katheter, ggf. einschließlich einer oder mehrerer Drainagen, analog Nr. 1843

Diese Ziffer wird analog angewendet, da die ursprüngliche Gebührenordnung für Ärzte diese spezifische Kombination von Operationsschritten nicht eigenständig abbildet. Die Bewertung erfolgt analog zur GOÄ-Ziffer 1843, welche die Zystektomie beschreibt.

Der Leistungsumfang umfasst neben der eigentlichen Resektion auch die anspruchsvolle Rekonstruktion des Blasenhalses sowie die Wiederherstellung der Schließmuskelfunktion zur Vermeidung einer postoperativen Inkontinenz. Alle begleitenden Maßnahmen wie das Legen von Kathetern und Drainagen sind integraler Bestandteil.

GOÄ A1872 in der Praxis: Indikation und klinischer Stellenwert

Die Abrechnung der GOÄ A1872 ist primär bei der operativen Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms indiziert. Wenn präoperativ oder intraoperativ entschieden wird, dass keine pelvine Lymphadenektomie erforderlich ist, stellt diese Ziffer die korrekte Codierung dar.

Ein typisches Szenario ist die radikale Prostatektomie bei Patienten mit einem niedrigen Risikoprofil nach den d'Amico-Kriterien. In diesen Fällen kann auf die Entfernung der Lymphknoten verzichtet werden, was die Morbidität des Eingriffs senkt.

Tipp: Sollte sich während des Eingriffs die Notwendigkeit ergeben, doch eine Lymphadenektomie durchzuführen, muss die Abrechnung zwingend auf die GOÄ-Ziffer 1873 umgestellt werden. Eine nachträgliche Splittung der Leistungen ist unzulässig.

Die präzise Abgrenzung zu anderen urologischen Operationen ist für eine rechtssichere Abrechnung unerlässlich. Die Rekonstruktion des Blasenhalses muss zwingend operativ erfolgen und im OP-Bericht detailliert beschrieben sein.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1872

Um die Anwendung der GOÄ-Ziffer A1872 im klinischen Alltag zu verdeutlichen, dienen die folgenden praxisnahen Fallbeispiele.

Fallbeispiel 1: Radikale Prostatektomie bei Low-Risk-Karzinom

Ein 62-jähriger Patient stellt sich mit einem histologisch gesicherten, lokal begrenzten Prostatakarzinom (Gleason-Score 6, PSA 5,4 ng/ml) vor. Es erfolgt die offene retropubische radikale Prostatektomie ohne pelvine Lymphadenektomie.

Die Rekonstruktion des Blasenhalses verläuft komplikationslos, ein transurethraler Blasenkatheter sowie eine Easy-Flow-Drainage werden eingelegt. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A1872 zum Regelsatz von 2,3 (557,70 €).

Fallbeispiel 2: Eingriff bei ausgeprägten postentzündlichen Verwachsungen

Bei einem 68-jährigen Patienten mit bekanntem Prostatakarzinom zeigt sich intraoperativ ein stark verwachsenes Operationsgebiet infolge früherer chronischer Prostatitiden. Die Präparation der Samenblasen gestaltet sich extrem schwierig und zeitaufwendig.

Aufgrund des erheblichen Mehraufwands wird die GOÄ A1872 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5 abgerechnet. Die Begründung verweist explizit auf die zeitintensive Adhäsiolyse und das erhöhte Verletzungsrisiko der Nachbarorgane.

Fallbeispiel 3: Prostatektomie mit suprapubischer Zystostomie

Ein Patient erhält eine roboterassistierte laparoskopische Prostatektomie ohne Lymphknotenentfernung. Neben dem transurethralen Katheter wird zusätzlich ein suprapubischer Katheter zur postoperativen Harnableitung platziert.

Da der suprapubische Katheter im Leistungstext der GOÄ A1872 explizit als fakultativer Bestandteil genannt ist, darf dieser nicht separat berechnet werden. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die Ziffer A1872 als Einzelleistung für den operativen Komplex.

Häufige Fehler bei der GOÄ A1872: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ A1872 ist die zusätzliche Berechnung von selbstständigen Teilleistungen, die bereits im Leistungstext enthalten sind. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen diese Rechnungen besonders akribisch.

Insbesondere die gesonderte Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2007 (Einlegen einer Drainage) oder der GOÄ-Ziffer 1732 (Blasenkatheterismus) führt regelmäßig zu Beanstandungen. Diese Maßnahmen sind als methodische Bestandteile der Hauptleistung definiert.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung der GOÄ A1872 und einer pelvinen Lymphadenektomie ist ausgeschlossen. Wenn Lymphknoten entfernt werden, muss die höher bewertete GOÄ-Ziffer 1873 herangezogen werden.

Zudem fordern Prüfstellen häufig den Nachweis der rekonstruktiven Schritte. Fehlt im Operationsbericht die detaillierte Darstellung der Blasenhalsrekonstruktion, kann die Leistung auf eine einfache Prostatektomie herabgestuft werden.

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Dokumentation der GOÄ A1872: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss alle im Leistungstext genannten Schritte zweifelsfrei belegen.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Darstellung der anatomischen Rekonstruktion gelegt werden. Die fortlaufende Naht zur Neuanastomose zwischen Blasenhals und Harnröhre sowie die plastische Einengung des Blasenhalses müssen exakt beschrieben sein.

Dokumentation: ...Nach vollständiger Mobilisation und Absetzung der Prostata sowie der Bläschendrüsen zeigt sich eine regelrechte Blutstillung. Anschließend erfolgt die plastische Rekonstruktion des Blasenhalses mittels fortlaufender Naht (Monocryl 3-0). Einlegen eines 16-Ch-Silikonkatheters unter Sicht. Anastomose zwischen Blasenhals und membranöser Urethra unter Schonung des externen Sphinkters...

Auch die Platzierung von Drainagen und Kathetern muss namentlich im Bericht auftauchen, um die Vollständigkeit der erbrachten Leistung zu dokumentieren. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.

GOÄ A1872: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus erfordert eine medizinische Begründung, die auf patientenspezifischen Besonderheiten beruht. Typische Gründe für eine Faktorerhöhung bis zum 3,5-fachen Satz sind ein extrem hoher Body-Mass-Index (BMI) des Patienten oder ausgeprägte anatomische Varianten.

Auch ein erheblicher intraoperativer Blutverlust, der besondere hämostaseologische Maßnahmen erfordert, oder die Durchführung unter erschwerten Sichtverhältnissen bei ausgeprägtem Narbengewebe rechtfertigen eine Steigerung. Die Begründung sollte stets zeitliche Verzögerungen und den konkreten Mehraufwand quantifizieren.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der operativen Hauptleistung nach GOÄ A1872 können begleitende Anästhesieleistungen sowie postoperative Überwachungsleistungen berechnet werden. Häufig wird die Ziffer mit der GOÄ-Ziffer 491 (Zuschlag für ambulante Durchführung) kombiniert, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Nicht zulässig ist hingegen die Kombination mit Ziffern für die postoperative Schmerztherapie am OP-Tag, sofern diese als Standardverfahren gelten. Die postoperative Visite am Folgetag kann wiederum eigenständig nach den entsprechenden Beratungsziffern liquidiert werden.

Ziffer A1872 in der neuen GOÄ

Die totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung (radikale Prostatektomie ohne Lymphadenektomie) wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 10216.

10216 „Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen mit Unterbindung der Samenleiter …" — 1.071,37 €. Die fehlende pelvine Lymphknotenentfernung entspricht dem Leistungsinhalt ohne die separaten Lymphknotenentfernungszuschläge (10255–10257). Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 557,70 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1872

Die GOÄ-Ziffer A1872 wird für die totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung berechnet. Typischerweise kommt sie bei lokal begrenzten Prostatakarzinomen oder schweren benignen Veränderungen zum Einsatz. Die Rekonstruktion des Blasenhalses ist in dieser Ziffer bereits enthalten.
Der Regelhöchstsatz (2,3-facher Satz) für die GOÄ-Ziffer A1872 beträgt 557,70 Euro. Ohne besondere Begründung darf dieser Betrag bei der Abrechnung nicht überschritten werden. Der einfache Gebührensatz liegt bei 242,48 Euro.
Nein, die Ziffer A1872 schließt die pelvine Lymphknotenentfernung explizit aus. Sollte eine pelvine Lymphadenektomie medizinisch notwendig sein und durchgeführt werden, muss stattdessen eine andere Ziffer wie die GOÄ 1873 gewählt werden. Eine Nebeneinanderberechnung ist nicht zulässig.
Das Einlegen eines Blasenkatheters sowie gegebenenfalls eines suprapubischen Katheters sind bereits mit der Gebühr für die GOÄ A1872 abgegolten. Auch das Legen von einer oder mehreren Wunddrainagen darf nicht gesondert berechnet werden. Diese Leistungen gelten als methodische Bestandteile des Haupteingriffs.
Eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz ist bei Vorliegen besonderer Erschwernisse wie ausgeprägten Verwachsungen oder starkem Übergewicht möglich. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung dokumentiert werden. Pauschale Begründungen werden von den privaten Krankenversicherungen meist abgelehnt.
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