Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ 2999 (Pneumonektomie mit intraperikardialer Gefäßversorgung): Indikationen, Fallbeispiele und Tipps zur Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2999
Pneumonektomie mit intraperikardialer Gefäßversorgung und/oder Ausräumung mediastinaler Lymphknoten
Die GOÄ-Ziffer 2999 beschreibt eine der komplexesten Operationen im Bereich der Thoraxchirurgie. Sie umfasst die vollständige Entfernung eines Lungenflügels (Pneumonektomie), kombiniert mit einer intraperikardialen Versorgung der großen Gefäße oder einer systematischen Ausräumung der mediastinalen Lymphknoten. Diese Prozedur erfordert ein hohes Maß an chirurgischer Präzision und stellt ein lebensrettendes Verfahren bei fortgeschrittenen onkologischen Erkrankungen dar.
Im Gegensatz zur einfachen Pneumonektomie ist hier der chirurgische Zugang zum Herzbeutel (Perikard) oder die radikale Lymphadenektomie obligater Bestandteil. Die Ziffer bildet somit den deutlich erhöhten zeitlichen und technischen Aufwand ab, der durch die anatomische Nähe zu den großen Gefäßstämmen entsteht.
GOÄ 2999 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Die Abrechnung der GOÄ 2999 ist primär in der onkologischen Thoraxchirurgie angesiedelt. Typische Indikation ist das fortgeschrittene nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC), welches zentral wächst und die Hauptgefäße oder das Perikard infiltriert. In solchen Fällen reicht eine einfache anatomische Resektion nicht aus, um R0-Resektionsgrenzen zu erreichen.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die chirurgische Sanierung bei ausgedehnten zentralen Lungentumoren, die eine intraperikardiale Präparation der Pulmonalarterie oder der Pulmonalvenen erzwingen. Auch bei einer massiven mediastinalen Metastasierung, die eine systematische, radikale Lymphadenektomie erfordert, ist diese Ziffer das adäquate Abbildungsinstrument.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2999
Fallbeispiel 1: Zentrales Bronchialkarzinom mit Perikard-Infiltration
Ein Patient stellt sich mit einem zentralen Plattenepithelkarzinom des linken Lungenflügels vor. Aufgrund der Tumorgröße und der Infiltration des Herzbeutels erfolgt eine linksseitige Pneumonektomie mit Eröffnung des Perikards zur sicheren intraperikardialen Gefäßunterbindung. Die Abrechnung erfolgt korrekt nach GOÄ-Ziffer 2999 zum Regelsatz, da die intraperikardiale Versorgung den Leistungsinhalt vollständig erfüllt.
Fallbeispiel 2: Radikale mediastinale Lymphadenektomie
Bei einem Patienten mit einem zentralen Adenokarzinom rechts wird eine Pneumonektomie durchgeführt. Zur Sicherung der Tumorfreiheit erfolgt eine systematische, radikale mediastinale Lymphknotenausräumung der Stationen 2R, 4R, 7, 8 und 9. Da die Lymphknotendissektion integraler Bestandteil der GOÄ 2999 ist, wird diese Ziffer anstelle der einfachen Pneumonektomie gewählt.
Fallbeispiel 3: Komplexe Rezidivoperation
Nach einer früheren Lobektomie kommt es zu einem zentralen Rezidiv, das eine Rest-Pneumonektomie erforderlich macht. Aufgrund starker Verwachsungen muss die Versorgung der Pulmonalgefäße intraperikardial durchgeführt werden. Neben dem erhöhten Schwierigkeitsgrad, der über den Steigerungsfaktor abgebildet wird, ist die GOÄ 2999 hier die korrekte Primärziffer.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2999: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von einfacheren Resektionsleistungen. Die GOÄ-Ziffern 2994 (Lobektomie), 2995 (Bilobektomie) und 2996 (Pneumonektomie) sind durch den Abrechnungsausschluss explizit neben der GOÄ 2999 gesperrt. Private Krankenversicherungen kürzen solche Rechnungen umgehend.
Achtung: Die systematische Lymphknotenpräparation darf nicht zusätzlich über allgemeine Lymphknotenexzisionsziffern abgerechnet werden. Der Leistungstext der GOÄ 2999 schließt die Ausräumung mediastinaler Lymphknoten bereits als integralen Bestandteil ein.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig, wenn die medizinische Notwendigkeit der intraperikardialen Präparation oder der Lymphadenektomie nicht klar aus dem Operationsbericht hervorgeht. Eine bloße Erwähnung im OP-Bericht ohne detaillierte Beschreibung der präparierten Strukturen reicht oft nicht aus, um Erstattungsansprüche durchzusetzen.
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Dokumentation der GOÄ 2999: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die präparatorischen Einzelschritte präzise beschreiben. Insbesondere die Eröffnung des Perikards, die Darstellung der intraperikardialen Gefäßabschnitte und die exakte Benennung der ausgeräumten Lymphknotenstationen sind unverzichtbar.
Dokumentation: "...Nach posterolateraler Thorakotomie und Darstellung des Hilus zeigt sich eine Tumorinfiltration des Perikards. Eröffnung des Herzbeutels und intraperikardiale Anschlingung sowie Ligatur der linken Vena pulmonalis superior. Anschließend systematische mediastinale Lymphadenektomie der Stationen 7, 8 und 9..."
Auch die histopathologische Aufarbeitung der entnommenen Lymphknoten sollte als Beleg in der Patientenakte archiviert werden. Dies dient als objektiver Nachweis für die erbrachte mediastinale Lymphknotenausräumung im Falle einer nachträglichen Prüfung durch den Medizinischen Dienst oder private Versicherer.
Tipp: Verwenden Sie standardisierte OP-Bericht-Vorlagen für thoraxchirurgische Eingriffe, die standardmäßig Felder für die Dokumentation der Lymphknotenstationen und der perikardialen Verhältnisse enthalten.
GOÄ 2999: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der Komplexität des Eingriffs kann der Schwellenwert von 2,3-fach häufig überschritten werden. Ein erhöhter Steigerungsfaktor (bis zum 3,5-fachen Satz) ist insbesondere bei ausgeprägten pleuralen Verwachsungen, Zustand nach neoadjuvanter Radiochemotherapie oder anatomischen Varianten gerechtfertigt. Diese Erschwerungsgründe müssen im OP-Bericht und auf der Rechnung detailliert und patientenindividuell begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
Erlaubt und medizinisch sinnvoll ist die Kombination mit Ziffern für die Anästhesie, das intraoperative Monitoring (z. B. GOÄ 602 für die Pulmonalarterienkatheterisierung) sowie postoperative intensivmedizinische Leistungen. Nicht kombiniert werden dürfen hingegen operative Teilschritte, die als Zuarbeit oder integraler Bestandteil der Hauptleistung anzusehen sind.
Ziffer 2999 in der neuen GOÄ
Die neue GOÄ löst Ziffer 2999 (Pneumonektomie mit intraperikardialer Gefäßversorgung und/oder Ausräumung mediastinaler Lymphknoten) auf: An die Stelle der einen Ziffer treten mehrere Positionen, je nach Methode oder Befund. Bisheriger 2,3-facher Satz: 750,74 €.
- bei offen chirurgisch: 9358 „Offen chirurgische Pneumonektomie, ggf. einschließlich -Bronchusstumpfverschluss mit Pleura- oder Muskellappen -Adhäsiolyse -Thoraxdrainage(n)" (919,82 €)
- bei thorakoskopisch: 9361 „Thorakoskopische Pneumonektomie, einschließlich Bronchusstumpfverschluss mit Pleura- oder Muskellappen, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Thoraxdrainage(n)" (824,19 €)
Die Bandbreite reicht von 824,19 € bis 919,82 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2999
Was hat nicht gestimmt?