Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 686: Erfahren Sie alles über Indikationen, typische Fehler, Ausschlüsse und die rechtssichere Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 686
Duodenoskopie mit Sondierung der Papilla Vateri zwecks Einbringung von Kontrastmittel und/oder Entnahme von Sekret – gegebenenfalls einschließlich Probeexzision und/oder Probepunktion –
Die GOÄ-Ziffer 686 beschreibt eine hochspezialisierte endoskopische Leistung aus dem Bereich der Inneren Medizin. Sie umfasst die vollständige Spiegelung des Zwölffingerdarms (Duodenum) sowie das gezielte Aufsuchen und Sondieren der Papilla Vateri (Papilla duodeni major). Diese anatomische Struktur stellt die gemeinsame Mündungsstelle des Hauptgallenganges und des Bauchspeicheldrüsenganges dar.
Ziel der Maßnahme ist das Einbringen von Kontrastmittel für radiologische Untersuchungen oder die Entnahme von Sekret zur weiteren Diagnostik. Eventuell anfallende Probeexzisionen oder Probepunktionen sind als fakultative Leistungsbestandteile explizit in der Ziffer enthalten. Sie dürfen daher nicht separat über andere Ziffern abgerechnet werden.
GOÄ 686 in der Praxis: Indikationen und klinischer Ablauf
Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 686 ist im klinischen Alltag eng mit der Durchführung einer endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP) verknüpft. Typische Indikationen für diese Untersuchung sind der Verdacht auf Gallengangssteine, tumoröse Stenosen oder chronisch-entzündliche Prozesse im Bereich der Gallenwege und des Pankreas. Auch die Abklärung unklarer Cholestasen erfordert häufig diese diagnostische Maßnahme.
Der Eingriff erfordert ein hohes Maß an endoskopischem Geschick, da die Sondierung der Papille anatomisch anspruchsvoll sein kann. Die Ziffer 686 deckt dabei ausschließlich den endoskopischen Teil der Gesamtleistung ab. Die radiologische Darstellung und die Kontrastmitteleinbringung müssen gesondert betrachtet werden, wobei strikte Abrechnungsausschlüsse zu beachten sind.
Tipp: Für die Anwendung moderner Videoendoskope kann unter bestimmten Voraussetzungen der Zuschlag nach Nr. 682 analog herangezogen werden, sofern die entsprechenden Abrechnungsempfehlungen erfüllt sind.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 686
Fallbeispiel 1: Diagnostische ERCP bei Verdacht auf Choledocholithiase
Ein Patient stellt sich mit schmerzlosen Ikterus und dem Verdacht auf einen Gallengangsstein vor. Es erfolgt eine Duodenoskopie mit erfolgreicher Sondierung der Papilla Vateri und Entnahme von Sekret zur zytologischen Untersuchung. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 686 zum Regelsatz (2,3-fach).
Fallbeispiel 2: Duodenoskopie mit Biopsie an der Papille
Bei einer Patientin zeigt sich sonographisch eine Raumforderung im Bereich des Pankreaskopfes. Während der Duodenoskopie wird die Papille sondiert und es werden mehrere Probeexzisionen durchgeführt. Da die Probeexzision integraler Bestandteil der Nr. 686 ist, wird nur die Ziffer 686 abgerechnet; eine zusätzliche Abrechnung von Biopsieziffern ist ausgeschlossen.
Fallbeispiel 3: Erschwerte Sondierung bei anatomischer Variante
Bei einem Patienten mit Zustand nach Billroth-II-Magenresektion gestaltet sich das Aufsuchen und Sondieren der Papille extrem schwierig und zeitaufwendig. Die Leistung nach GOÄ-Ziffer 686 wird erbracht. Aufgrund des erheblichen Mehraufwands wird die Ziffer mit dem Höchstsatz von 3,5-fach unter Angabe einer detaillierten Begründung abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 686: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ausschlusspositionen. Die GOÄ-Ziffer 686 schließt die gleichzeitige Berechnung der Nummern 315, 370, 402, 403, 684, 685 und 692 am selben Behandlungstag aus. Besonders die Kontrastmitteleinbringung nach Nr. 370 führt oft zu Konflikten, da diese laut Ausschlussliste nicht neben Nr. 686 berechnet werden darf, obwohl der Leistungstext der 686 die Einbringung erwähnt.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die zusätzliche Abrechnung von Probeexzisionen (z. B. nach Nr. 684 oder 685). Da diese Maßnahmen im Leistungstext der Nr. 686 explizit als "gegebenenfalls einschließlich" aufgeführt sind, sind sie mit der Gebühr für die Hauptleistung vollständig abgegolten. Eine Doppelabrechnung ist hier absolut unzulässig.
Achtung: Wird im Rahmen derselben Sitzung eine therapeutische Papillotomie (EPT) durchgeführt, ist statt der Nr. 686 die höher bewertete Nr. 692 anzusetzen. Beide Ziffern nebeneinander sind strikt ausgeschlossen.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 686: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen durch Prüfstellen. Im OP-Bericht beziehungsweise Endoskopieprotokoll müssen alle Teilschritte der Untersuchung detailliert festgehalten werden. Insbesondere das erfolgreiche Aufsuchen und Sondieren der Papilla Vateri muss explizit beschrieben werden.
Falls Gewebeproben entnommen wurden, sollten Ort und Anzahl der Biopsien genau dokumentiert werden, auch wenn diese nicht gesondert berechnet werden können. Dies dient dem Nachweis der medizinischen Notwendigkeit und der Vollständigkeit der erbrachten Leistung. Bei Erschwernissen, die eine Faktorerhöhung rechtfertigen, müssen die konkreten anatomischen oder pathologischen Gegebenheiten im Bericht detailliert dargelegt werden.
Dokumentation: "Duodenoskopie bis ins absteigende Duodenum. Identifikation der Papilla duodeni major. Problemlose Sondierung des Ductus choledochus mit dem Katheter. Entnahme von Sekret zur zytologischen Untersuchung. Keine Komplikationen."
GOÄ 686: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert der GOÄ-Ziffer 686 liegt beim 2,3-fachen Satz (201,09 €). Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum 3,5-fachen Höchstsatz (306,00 €) ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Typische Begründungen für eine Steigerung sind anatomische Besonderheiten wie Divertikel in Papillennähe, ausgeprägte Stenosen oder Zustand nach operativen Eingriffen am Magen-Darm-Trakt.
Auch eine extreme Unruhe des Patienten oder ein erhöhtes Blutungsrisiko können als patientenbezogene Kriterien herangezogen werden. Die Begründung muss stets individuell und nachvollziehbar in der Rechnung formuliert sein. Pauschale Formulierungen wie "erhöhter Zeitaufwand" ohne nähere Spezifikation werden von den Kostenträgern in der Regel abgelehnt.
Typische Ziffernkombinationen
Obwohl wichtige Ausschlüsse existieren, gibt es zulässige Kombinationen, die eine umfassende Abbildung des Eingriffs ermöglichen. So ist die Platzierung einer Drainage in den Gallen- oder Pankreasgang über die Ziffer 692 a gesondert berechnungsfähig. Auch die anästhesiologische Begleitung (z. B. Analgosedierung) kann über entsprechende Ziffern aus dem Abschnitt J abgerechnet werden.
Zudem können die erforderlichen radiologischen Leistungen (z. B. Durchleuchtung) von dem erbringenden Arzt zusätzlich in Ansatz gebracht werden, sofern kein direkter Ausschluss vorliegt. Die Kombination mit Laborleistungen zur Untersuchung des gewonnenen Sekrets ist ebenfalls zulässig und sichert eine vollständige Honorierung des diagnostischen Gesamtaufwands.
Ziffer 686 in der neuen GOÄ
Die Duodenoskopie mit Sondierung der Papilla Vateri zwecks Einbringung von Kontrastmittel und/oder Entnahme von Sekret – gegebenenfalls einschließlich Probeexzision und/oder Probepunktion – wird zur neuen Nummer 3217 — Festpreis 365,14 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 201,09 €). Abgerechnet wird je Sitzung.
Die neue Legende lautet: „Diagnostische retrograde Darstellung des Gallengangs und/oder des Pankreasgangs (Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie -ERCP), einschließlich Entnahme von Sekret(en), ggf. einschließlich -Biopsie(n) und/oder Bürstenzytologie -Lokalanästhesie Rachen -Pulsoxymetrie oder transkutaner Messung des Sauerstoffpartialdrucks - bis zu fünf Probeexzisionen und/oder -punktionen, je Sitzung".
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 686
Was hat nicht gestimmt?