GOÄ 2998: Bilobektomie korrekt abrechnen – Tipps & Beispiele

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2998
Bilobektomie
Punktzahl 4800  
Einfachsatz 279,78 € 1,0x
Regelhöchstsatz 643,49 € 2,3x
Höchstsatz 979,23 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur Abrechnung der Bilobektomie nach GOÄ 2998: Erfahren Sie alles über anatomische Besonderheiten, Ausschlüsse und rechtssichere Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2998

GOÄ 2998: Bilobektomie (Entfernung von zwei Lungenlappen) - 4800 Punkte.

Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 2998 umfasst die vollständige operative Resektion von genau zwei Lungenlappen. Diese komplexe thoraxchirurgische Intervention erfordert die Präparation und Versorgung der entsprechenden Segmentbronchien, Segmentarterien und Segmentvenen. Die anatomische Rekonstruktion und die anschließende Einlage von Thoraxdrainagen sind ebenfalls Bestandteil dieser Leistung.

Da es sich um eine hochkomplexe chirurgische Leistung handelt, sind vorbereitende und nachbereitende Standardmaßnahmen wie die Eröffnung und der Verschluss des Thorax (Thorakotomie) bereits in der Gebühr enthalten. Eine gesonderte Abrechnung des operativen Zugangs ist daher nicht zulässig.

GOÄ 2998 in der Praxis: Anatomische Besonderheiten und Indikationen

Die Indikation zur Bilobektomie ist meist durch fortgeschrittene maligne Prozesse wie das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) gegeben, wenn der Tumor die Lappengrenzen überschreitet. Auch schwere chronisch-entzündliche Prozesse oder ausgedehnte Gewebezerstörungen können diesen Eingriff notwendig machen.

Aus anatomischer Sicht ist die Bilobektomie im Normalfall ausschließlich am rechten Lungenflügel durchführbar, da nur dieser über drei Lappen (Ober-, Mittel- und Unterlappen) verfügt. Eine Entfernung von zwei Lappen links entspricht de facto einer vollständigen Entfernung des linken Lungenflügels. In diesem Fall ist die Pneumektomie nach GOÄ 2999 abzurechnen.

Achtung: Bei einer anatomischen Normvariante (z. B. dreilappige linke Lunge) muss die Besonderheit bei der Abrechnung einer linksseitigen Bilobektomie explizit begründet werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2998

Fallbeispiel 1: Bilobektomie rechts bei zentralem Bronchialkarzinom

Ein Patient stellt sich mit einem zentral sitzenden Bronchialkarzinom vor, welches den rechten Ober- und Mittellappen infiltriert. Es erfolgt die anterolaterale Thorakotomie, die Präparation der Gefäße und Bronchien sowie die vollständige Entfernung beider Lappen. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2998 zum Regelsatz (2,3-fach).

Fallbeispiel 2: Erschwerte Präparation bei Zustand nach Radiotherapie

Bei einem Patienten mit einem Rezidivtumor im rechten Mittel- und Unterlappen liegt ein Zustand nach neoadjuvanter Radiochemotherapie vor. Die massiven Verwachsungen im Hilusbereich erfordern eine zeitaufwendige, mikrochirurgische Präparation. Neben der GOÄ-Ziffer 2998 wird ein erhöhter Steigerungssatz von 3,5-fach mit der Begründung des extremen Zeitaufwands angewendet.

Fallbeispiel 3: Bilobektomie mit systematischer Lymphadenektomie

Im Rahmen einer rechtsseitigen Bilobektomie (Ober- und Mittellappen) wird eine systematische mediastinale Lymphknotendissektion durchgeführt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2998 für die Resektion der Lappen. Die systematische Lymphadenektomie wird zusätzlich über die entsprechende Ziffer für die Lymphknotenexstirpation (z. B. GOÄ 2253) liquidiert, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2998: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von Ziffern, die explizit ausgeschlossen sind. Die GOÄ-Ziffer 2998 darf nicht neben den Ziffern 2994 (Segmentresektion), 2995 (Keilresektion), 2996 (Lobektomie), 2997 (Erweiterte Lobektomie) und 2999 (Pneumektomie) am selben Lungenflügel abgerechnet werden. Diese Leistungen sind als Zielleistungskonkurrenz anzusehen.

Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist die Abrechnung einer Bilobektomie auf der linken Seite. Da die linke Lunge physiologisch nur zwei Lappen besitzt, vermuten Prüfstellen hier oft einen Codierfehler. Ohne den Nachweis einer anatomischen Anomalie wird eine linksseitige Bilobektomie regelmäßig als Pneumektomie eingestuft oder komplett zurückgewiesen.

Tipp: Sollte eine anatomische Variante vorliegen, die eine echte Bilobektomie links ermöglicht, muss dies im Operationsbericht und auf der Rechnung unmissverständlich dargelegt werden.

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Dokumentation der GOÄ 2998: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die genaue Lokalisation, die Darstellung der anatomischen Strukturen sowie die schrittweise Absetzung der Bronchien und Gefäße beschreiben. Auch die histologische Sicherung des entnommenen Gewebes stützt die Abrechnungsbegründung nachhaltig.

Besondere Erschwernisse, wie starke Verwachsungen, anatomische Varianten oder ein hoher Blutverlust, müssen quantifiziert und zeitlich dokumentiert werden. Dies liefert die notwendige Argumentationsbasis für eine eventuelle Schwellenwertüberschreitung.

Dokumentationsbeispiel: Anterolaterale Thorakotomie rechts im 5. ICR. Darstellung des Hilus. Aufgrund der Tumorausdehnung Indikation zur Bilobektomie von Ober- und Mittellappen. Einzelne Präparation und Ligatur der Arteriae und Venae lobares superiores und mediae. Absetzung der Bronchien mittels Klammernahtgerät. Vollständige Bergung des Präparats. Einlage von zwei Thoraxdrainagen, schichtweiser Verschluss.

GOÄ 2998: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Überschreitung des 2,3-fachen Regelsatzes bis zum 3,5-fachen Höchstsatz erfordert eine patientenbezogene Begründung. Typische Begründungen für eine Faktorerhöhung bei der GOÄ 2998 sind ausgeprägte Pleuraadhäsionen, ein Zustand nach Vorbestrahlung, anatomische Besonderheiten oder ein erhöhtes Blutungsrisiko bei adipösen Patienten.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der Hauptleistung GOÄ 2998 können begleitende selbstständige Leistungen berechnet werden. Hierzu gehören die Bronchoskopie (GOÄ 685) zur präoperativen Orientierung, die Anlage eines Periduralkatheters zur Schmerztherapie (GOÄ 475) sowie postoperative intensivmedizinische Überwachungsleistungen. Die postoperative Röntgenkontrolle des Thorax ist ebenfalls separat berechenbar.

Ziffer 2998 in der neuen GOÄ

Ziffer 2998 (Bilobektomie) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 643,49 €.

  • bei offen chirurgisch: 9351 „Offen chirurgische Bilobektomie der Lunge, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Thoraxdrainage(n)" (1.051,92 €)
  • bei thorakoskopisch: 9355 „Thorakoskopische Bilobektomie der Lunge, ggf. einschließlich -Adhäsiolyse -Thoraxdrainage(n)" (974,99 €)

Die Bandbreite reicht von 974,99 € bis 1.051,92 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2998

Die GOÄ-Ziffer 2998 wird für die operative Entfernung von genau zwei Lungenlappen (Bilobektomie) berechnet. Dies erfolgt meist bei malignen Lungentumoren, die sich über zwei Lappen erstrecken. Die Leistung umfasst den gesamten Eingriff inklusive des operativen Zugangs.
Im Regelfall kann die GOÄ 2998 nur für den rechten Lungenflügel berechnet werden, da die linke Lunge anatomisch nur zwei Lappen besitzt. Eine Entfernung beider Lappen links entspricht einer Pneumektomie nach GOÄ 2999. Ausnahmen bestehen nur bei seltenen anatomischen Normvarianten.
Neben der GOÄ-Ziffer 2998 dürfen die Ziffern 2994 bis 2997 sowie die Ziffer 2999 für denselben Lungenflügel nicht abgerechnet werden. Diese Ausschlüsse verhindern eine unzulässige Doppelabrechnung von Teilresektionen. Andere selbstständige Leistungen wie die Bronchoskopie sind jedoch kombinierbar.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz wird mit patientenindividuellen Erschwernissen wie massiven Pleuraadhäsionen oder einem Zustand nach Radiotherapie begründet. Auch anatomische Besonderheiten oder ein extrem hoher Zeitaufwand rechtfertigen eine Erhöhung. Die Begründung muss konkret und nachvollziehbar in der Rechnung formuliert sein.
Nein, die Thorakotomie als operativer Zugangsweg ist bereits in der GOÄ-Ziffer 2998 enthalten und darf nicht gesondert berechnet werden. Dies entspricht dem gebührenrechtlichen Zielleistungsprinzip. Lediglich zusätzliche, eigenständige Eingriffe sind separat liquidierbar.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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