Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer A842 für die MTT-Eingangsuntersuchung wirft oft Fragen auf. Dieser Leitfaden zeigt alle Fallstricke und Abrechnungstipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A842
A842 (analog): Eingangsuntersuchung zur medizinischen Trainingstherapie, einschließlich biomechanischer Funktionsanalyse der Wirbelsäule, spezieller Schmerzanamnese und ggf. anderer funktionsbezogener Messverfahren sowie Dokumentation
Die Ziffer A842 beschreibt eine umfassende diagnostische Leistung, die vor dem Start einer gerätegestützten medizinischen Trainingstherapie (MTT) zwingend erforderlich ist. Diese Analogziffer wurde geschaffen, um den hohen zeitlichen und apparativen Aufwand einer qualifizierten Eingangsuntersuchung adäquat abzubilden. Die originäre GOÄ bietet für diese spezifische biomechanische Analyse keine eigene Leistungsziffer.
Der Leistungsinhalt fordert zwingend eine biomechanische Funktionsanalyse der Wirbelsäule sowie eine spezielle Schmerzanamnese. Optionale Bestandteile sind weitere funktionsbezogene Messverfahren, wie beispielsweise Kraftmessungen der Rumpfmuskulatur. Eine detaillierte Dokumentation der erhobenen Befunde schließt die Leistung ab und bildet die Basis für den anschließenden Trainingsplan.
GOÄ A842 in der Praxis: Indikationen und korrekte Anwendung
Die Abrechnung der GOÄ A842 ist immer dann gerechtfertigt, wenn ein Patient mit chronischen oder rezidivierenden Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates eine medizinische Trainingstherapie verordnet bekommt. Typische Indikationen sind chronische Rückenschmerzen (Lumbago), postoperative Zustände nach Bandscheibenoperationen oder ausgeprägte muskuläre Dysbalancen. Die Untersuchung dient dazu, den aktuellen Funktionsstatus der Wirbelsäule objektiv zu erfassen.
Im klinischen Alltag führen Ärzte diese Untersuchung häufig an speziellen, computergestützten Analysegeräten durch. Diese Geräte ermöglichen eine präzise Messung der maximalen isometrischen Kraft in verschiedenen Bewegungsebenen. Die Ergebnisse dieser biomechanischen Analyse fließen direkt in die Erstellung eines individualisierten, medizinisch kontrollierten Trainingsprogramms ein.
Wichtig ist die Abgrenzung zu allgemeinen orthopädischen Untersuchungen. Während die Ziffer 60 GOÄ die Erhebung eines lokalen Befundes beschreibt, geht die A842 weit darüber hinaus. Sie erfordert eine spezialisierte apparative und funktionelle Diagnostik, die speziell auf die Steuerung einer apparativen Trainingstherapie ausgerichtet ist.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A842
Fallbeispiel 1: Chronisches Lendenwirbelsäulensyndrom
Ein Patient stellt sich mit seit sechs Monaten bestehenden, therapieresistenten Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule vor. Zur Einleitung einer gerätegestützten Trainingstherapie erfolgt eine 90-minütige Sitzung, die eine spezielle Schmerzanamnese und eine computergestützte Kraftmessung der Rumpfextensoren beinhaltet. Der Arzt dokumentiert die muskulären Defizite und erstellt den Therapieplan. Abgerechnet wird die Ziffer A842 zum Regelsatz (2,3-fach = 67,02 €).
Fallbeispiel 2: Postoperative Rehabilitation nach Bandscheibenvorfall
Drei Monate nach einer mikrochirurgischen Sequestrektomie an der Wirbelsäule soll der Patient eine gezielte MTT beginnen. Der Arzt führt die biomechanische Funktionsanalyse der Wirbelsäule durch, um die Belastbarkeit der operierten Segmente zu prüfen. Aufgrund der postoperativen Vorsichtsmaßnahmen und des erhöhten Zeitaufwands bei der Schmerzanamnese wird die Ziffer A842 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 2,8 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Muskuläre Dysbalance bei schwerer Skoliose
Eine junge Patientin mit einer progredienten Skoliose benötigt ein gezieltes Krafttraining zur Stabilisierung der Wirbelsäule. Vorab erfolgt die Eingangsuntersuchung mittels biomechanischer Messverfahren zur Bestimmung der Seitendifferenzen. Die detaillierten Messergebnisse werden dokumentiert und fließen in die Trainingssteuerung ein. Die Abrechnung erfolgt über die Analogziffer A842 neben der Beratung nach Ziffer 3 GOÄ.
Häufige Fehler bei der GOÄ A842: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die gleichzeitige Berechnung von allgemeinen Untersuchungsziffern wie der GOÄ 5, 6 oder 800 für dieselbe Diagnose am selben Tag. Private Krankenversicherungen (PKV) kürzen diese Kombinationen regelmäßig, da die Eingangsuntersuchung bereits umfassende diagnostische Elemente enthält. Eine Nebeneinanderberechnung ist nur zulässig, wenn es sich um völlig unterschiedliche Behandlungsanlässe handelt, was dann explizit begründet werden muss.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig das Fehlen der obligaten Leistungsinhalte. Wenn aus der Dokumentation nicht hervorgeht, dass sowohl eine biomechanische Funktionsanalyse als auch eine spezielle Schmerzanamnese stattgefunden haben, gilt die Leistung als nicht vollständig erbracht. Die bloße Durchführung eines Standard-Fitness-Checks rechtfertigt die Abrechnung der A842 keinesfalls.
Achtung: Die Ziffer A842 darf nicht für die regelmäßigen Zwischen- oder Kontrolluntersuchungen während einer laufenden Trainingstherapie herangezogen werden. Für diese Verlaufskontrollen sind andere, niedrigere Ziffern oder die analoge Ziffer A843 zu prüfen.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ A842: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch private Kostenträger. In der Patientenakte müssen alle obligaten Bestandteile der Ziffer A842 detailliert festgehalten werden. Dazu gehören die schriftliche Fixierung der speziellen Schmerzanamnese (inklusive Schmerzskala, Lokalisation und Triggerfaktoren) sowie die konkreten Messergebnisse der biomechanischen Analyse.
Zusätzlich sollten die verwendeten Messgeräte und die ermittelten Parameter (z. B. maximale isometrische Kraftwerte in Newtonmetern) dokumentiert werden. Auch die therapeutische Konsequenz, also der aus den Daten abgeleitete Trainingsplan für die medizinische Trainingstherapie, muss klar erkennbar sein. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung zweifelsfrei.
Dokumentationsbeispiel: Spezielle Schmerzanamnese bei chronischer Lumbalgie (VAS 6/10). Biomechanische Funktionsanalyse der HWS/LWS mittels computergestütztem Messsystem (Typ XYZ). Maximale isometrische Extensionskraft LWS vermindert (45 Nm, Soll: 80 Nm). Deutliche muskuläre Dysbalance Flexoren/Extensoren (Verhältnis 1,8). Erstellung des MTT-Trainingsplans zur gezielten Kräftigung der lumbalen Extensoren.
GOÄ A842: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Ziffer A842 kann bei Vorliegen medizinischer Besonderheiten über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ein außergewöhnlich hoher Zeitaufwand bei ausgeprägter Schmerzsymptomatik oder erhebliche Compliance-Probleme des Patienten. Auch komplexe anatomische Verhältnisse, wie sie nach mehrfachen Wirbelsäulenoperationen (Versteifungen) vorliegen, rechtfertigen eine Faktorerhöhung mit individueller Begründung.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die Eingangsuntersuchung nach A842 mit Beratungsleistungen kombiniert. Die Abrechnung der Ziffer 3 GOÄ (eingehende Beratung) ist neben der A842 zulässig, sofern die Beratung zeitlich und inhaltlich über die reine Befundbesprechung hinausgeht. Auch die Kombination mit der Ziffer 70 (Ausstellung von Bescheinigungen) für den Trainingsplan ist in der Praxis üblich.
Tipp: Bei der Kombination der A842 mit anderen Ziffern am selben Tag ist auf eine zeitliche Trennung der Leistungen in der Dokumentation zu achten. Dies erleichtert die Argumentation gegenüber kritischen privaten Krankenversicherungen erheblich.
Ziffer A842 in der neuen GOÄ
A842 deckte drei Analoganwendungen ab: die Eingangsuntersuchung zur medizinischen Trainingstherapie (analog Nr. 842), die sensible Elektroneurographie (analog Nr. 840) und die Bioresonanzdiagnostik (analog Nr. 840). In der neuen GOÄ:
- 4324 „Sensible Elektroneurographie mit Oberflächen- oder Nadelelektroden, antidrom und/oder orthodrom, je Nerv, ein- oder beidseitig" — 47,71 €, je Sitzung bis zu dreimal; untersuchte Nerven sind anzugeben; nicht neben 8378 (bei sensibler Elektroneurographie)
- 4219 „Eingangs- oder Abschlussuntersuchung zur medizinischen Trainingstherapie von Wirbelsäule, Becken oder Extremitäten, einschließlich Dokumentation, biomechanischer Funktionsanalysen und spezieller Schmerzanamnese" — 103,39 €; nicht neben 2020 (bei MTT-Eingangs- oder Abschlussuntersuchung)
Kein Nachfolger in der neuen GOÄ für die Bioresonanzdiagnostik. Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 67,02 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A842
Was hat nicht gestimmt?