Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2292 erfordert Präzision. Erfahren Sie alles über Voraussetzungen, Kombinationen mit Wirbelsäuleneingriffen und typische Fehler.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2292
Eröffnung von Brust- oder Bauchhöhle bei vorderem Zugang, nur im Zusammenhang mit Leistungen nach den Nummern 2285, 2286, 2287, 2332 und 2333
Diese Gebührenziffer beschreibt die operative Eröffnung der Brust- oder Bauchhöhle über einen vorderen Zugang. Sie dient als vorbereitender Schritt, um die Wirbelsäule für komplexe chirurgische Eingriffe von ventral her zugänglich zu machen. Die Leistung umfasst die Präparation durch die anatomischen Schichten und die Darstellung des Operationsgebietes unter Schonung der umliegenden Organe und Gefäße bei großen Wirbelsäuleneingriffen.
GOÄ 2292 in der Praxis: Indikationen und vorderer Zugang
Der vordere Zugang zur Wirbelsäule wird gewählt, wenn eine dorsale Instrumentierung anatomisch oder mechanisch nicht ausreicht. Typische Indikationen sind die ventrale Spondylodese, der Wirbelkörperersatz oder die Korrektur ausgeprägter Deformitäten. Die Eröffnung der Höhle erfordert eine hohe chirurgische Präzision, um Verletzungen von Pleura, Peritoneum oder großen Leitungsbahnen zu vermeiden. Daher ist die Abrechnung über die GOÄ 2292 bei diesen komplexen Indikationen mit einem thorako-abdominalen Zugang medizinisch vollumfänglich begründet.
Tipp: Wenn der Zugang von einem separaten Operateur, beispielsweise einem Viszeral- oder Thoraxchirurgen, durchgeführt wird, kann dieser die GOÄ 2292 eigenständig abrechnen, während der Orthopäde die eigentliche Wirbelsäulenleistung ansetzt.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2292
Fallbeispiel 1: Ventrale Spondylodese der Lendenwirbelsäule
Ein Patient stellt sich mit einer fortgeschrittenen Spondylolisthese vor. Zur Durchführung einer ventralen Spondylodese (GOÄ 2285) erfolgt der Zugang über eine mediane Laparotomie. Die Eröffnung der Bauchhöhle wird mit der GOÄ 2292 liquidiert.
Fallbeispiel 2: Thorakaler Wirbelkörperersatz bei Tumor
Bei einer pathologischen Fraktur im Brustwirbelbereich wird ein Wirbelkörperersatz (GOÄ 2332) notwendig. Der Zugang erfolgt transthorakal durch Eröffnung der Brusthöhle. Neben der Hauptleistung wird die GOÄ 2292 für den Zugang berechnet.
Fallbeispiel 3: Mehretagige Skoliosekorrektur
Zur Korrektur einer rigiden thorakolumbalen Skoliose erfolgt ein kombinierter thorako-phreniko-retroperitonealer Zugang. Die komplexe Eröffnung beider Höhlen zur Vorbereitung der Osteosynthese (GOÄ 2333) rechtfertigt den Ansatz der GOÄ 2292 für die Skoliosekorrektur.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2292: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Abrechnung der GOÄ 2292 als solitäre Leistung ohne eine der im Text genannten Hauptleistungen. Private Krankenversicherungen prüfen zudem genau, ob unzulässige Ausschlussziffern wie die 2990 (Thorakotomie) oder die 3135 (Laparotomie) nebeneinander auf der Rechnung stehen. Diese Ziffern sind als selbstständige Leistung definiert und dürfen bei einem kombinierten Eingriff nicht zusätzlich zur GOÄ 2292 berechnet werden.
Achtung: Die GOÄ 2292 darf niemals als solitäre Leistung abgerechnet werden. Sie ist zwingend an die Durchführung einer der im Leistungstext genannten knochenchirurgischen Hauptleistungen gebunden.
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Dokumentation der GOÄ 2292: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation im OP-Bericht ist essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. Es muss detailliert beschrieben werden, wie die Eröffnung der jeweiligen Höhle durchgeführt wurde und welche anatomischen Strukturen dargestellt wurden. Auch der schichtweise Verschluss und die Verknüpfung zum nachfolgenden Wirbelsäuleneingriff müssen klar aus der Akte hervorgehen, um den Zugangsweg zweifelsfrei zu belegen.
Dokumentation: Vorderer retroperitonealer Zugang zur Lendenwirbelsäule (L3/L4) nach medianer Laparotomie. Darstellung und Mobilisierung der großen Gefäße zur Vorbereitung der Spondylodese nach GOÄ 2285. Schichtweiser Verschluss der Bauchhöhle.
GOÄ 2292: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad kann den Ansatz eines höheren Steigerungssatzes (bis 3,5-fach) rechtfertigen. Typische Begründungen sind ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen, anatomische Varianten der großen Gefäße oder eine ausgeprägte Adipositas des Patienten, die den Zugang erheblich erschweren.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 2292 wird regelhaft mit den im Legendentext genannten Kombinationsleistungen wie der GOÄ 2285 (Spondylodese) oder GOÄ 2332 (Osteosynthese) kombiniert. Hinzu kommen meist Ziffern für die Anästhesie, die postoperative Überwachung sowie gegebenenfalls Ziffern für das intraoperative Neuromonitoring.
Ziffer 2292 in der neuen GOÄ
Eröffnung von Brust- oder Bauchhöhle bei vorderem Zugang, nur im Zusammenhang mit Leistungen nach den Nummern 2285, 2286, 2287, 2332 und 2333 (heute 2,3-fach: 148,81 €) wird zur Nummer 8517 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 8515 für einen zusätzlichen ventralen Zugan" (bei: Zuschlag zu Nummer 8515) — fester Satz 458,03 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2292
Was hat nicht gestimmt?