GOÄ 2269: Kahnbeinpseudarthrose korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2269
Operation der Pseudarthrose des Os naviculare mit Spanentnahme vom Beckenkamm oder Verschraubung
Punktzahl 1800  
Einfachsatz 104,92 € 1,0x
Regelhöchstsatz 241,32 € 2,3x
Höchstsatz 367,22 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2269 birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles über Indikationen, Steigerungssätze und die fehlerfreie Kombination mit Zuschlägen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2269

GOÄ 2269: Operation der Pseudarthrose des Os naviculare mit Spanentnahme vom Beckenkamm oder Verschraubung – 1800 Punkte

Die GOÄ-Ziffer 2269 beschreibt eine hochspezifische operative Leistung aus dem Bereich der Knochenchirurgie. Sie kommt zur Anwendung, wenn eine Fraktur des Kahnbeins (Os naviculare) der Handwurzel nicht ordnungsgemäß verheilt ist und sich ein sogenanntes Falschgelenk (Pseudarthrose) gebildet hat. Die Leistung umfasst die operative Revision des Pseudarthrosenspalts sowie die mechanische Stabilisierung.

Im Leistungstext ist explizit verankert, dass die Maßnahme entweder mit einer Spanentnahme vom Beckenkamm oder mittels einer Verschraubung durchgeführt wird. Auch die Verwendung moderner Implantate, wie beispielsweise einer speziellen Herbertschraube, ist durch diese Ziffer abgedeckt. Die Ziffer bildet somit den gesamten operativen Aufwand der knöchernen Sanierung ab.

GOÄ 2269 in der Praxis: Indikation und operative Verfahren

Die Indikation zur Durchführung einer Operation nach GOÄ 2269 ist gegeben, wenn nach einer Kahnbeinfraktur über einen Zeitraum von mehreren Monaten keine knöcherne Durchbauung stattgefunden hat. Dies führt häufig zu chronischen Schmerzen und einer Einschränkung der Handgelenksfunktion. Die operative Sanierung ist essenziell, um eine fortschreitende Handgelenksarthrose (SNAC-Wrist) zu verhindern.

In der klinischen Praxis erfolgt der Eingriff meist über einen palmaren oder dorsalen Zugang zum Handgelenk. Nach der Darstellung des Kahnbeins wird das sklerotische Gewebe im Pseudarthrosenbereich gründlich exzidiert. Anschließend erfolgt die Einbringung von spongiösem oder corticospongiösem Knochenmaterial, gefolgt von einer stabilen Kompressionsverschraubung.

Tipp: Auch wenn der Leistungstext von einer Spanentnahme vom Beckenkamm spricht, ist die Ziffer analog anwendbar, wenn der Knochenspan aus einer anderen Region, wie beispielsweise dem distalen Radius, entnommen wird. Entscheidend ist der operative Zweck der Pseudarthrosensanierung.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2269

Fallbeispiel 1: Klassische Kahnbeinpseudarthrose mit Herbertschraube

Ein Patient stellt sich mit einer seit sechs Monaten bestehenden, schmerzhaften Pseudarthrose des Kahnbeins vor. Es erfolgt die operative Freilegung, die Resektion des Pseudarthrosengewebes und die stabile Fixierung mittels einer kanülierten Herbertschraube ohne zusätzliche Spanplastik. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2269 zum Regelsatz (2,3-fach).

Fallbeispiel 2: Komplexe Sanierung mit Beckenkammspan

Bei einer ausgeprägten Instabilität und Knochendefekt im Bereich des Os naviculare wird eine Sanierung mit Einbringung eines corticospongiösen Spans vom Beckenkamm durchgeführt. Der Beckenkammspan wird passgenau in den Defekt eingepasst und mit zwei Mini-Schrauben fixiert. Abgerechnet wird die GOÄ 2269. Die Spanentnahme vom Beckenkamm ist mit der Ziffer 2269 abgegolten und darf nicht zusätzlich berechnet werden.

Fallbeispiel 3: Ambulante Operation mit Erschwernis

Die Operation einer Kahnbeinpseudarthrose wird ambulant durchgeführt. Aufgrund starker Vernarbungen nach einer vorangegangenen konservativen Therapie gestaltet sich die Darstellung des Knochens als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2269 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5 sowie der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ-Ziffer 445.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2269: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Liquidation der Knochenspanentnahme. Da die Spanentnahme vom Beckenkamm explizit im Wortlaut der GOÄ 2269 genannt ist, ist eine Nebeneinanderberechnung von Ziffern wie der GOÄ 2253 (Beckenkammspanentnahme) für denselben Eingriff nicht zulässig. Private Krankenversicherungen kürzen solche Rechnungen regelmäßig.

Ebenso führt die separate Berechnung der Osteosynthese (z. B. nach GOÄ 2254) neben der GOÄ 2269 häufig zu Beanstandungen. Die Verschraubung ist integraler Bestandteil der Ziffer 2269 und darf nicht als eigenständige Leistung deklariert werden. Lediglich die Verwendung von Osteosynthesematerial selbst kann als Sachkosten in Rechnung gestellt werden.

Achtung: Achten Sie darauf, dass bei einer ambulanten Durchführung der Zuschlag nach GOÄ 445 nicht vergessen wird. Dieser Zuschlag wird von Prüfstellen oft übersehen, steht dem Operateur jedoch bei ambulanten Eingriffen dieser Größenordnung zwingend zu.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 2269: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation des Operationsverlaufs ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen alle Schritte detailliert dargestellt werden. Insbesondere die Darstellung des Pseudarthrosenspalts, die Resektion des sklerotischen Gewebes und die Art der Stabilisierung (z. B. Schraubentyp) müssen klar hervorgehen.

Falls ein Knochenspan entnommen wurde, sollte der Entnahmeort (z. B. Beckenkamm oder distaler Radius) und die Einpassung in den Defekt genau beschrieben werden. Bei einer beabsichtigten Steigerung des Gebührensatzes müssen die konkreten Erschwernisse bereits im OP-Bericht detailliert begründet sein.

Dokumentationsbeispiel:
...Hautschnitt über dem radialen Handgelenk. Darstellung des Os naviculare. Es zeigt sich eine ausgeprägte Pseudarthrose im mittleren Drittel mit sklerosierten Rändern. Sorgfältige Resektion des Pseudarthrosengewebes bis in gesundes, blutendes Knochenbett. Einpassung eines zuvor entnommenen Spans. Stabile Fixierung mittels einer Herbertschraube unter Durchleuchtungskontrolle...

GOÄ 2269: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Satz erfordert eine einzelfallbezogene Begründung. Typische medizinische Begründungen für eine Faktorerhöhung bei der GOÄ 2269 sind eine extreme Instabilität der Fragmente, ausgeprägte Knochendefekte, die eine aufwendige Modellierung des Spans erfordern, oder erhebliche anatomische Varianten. Auch eine stark verlängerte Operationszeit durch ausgeprägte postoperative Vernarbungen ist ein anerkannter Steigerungsgrund.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der Hauptleistung nach GOÄ 2269 können weitere selbstständige Leistungen anfallen. Zulässig ist die Abrechnung von Anästhesieleistungen (z. B. Plexusanästhesie nach GOÄ 490/491) oder radiologischen Kontrollen während der Operation (z. B. GOÄ 5010 für die intraoperative Durchleuchtung). Nicht zulässig ist hingegen die Kombination mit anderen knochenchirurgischen Ziffernkombinationen am selben Knochen im selben operativen Schritt.

Ziffer 2269 in der neuen GOÄ

Die neue GOÄ löst die bisherige Ziffer 2269 (Operation der Pseudarthrose des Os naviculare mit Spanentnahme vom Beckenkamm oder Verschraubung, heute 2,3-fach: 241,32 €) je nach erbrachter Leistung in verschiedene Nachfolgeziffern auf:

  • 7579 Operative Behandlung einer Pseudarthrose an einem Handwurzel- oder Fußwurzelknochen (723,55 €) — bei: Spanentnahme vom Beckenkamm (Knochenentnahme fernab des Operationsgebietes); zzgl. 7670 (345,45 €)
  • 7579 Operative Behandlung einer Pseudarthrose an einem Handwurzel- oder Fußwurzelknochen (723,55 €) — bei: Verschraubung (z.B. Herbertschraube) ohne Beckenkammspanentnahme von fernabliegender Stelle; zzgl. 7583 (196,79 €)

Die Bandbreite der abrechenbaren Gesamtsumme reicht von 920,34 € bis 1.069,00 € — die Dokumentation des konkreten Eingriffs entscheidet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2269

Die GOÄ-Ziffer 2269 wird bei der operativen Behandlung einer ausbleibenden Knochenheilung (Pseudarthrose) des Kahnbeins (Os naviculare) berechnet. Dies umfasst sowohl die Stabilisierung mittels Verschraubung als auch die Einbringung eines Knochenspans vom Beckenkamm. Die Ziffer ist unabhängig von der verwendeten Schraubenart, wie beispielsweise einer Herbertschraube, anwendbar.
Ja, die Spanentnahme vom Beckenkamm ist bei der Anwendung der GOÄ-Ziffer 2269 bereits im Leistungsumfang enthalten und darf nicht separat berechnet werden. Dies ergibt sich direkt aus dem offiziellen Leistungstext der Ziffer. Eine zusätzliche Abrechnung beispielsweise der Ziffer 2253 für die Knochenspanentnahme ist daher ausgeschlossen.
Für die ambulante Durchführung der Operation nach GOÄ 2269 kann der Zuschlag nach Ziffer 445 berechnet werden. Dieser Zuschlag ist für ambulante operative Leistungen mit einer punktzahl von 1200 bis unter 2000 Punkten vorgesehen. Er beträgt im Einfachsatz 72,86 Euro und ist nicht steigerbar.
Nein, die Osteosynthese des Kahnbeins ist integraler Bestandteil der GOÄ-Ziffer 2269, sofern sie zur Stabilisierung der Pseudarthrose dient. Eine zusätzliche Abrechnung von allgemeinen Osteosynthese-Ziffern wie der GOÄ 2254 für denselben Knochen ist nicht zulässig. Dies würde eine unzulässige Doppelabrechnung darstellen.
Eine Erhöhung des Steigerungssatzes über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus lässt sich durch besondere anatomische Schwierigkeiten oder einen erhöhten Zeitaufwand begründen. Typische Gründe sind ausgeprägte Vernarbungen nach Voroperationen, eine komplexe Fragmentierung des Kahnbeins oder erhebliche Durchblutungsstörungen des Knochens. Diese Erschwernisse müssen in der Rechnung patientenindividuell und detailliert dokumentiert werden.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich