Der Zuschlag GOÄ 402 vergütet den Mehraufwand bei transösophagealen Ultraschalluntersuchungen. Erfahren Sie, wie Sie typische Abrechnungsfehler vermeiden.
1. Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 402
Zuschlag zu den sonographischen Leistungen bei transösophagealer Untersuchung (250 Punkte)
Die GOÄ-Ziffer 402 ist ein bewerteter Zuschlag, der den besonderen zeitlichen und technischen Aufwand einer Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre honoriert. Diese Leistung wird primär in der Kardiologie und Gastroenterologie angewendet, wenn eine herkömmliche Schallkopfplatzierung auf der Hautoberfläche keine ausreichende diagnostische Aussagekraft liefert. Die Einführung der Sonde ist in dieser Ziffer bereits vollständig enthalten und darf nicht separat berechnet werden.
2. GOÄ 402 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die häufigste klinische Anwendung der GOÄ-Ziffer 402 liegt im Bereich der transösophagealen Echokardiographie (TEE). Aufgrund der anatomischen Nähe der Speiseröhre zum Herzen ermöglicht dieser Zugangsweg eine hochauflösende Darstellung der kardialen Strukturen ohne störende Überlagerungen durch Rippen oder Lungengewebe. Typische Indikationen umfassen den Ausschluss von kardialen Emboliequellen, die Beurteilung von Herzklappenfehlern oder den Verdacht auf eine Endokarditis.
Achtung: Die Einführung der Ultraschallsonde darf nicht über endoskopische Ziffern wie die GOÄ 680 (Ösophagoskopie) oder analog über die GOÄ 679 abgerechnet werden. Diese Verrichtung ist mit dem Zuschlag nach GOÄ 402 abgegolten.
3. Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 402
Fallbeispiel 1: Ausschluss einer kardialen Emboliequelle
Bei einem Patienten mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern soll vor einer geplanten Kardioversion ein Thrombus im linken Vorhofohr ausgeschlossen werden. Es erfolgt eine transösophageale Echokardiographie. Die Abrechnung erfolgt über die Kombination der zugrundeliegenden Ultraschallleistung (z. B. GOÄ 423) und dem Zuschlag GOÄ 402 für den transösophagealen Zugangsweg.
Fallbeispiel 2: Beurteilung einer Mitralklappeninsuffizienz
Zur exakten Graduierung und OP-Planung einer bekannten Mitralklappeninsuffizienz wird eine TEE durchgeführt. Mittels Farbdoppler-Echokardiographie wird der Regurgitationsjet exakt vermessen. Neben der GOÄ 424 für die Doppler-Untersuchung wird der Zuschlag GOÄ 402 für die transösophageale Durchführung angesetzt.
Fallbeispiel 3: Verdacht auf infektiöse Endokarditis
Bei einem Patienten mit unklarem Fieber und einem künstlichen Klappenersatz besteht der dringende Verdacht auf eine Endokarditis. Die transthorakale Echokardiographie liefert keinen sicheren Befund. Die daraufhin durchgeführte TEE sichert die Diagnose. Abgerechnet werden die echokardiographischen Leistungen zusammen mit dem Zuschlag GOÄ 402.
4. Häufige Fehler bei der GOÄ 402: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die gleichzeitige Ansetzung der GOÄ-Ziffer 403 (Zuschlag für transkavitäre Untersuchung). Da die transösophageale Untersuchung eine spezielle, höher bewertete Form der transkavitären Beschallung darstellt, schließt die GOÄ 402 die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 403 explizit aus. Auch die Abrechnung von endoskopischen Leistungen aus dem Bereich der Ziffern 676 bis 692 am selben Tag führt regelmäßig zu Beanstandungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Tipp: Achten Sie darauf, dass der Zuschlag GOÄ 402 in der Rechnung direkt der erbrachten Ultraschall-Hauptleistung (z. B. GOÄ 423 oder GOÄ 424) zugeordnet wird, um automatisierte Ablehnungen der Erstattungsstellen zu vermeiden.
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5. Dokumentation der GOÄ 402: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen zu verhindern. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation für den transösophagealen Zugangsweg, der Ablauf der Sondeneinführung sowie die detaillierten Untersuchungsergebnisse dokumentiert werden. Auch eventuell aufgetretene Schwierigkeiten bei der Passage des Rachenraums sollten vermerkt werden.
Dokumentationsbeispiel: Indikation zur TEE: Ausschluss von Thromben im LAA bei absolutem Arrhythmie-Vorhofflimmern. Lokalanästhesie des Rachens mit Xylocain-Spray. Problemlose Einführung der TEE-Sonde unter Sicht. Echokardiographische Beurteilung des linken Vorhofohrs ohne Nachweis von Thromben. Keine Komplikationen bei Sondenentfernung.
6. GOÄ 402: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Zuschlag GOÄ 402 kann bei Vorliegen erschwerender Faktoren über den Regelsatz von 1,8 gesteigert werden. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 2,5 ist beispielsweise bei ausgeprägtem Würgereiz des Patienten, anatomischen Engpässen im Bereich des Hypopharynx oder bei unruhigen Patienten unter Sedierung begründbar.
Typische Ziffernkombinationen
Der Zuschlag wird regelhaft mit den echokardiographischen Kernleistungen kombiniert. Dazu gehören insbesondere die GOÄ 423 (Real-Time-Echokardiographie) und die GOÄ 424 (Doppler-Echokardiographie). Der Zuschlag darf pro Sitzung nur einmal berechnet werden, selbst wenn mehrere Ultraschallleistungen nebeneinander erbracht werden.
Ziffer 402 in der neuen GOÄ
Der Zuschlag für transösophageale Sonographie (bisher zu den Echokardiographie-Leistungen 423 und 424) geht in der neuen GOÄ vollständig in der Komplexleistung 1304 — „Transösophageale farbkodierte Doppler-Echokardiographie" — auf. Der feste Satz beträgt 128,59 € (heute: alt-2,3-facher Satz der 402 war 26,23 €). Die bisherige Kombination aus Basisziffern 423/424 und Zuschlag 402 wird durch die eigenständige neue Komplexleistung ersetzt; eine separate Berechnung des transösophagealen Zuschlags entfällt vollständig.
\nStand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 402
Was hat nicht gestimmt?