Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1738 (Meatusplastik): Indikationen, typische Fehler, Ausschlussziffern und praxisnahe Dokumentationstipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1738
Nr. 1738: Plastische Versorgung einer Meatusstriktur – 554 Punkte (Einfachsatz: 32,29 €, 2,3-facher Satz: 74,27 €, 3,5-facher Satz: 113,02 €)
Die GOÄ-Ziffer 1738 beschreibt die plastische Rekonstruktion der äußeren Harnröhrenmündung bei einer vorliegenden Meatusstriktur. Diese Leistung umfasst die operative Erweiterung und die anschließende plastische Neugestaltung des Meatus urethrae externus mittels lokaler Gewebeverschiebung oder Schleimhautnaht. Ziel des Eingriffs ist die dauerhafte Wiederherstellung eines adäquaten Harnstrahls und die Vermeidung von Rezidiven.
Im Gegensatz zur einfachen Inzision (Meatotomie) erfordert die plastische Versorgung einen höheren operativen Aufwand, da hierbei Gewebe plastisch adaptiert oder transponiert wird. Die Ziffer deckt die gesamte intraoperative Versorgung inklusive der primären Wundversorgung ab. Vorbereitende Maßnahmen und die postoperative Nachsorge sind gesondert zu bewerten.
GOÄ 1738 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Eine Meatusstriktur stellt eine mechanische Behinderung des Harnabflusses dar, die durch chronische Entzündungen, traumatische Katheterisierungen oder angeborene Fehlbildungen entstehen kann. Die Indikation zur plastischen Meatusrekonstruktion ist gegeben, wenn konservative Dehnungsbehandlungen oder eine einfache Schlitzung keinen dauerhaften Erfolg versprechen.
Besonders bei angeborenen Meatusverengungen oder ausgeprägten narbigen Veränderungen nach operativen Eingriffen ist die Meatusplastik das Verfahren der Wahl. Die Abgrenzung zur einfachen Meatotomie nach GOÄ 1737 ist essenziell, da letztere lediglich eine Spaltung ohne plastische Gewebeadaptation darstellt. Liegt ein Tumor als Ursache vor, richtet sich das operative Vorgehen nach dessen Dignität, wobei die plastische Deckung dennoch über die 1738 abgerechnet werden kann.
Tipp: Es empfiehlt sich, stets die medizinische Notwendigkeit der plastischen Rekonstruktion gegenüber einer einfachen Schlitzung detailliert zu dokumentieren, um Erstattungsproblemen vorzubeugen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1738
Fallbeispiel 1: Angeborene Meatusenge bei einem Jugendlichen
Ein 15-jähriger Patient stellt sich mit einem abgeschwächten Harnstrahl und rezidivierenden Harnwegsinfekten vor. Diagnostiziert wird eine ausgeprägte, angeborene Meatusstriktur. Es erfolgt eine operative Meatusplastik mit lateraler Inzision und plastischer Readaptation der Schleimhautgrenzen zur dauerhaften Erweiterung.
Abrechnung: GOÄ-Ziffer 1738 (2,3-fach) sowie der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ-Ziffer 443.
Fallbeispiel 2: Posttraumatische Striktur nach Dauerkatheterisierung
Nach einer mehrwöchigen intensivmedizinischen Behandlung mit liegendem Blasenkatheter entwickelte ein Patient eine narbige Einengung der Harnröhrenmündung. Eine einfache Bougierung brachte keinen dauerhaften Erfolg. Der Urologe führt eine plastische Versorgung der Meatusstriktur unter Lokalanästhesie durch.
Abrechnung: GOÄ-Ziffer 1738, gesteigert auf den 2,8-fachen Satz aufgrund der ausgeprägten Vernarbung, plus Lokalanästhesie nach GOÄ 490.
Fallbeispiel 3: Rezidivierende Striktur nach vorausgegangener Meatotomie
Bei einem Patienten kam es nach einer einfachen Meatotomie zu einer erneuten, höhergradigen Strikturbildung. Zur definitiven Versorgung erfolgt nun eine aufwendige Meatusplastik mit Schleimhautverschiebeplastik.
Abrechnung: GOÄ-Ziffer 1738. Da es sich um einen Rezidiveingriff in voroperiertem Gewebe handelt, kann ein Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt und entsprechend begründet werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1738: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ziffern, die durch die GOÄ explizit ausgeschlossen sind. Die GOÄ-Ziffer 1738 darf nicht neben den Ziffern 1701, 1702, 1715 und 1737 abgerechnet werden. Insbesondere die Kombination mit der einfachen Meatotomie (1737) führt regelmäßig zu Beanstandungen, da die plastische Versorgung die einfache Schlitzung konsumiert.
Private Krankenversicherungen prüfen zudem genau, ob tatsächlich eine plastische Rekonstruktion stattgefunden hat oder lediglich eine einfache Erweiterung durchgeführt wurde. Wird in der Operationsdokumentation nur von einer "Schlitzung" oder "Inzision" gesprochen, stufen Prüfstellen die Abrechnung oft auf die schlechter bewertete Ziffer 1737 herab.
Achtung: Es ist darauf zu achten, dass keine der Ausschlussziffern am selben Behandlungstag für denselben operativen Zugang angesetzt wird, es sei denn, es handelt sich um zeitlich und räumlich getrennte Sitzungen mit entsprechender Begründung.
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Dokumentation der GOÄ 1738: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Operationsdokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Der Operationsbericht muss die medizinische Indikation (z. B. hochgradige narbige Einengung, Harnstau) sowie die spezifischen operativen Schritte der plastischen Versorgung detailliert beschreiben. Insbesondere die Mobilisation und Adaptation der Schleimhautränder müssen klar hervorgehen.
Zusätzlich sollten präoperative Befunde wie die Messung des Harnstrahls (Uroflowmetrie) und die Bestimmung des Restharns dokumentiert werden, um die klinische Relevanz des Eingriffs zweifelsfrei zu belegen.
Dokumentationsbeispiel:
"Diagnose: Hochgradige, narbige Meatusstriktur nach rezidivierenden Urethritiden. Prozedur: Lokalanästhesie. Radäre Inzision des stenosierten Meatus bei 6 Uhr. Mobilisation der Harnröhrenschleimhaut und plastische Adaptation an die Glansschleimhaut mittels feiner, resorbierbarer Einzelknopfnähte (Meatusplastik). Blutstillung, Einlegen eines temporären Platzhalters. Postoperativ freier Urinabfluss."
GOÄ 1738: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz erfordert eine einzelfallbezogene Begründung. Typische Gründe für eine Steigerung bei der GOÄ 1738 sind ein extrem vernarbtes OP-Gebiet (z. B. nach Voroperationen oder Bestrahlung), anatomische Besonderheiten wie eine Hypospadie oder ein erhöhtes Blutungsrisiko. Auch ein überdurchschnittlicher Zeitaufwand durch schwierige Präparationsverhältnisse rechtfertigt einen höheren Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Hauptleistung nach GOÄ 1738 können weitere selbstständige Leistungen anfallen. Häufig kombinierbar sind Anästhesieleistungen (z. B. Infiltrationsanästhesie nach Nr. 490/491) sowie der Zuschlag für ambulantes Operieren nach Nr. 443. Nicht berechnungsfähig sind hingegen die urologischen Spiegelungen nach 1701 und 1702, sofern sie im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Eingriff stehen.
Ziffer 1738 in der neuen GOÄ
Die bisherige Ziffer 1738 erhält in der neuen GOÄ die Nummer 10131 — „Meatusplastik, einschließlich Inzision, Schleimhautrekonstruktion" — mit einem Festpreis von 111,98 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 74,27 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1738
Was hat nicht gestimmt?