GOÄ A745 richtig abrechnen: Erfahren Sie alles über die analoge Anwendung beim Auskratzen von Wundgranulationen und der Entfernung von Warzen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A745
Die Abrechnung von ambulanten Leistungen im vertragsärztlichen und privatärztlichen Bereich erfordert eine präzise Zuordnung der erbrachten Maßnahmen. Die Ziffer A745 wird als Analogbewertung herangezogen, da die zugrundeliegende Originalziffer 745 im Gebührenverzeichnis für bestimmte moderne oder modifizierte Verfahren analog angewendet wird.
GOÄ 745 (Referenz für A745): Auskratzen von Wundgranulationen oder Entfernung von jeweils bis zu drei Warzen mit dem scharfen Löffel
Die Leistung umfasst das mechanische Abtragen von überschüssigem Gewebe, auch bekannt als Exkochleation. Diese Maßnahme dient entweder der Wundreinigung bei gestörter Wundheilung oder der gezielten Entfernung von gutartigen Hautveränderungen. Die Ziffer ist mit 46 Punkten bewertet, was im Einfachsatz einem Honorar von 2.68 € entspricht.
GOÄ A745 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung
In der täglichen Praxis findet die GOÄ A745 vor allem in der Dermatologie, der Chirurgie und der Allgemeinmedizin Anwendung. Ein häufiges Einsatzgebiet ist die Behandlung von chronischen Wunden, bei denen sich hypergranulierendes Gewebe gebildet hat. Dieses sogenannte "wilde Fleisch" verhindert die normale Epithelisierung und muss mechanisch abgetragen werden.
Ein weiteres großes Spektrum ist die Entfernung von viralen Warzen (Verrucae vulgares) oder seborrhoischen Keratosen. Der Einsatz des scharfen Löffels stellt hierbei eine schnelle und effektive Methode dar. Die Abrechnungseinheit begrenzt die Leistung auf jeweils bis zu drei Warzen pro Ansatz.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A745
Fallbeispiel 1: Abtragung von Wundgranulationen bei Ulcus cruris
Ein Patient mit einem chronischen Ulcus cruris zeigt im Wundbereich stark ausgeprägte, feuchte Wundgranulationen, die den Heilungsprozess blockieren. Der Arzt führt nach einer lokalen Desinfektion das Auskratzen des störenden Gewebes mit dem scharfen Löffel durch. Die Wundfläche wird anschließend steril versorgt. Abgerechnet wird die GOÄ A745 für die Exkochleation neben der GOÄ 200 für den Verband.
Fallbeispiel 2: Entfernung von zwei vulgären Warzen an der Hand
Bei einem Jugendlichen befinden sich zwei schmerzhafte Warzen an der Handinnenfläche. Nach Durchführung einer lokalen Infiltrationsanästhesie erfolgt die vollständige Entfernung der Läsionen mittels scharfen Löffels. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 490 für die Anästhesie und die GOÄ A745 für die operative Entfernung der beiden Warzen.
Fallbeispiel 3: Behandlung von hypergranulierendem Gewebe nach Zehennagelresektion
Nach einer stattgehabten Emmert-Plastik zeigt sich am lateralen Nagelwall eine überschießende Granulation. Um die Wundheilung zu beschleunigen, kratzt der Behandler das Gewebe in einer kurzen Sitzung aus. Da es sich um eine selbstständige Leistung im Rahmen der Nachbehandlung handelt, ist der Ansatz der GOÄ A745 medizinisch begründet und abrechnungstechnisch korrekt.
Häufige Fehler bei der GOÄ A745: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der fehlerhaften Multiplikation der Ziffer bei der Entfernung mehrerer Warzen. Da der Leistungstext explizit von "jeweils bis zu drei Warzen" spricht, darf die Ziffer bei einer Anzahl von ein bis drei Warzen im selben Areal nur einziges Mal berechnet werden. Erst ab der vierten Warze kann die Ziffer ein zweites Mal oder ein höherer Steigerungsfaktor begründet werden.
Achtung: Die Ziffer A745 darf nicht neben aufwendigeren operativen Exzisionen (wie der GOÄ 2401) für dieselbe Hautstelle abgerechnet werden. Private Krankenversicherungen kürzen diese Kombinationen regelmäßig als unzulässige Doppelabrechnung.
Zudem fordern Kostenträger bei der analogen Anwendung häufig den Nachweis der Gleichwertigkeit der erbrachten Leistung. Wird die Ziffer A745 analog für moderne Abtragungsmethoden genutzt, muss dies auf der Rechnung klar als Analogabrechnung gekennzeichnet und verständlich beschrieben werden.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ A745: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Prüfstellen oder private Kostenträger. In der Patientenakte müssen die genaue Lokalisation, die Anzahl der behandelten Läsionen sowie das verwendete Instrumentarium dokumentiert werden. Auch der pathologische Zustand, wie beispielsweise das Vorliegen von hypergranulierendem Gewebe, muss klar beschrieben sein.
Dokumentation: Lokalanästhesie mittels Infiltration (GOÄ 490). Mechanische Exkochleation von zwei hyperkeratotischen Verrucae vulgares am linken Zeigefinger mittels scharfen Löffels (Ziffer A745). Blutstillung durch Elektrokoagulation, anschließender steriler Wundverband.
Sollte eine histologische Untersuchung des abgetragenen Materials erfolgen, ist dies ebenfalls zu dokumentieren. Die Einsendung des Gewebes an die Pathologie stützt die medizinische Notwendigkeit des Eingriffs zusätzlich.
GOÄ A745: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Regelsatz für die GOÄ A745 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 6,16 €. Ein Überschreiten dieses Schwellenwertes bis zum 3,5-fachen Satz (9,38 €) ist bei besonderem Aufwand möglich. Typische Begründungen sind eine schwierige Blutstillung, eine ungünstige anatomische Lokalisation (z. B. periungual) oder die Behandlung von unkooperativen Patienten wie Kleinkindern.
Tipp: Nutzen Sie bei der Abrechnung des 3,5-fachen Satzes konkrete patientenbezogene Begründungen wie "erhöhter Zeitaufwand durch starke Blutungsneigung bei antikoagulierten Patienten".
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ A745 lässt sich gut mit vorbereitenden und begleitenden Leistungen kombinieren. Häufig angewendet wird die Kombination mit der GOÄ 490 (Infiltrationsanästhesie) oder der GOÄ 200 (Wundverband). Auch die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5 ist im Rahmen derselben Sitzung berechnungsfähig, sofern sie einer eigenständigen Diagnose dient.
Ziffer A745 in der neuen GOÄ
Die chemische oder kaustische Warzenentfernung wird in der neuen GOÄ je nach eingesetztem Verfahren abgebildet:
- 4110 „Auskratzen von Wundgranulationen oder Entfernung von bis zu drei Hautveränderungen (z. B. Fibrome, Warzen, Condylome, Mollusca contagiosa)" (7,48 €) — für das mechanische Auskratzen; vom Wortlaut schließt die Legende chemische Verfahren nicht ausdrücklich ein, deckt aber die praktische Warzenentfernung ab
- 4111 „Elektrolyse oder Kauterisation, als selbständige Leistung" (15,48 €) je Sitzung — wenn die kaustische Methode (chemische Ätzung, Kaustik) das Verfahren der Wahl ist; Kauterisation ist als Oberbegriff zu verstehen
Der alte 2,3-fache Satz lag bei 6,16 €; beide neuen Ziffern liegen darüber.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A745
Was hat nicht gestimmt?