GOÄ 2216: Operative Einrenkung Ellenbogen & Knie abrechnen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 2216
Operative Einrenkung der Luxation eines Ellenbogen- oder Kniegelenks
Punktzahl 1850  
Einfachsatz 107,83 € 1,0x
Regelhöchstsatz 248,01 € 2,3x
Höchstsatz 377,40 € 3,5x
Ausschlüsse

Die operative Einrenkung eines Ellenbogen- oder Kniegelenks nach GOÄ 2216 erfordert präzise Dokumentation. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Kombinationen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2216

GOÄ-Ziffer 2216: Operative Einrenkung der Luxation eines Ellenbogen- oder Kniegelenks

Die GOÄ-Ziffer 2216 beschreibt die operative Einrenkung (Reposition) einer Verrenkung (Luxation) am Ellenbogen- oder Kniegelenk. Im Gegensatz zur geschlossenen Reposition erfordert diese Leistung einen chirurgischen Zugang, um das Gelenk unter direkter Sicht wieder in seine anatomische Position zu bringen. Diese Ziffer ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter den Gelenkluxationen angesiedelt.

Die Leistung umfasst den operativen Zugang zum betroffenen Gelenk, das Lösen eventuell einklemmender Weichteile oder Kapselanteile sowie die eigentliche anatomische Reposition. Auch die anschließende Überprüfung der Gelenkstabilität und die temporäre Fixation oder der schichtweise Wundverschluss sind mit dieser Gebühr abgegolten.

GOÄ 2216 in der Praxis: Indikation und operative Herausforderungen

Die Indikation zur operativen Einrenkung nach GOÄ 2216 ist meist dann gegeben, wenn eine geschlossene Reposition erfolglos blieb oder aufgrund von Begleitverletzungen kontraindiziert ist. Typische Szenarien umfassen Luxationen mit interponierten Weichteilen wie Sehnen, Muskeln oder Kapselfragmenten, die den Repositionsweg blockieren. Auch offene Luxationen oder Luxationen mit begleitenden Gefäß-Nervenschäden erfordern ein offenes operatives Vorgehen.

Besonders am Kniegelenk handelt es sich bei einer Luxation um einen orthopädischen Notfall, der aufgrund der Gefahr von Poplitealarterienverletzungen sofortiges Handeln erfordert. Die operative Reposition dient hier nicht nur der Gelenkwiederherstellung, sondern auch der Entlastung neurovaskulärer Strukturen. Am Ellenbogengelenk sind es häufig komplexe Luxationsfrakturen, die eine offene operative Intervention unumgänglich machen.

Achtung: Die bloße geschlossene Reposition unter Narkose darf nicht nach GOÄ 2216 abgerechnet werden. Hierfür sind die Ziffern für die geschlossene Einrenkung (z. B. GOÄ 2206 oder 2208) heranzuziehen, da die GOÄ 2216 zwingend eine operative Eröffnung des Gelenks voraussetzt.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2216

Fallbeispiel 1: Irreponible Ellenbogenluxation

Ein Patient stellt sich mit einer dorsoradialen Ellenbogenluxation nach einem Sturz vor. Mehrere geschlossene Repositionsversuche in Analgosedierung scheitern aufgrund einer Weichteilinterposition des Musculus brachialis. Es erfolgt die operative Freilegung des Gelenks, die Mobilisation der interponierten Strukturen und die offene Reposition des Ellenbogens.

Abrechnung: Die operative Einrenkung wird mit der GOÄ-Ziffer 2216 berechnet. Da der Eingriff ambulant durchgeführt wird, kann zusätzlich der Zuschlag 445 angesetzt werden.

Fallbeispiel 2: Offene Kniegelenkluxation

Nach einem schweren Motorradunfall wird ein Patient mit einer offenen Kniegelenkluxation eingeliefert. Es zeigt sich eine erhebliche Instabilität bei gleichzeitigem Verdacht auf eine Gefäßkompression. Im Operationssaal erfolgt die chirurgische Exploration, die Reposition des Kniegelenks unter Sicht und die temporäre Stabilisierung mittels Fixateur externe.

Abrechnung: Die offene Reposition des Kniegelenks wird über die GOÄ 2216 abgerechnet. Die zusätzliche Montage des Fixateur externe wird separat nach der entsprechenden Ziffer (z. B. GOÄ 2281) liqudiert.

Fallbeispiel 3: Komplexe Ellenbogen-Luxationsfraktur

Eine Patientin erleidet eine Ellenbogenluxation kombiniert mit einer dislozierten Radiusköpfchenfraktur. Zur anatomischen Rekonstruktion ist ein operativer Zugang erforderlich, bei dem zunächst das Gelenk reponiert und anschließend das Radiusköpfchen mittels Osteosynthese stabilisiert wird.

Abrechnung: Neben der operativen Einrenkung nach GOÄ 2216 wird die Osteosynthese des Radiusköpfchens (z. B. GOÄ 2254) abgerechnet. Beide Leistungen sind nebeneinander berechnungsfähig, da sie unterschiedliche therapeutische Ziele verfolgen.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2216: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2216 ist die Verwechslung mit der geschlossenen Reposition. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen OP-Berichte genau darauf, ob tatsächlich ein chirurgischer Schnitt und eine offene Darstellung des Gelenks stattgefunden haben. Fehlt der Nachweis einer operativen Eröffnung in der Dokumentation, wird die Ziffer regelmäßig auf die deutlich schlechter bewertete geschlossene Reposition heruntergestuft.

Zudem müssen die expliziten Ausschlussziffern beachtet werden. Die GOÄ 2216 darf nicht am selben Gelenk neben den Ziffern 2214 (operative Einrenkung Schulter/Hüfte), 2215 (operative Einrenkung Hand/Fuß) oder 2235 (operative Einrenkung einer veralteten Luxation) abgerechnet werden. Ein Nebeneinanderbestehen dieser Ziffern für dasselbe Gelenk ist abrechnungstechnisch ausgeschlossen.

Achtung: Wird eine veraltete Luxation (älter als drei Wochen) operativ eingerichtet, ist zwingend die GOÄ-Ziffer 2235 zu wählen. Die Verwendung der GOÄ 2216 ist in diesem Fall fehlerhaft und führt bei einer Rechnungsprüfung zur Beanstandung.

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Dokumentation der GOÄ 2216: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den operativen Zugangsweg (z. B. dorsaler oder radialer Zugang) und die Darstellung der anatomischen Strukturen präzise beschreiben. Insbesondere die Begründung, warum eine offene Reposition notwendig war (z. B. interponiertes Kapselgewebe), muss klar aus dem Bericht hervorgehen.

Auch die postoperative Überprüfung der Gelenkstabilität und die Dokumentation des peripheren Puls- und Neurologiestatus direkt nach dem Eingriff sind essenziell. Diese Angaben sichern nicht nur die Abrechnung der GOÄ 2216 ab, sondern dienen auch der forensischen Absicherung des Operateurs.

Dokumentationsbeispiel:
"...Hautschnitt über dem lateralen Ellenbogenspalt. Darstellung des Gelenks unter Schonung des Nervus radialis. Es zeigt sich eine Blockade der Reposition durch Interposition der lateralen Gelenkkapsel. Mobilisation und Reposition des Ellenbogengelenks unter direkter Sicht. Prüfung der Stabilität: Gelenk zeigt sich in Beugung und Streckung stabil. Peripherer Puls und Motorik postoperativ intakt..."

GOÄ 2216: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelhöchstsatz der GOÄ 2216 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 248,01 €. Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum 3,5-fachen Steigerungssatz (377,40 €) ist bei Vorliegen besonderer Erschwernisse möglich. Typische Begründungen sind ein erhöhter Zeitaufwand durch ausgeprägte Verwachsungen bei Zustand nach Voroperationen oder eine extreme Adipositas des Patienten, die den Zugang erschwert.

Auch eine ausgeprägte Trümmerzone im Gelenkbereich oder die Notwendigkeit einer aufwendigen Neurolyse des Nervus ulnaris beim Ellenbogen können als patientenindividuelle Kriterien herangezogen werden. Die Begründung muss verständlich und einzelfallbezogen auf der Rechnung formuliert werden.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 2216 können verschiedene begleitende Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die Anästhesieleistungen (z. B. GOÄ 451 oder 452) sowie postoperative Überwachungsleistungen. Falls eine zusätzliche Bandrekonstruktion erforderlich ist, kann diese gegebenenfalls neben der Reposition berechnet werden, sofern es sich um eine selbstständige operative Leistung handelt.

Tipp: Bei ambulanter Durchführung der operativen Einrenkung darf der Zuschlag nach GOÄ 445 nicht vergessen werden. Dieser Zuschlag sichert ein zusätzliches Honorar von 72,86 € und ist direkt an die Erbringung der GOÄ 2216 gekoppelt.

Ziffer 2216 in der neuen GOÄ

Die neue GOÄ löst die bisherige Ziffer 2216 in mehrere spezifische Leistungen auf — welche zutrifft, hängt von der Art des Eingriffs ab:

  • 7553 „Offene Reposition der Luxation eines Ellbogengelenks“ – bei: Ellenbogengelenk (424,92 €)
  • 7559 „Offene Reposition der Luxation eines Kniegelenks“ – bei: Kniegelenk (495,30 €)

Heute bringt die 2216 beim 2,3-fachen Satz 248,01 €. Die Spanne reicht von 424,92 € bis 495,30 € — die Dokumentation entscheidet, welche Ziffer ansetzbar ist.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2216

Die GOÄ-Ziffer 2216 hat eine Punktzahl von 1850. Dies entspricht einem Einfachsatz von 107,83 € und einem Regelhöchstsatz (2,3-fach) von 248,01 €.
Neben der GOÄ 2216 kann bei ambulanter Durchführung der Zuschlag nach Nr. 445 angesetzt werden. Dieser Zuschlag beträgt 72,86 € für ambulante operative Leistungen.
Die GOÄ-Ziffer 2216 darf nicht neben den Ziffern 2214, 2215 und 2235 abgerechnet werden. Diese Ausschlüsse betreffen andere operative Einrenkungen oder veraltete Luxationen.
Eine Erhöhung des Steigerungssatzes ist bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen oder schweren Begleitverletzungen möglich. Auch ein hoher Zeitaufwand durch starke Weichteilschäden rechtfertigt eine Steigerung.
Ja, wenn neben der Luxation eine Fraktur vorliegt, die operativ versorgt werden muss, ist die entsprechende Osteosyntheseziffer zusätzlich berechnungsfähig. Die operative Einrenkung der Luxation stellt eine eigenständige Leistung dar.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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