Die Abrechnung der hohen Koloskopie nach GOÄ 687 birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles über Ausschlüsse, Steigerungsfaktoren und die korrekte Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 687
Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 687 wie folgt:
Hohe Koloskopie bis zum Coecum – gegebenenfalls einschließlich Probeexision und/oder Probepunktion –
Diese Ziffer bewertet die vollständige Spiegelung des Dickdarms. Die Untersuchung muss zwingend bis zum Coecum, also dem Blinddarm, durchgeführt werden. Im Leistungsumfang sind eventuelle Probeexzisionen oder Probepunktionen bereits enthalten und können nicht gesondert berechnet werden.
GOÄ 687 in der Praxis: Indikationen und Durchführung
Die hohe Koloskopie ist der Goldstandard in der Darmkrebsvorsorge und der Diagnostik von Erkrankungen des unteren Gastrointestinaltraktes. Typische Indikationen in der Praxis sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, unklare chronische Diarrhöen oder ein positiver okkulter Bluttest. Auch die Abklärung von abdominellen Schmerzen oder Gewichtsverlust führt häufig zur Indikation einer totalen Koloskopie.
Für eine erfolgreiche Abrechnung der GOÄ 687 ist das Erreichen des Coecums zwingend erforderlich. Wird die Untersuchung vorzeitig abgebrochen, beispielsweise aufgrund von Stenosen oder unzureichender Vorbereitung, darf diese Ziffer nicht herangezogen werden. In solchen Fällen muss auf die partielle Koloskopie nach GOÄ 688 ausgewichen werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 687
Fallbeispiel 1: Vorsorgekoloskopie ohne pathologischen Befund
Ein beschwerdefreier Patient stellt sich zur regulären Vorsorgekoloskopie vor. Das Koloskop wird unter Sicht bis zum Coecum vorgeschoben, die Schleimhaut zeigt sich unauffällig. Es werden keine Proben entnommen. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 687 zum Regelsatz (2,3-fach) sowie die entsprechende Sedierung.
Fallbeispiel 2: Koloskopie bei Verdacht auf chronisch-entzündliche Darmerkrankung
Bei einem Patienten mit chronischem Durchfall erfolgt die hohe Koloskopie bis zum Coecum. Zur feingeweblichen Sicherung entnimmt der Arzt mehrere Schleimhautbiopsien aus verschiedenen Abschnitten. Da Probeexzisionen fakultativer Bestandteil der Leistung sind, erfolgt die Abrechnung über die GOÄ 687 ohne zusätzliche Berechnung der Biopsieziffern.
Fallbeispiel 3: Koloskopie mit Polypenabtragung
Während der Untersuchung bis zum Coecum wird im Colon transversum ein gestielter Polyp entdeckt. Dieser wird mittels Hochfrequenzelektroschlinge vollständig abgetragen. In diesem Fall ist neben der GOÄ 687 zusätzlich die GOÄ-Ziffer 695 für die operative Polypenentfernung berechnungsfähig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 687: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Abrechnung der GOÄ 687 bei unvollständiger Untersuchung. Wenn das Coecum nicht erreicht wurde, ist die Abrechnung unzulässig und führt bei Prüfungen regelmäßig zur Kürzung auf die GOÄ 688. Die Dokumentation muss den Erhalt der Coecum-Strukturen zweifelsfrei belegen.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen betrifft die Nebeneinanderberechnung der Rektoskopie nach GOÄ 690. Obwohl die Ausschlussliste das Nebeneinander ausschließt, erlaubt die Kommentierung eine eigenständige Rektoskopie mittels starrem Rektoskop neben der Koloskopie. Dies muss jedoch medizinisch begründet und separat dokumentiert sein.
Achtung: Die Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) darf niemals zusätzlich mit chirurgischen Ziffern berechnet werden. Diese Maßnahme ist explizit in der Leistungslegende der GOÄ 687 enthalten und somit abgegolten.
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Dokumentation der GOÄ 687: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Untersuchungsbericht muss das Erreichen des Coecums explizit erwähnt werden. Die Beschreibung anatomischer Landmarken wie der Bauhin-Klappe (Valvula ileocaecalis) oder des Appendixostiums ist hierfür essenziell.
Zusätzlich empfiehlt sich eine digitale Bilddokumentation dieser Strukturen als visueller Nachweis. Auch die Qualität der Darmvorbereitung, beispielsweise nach der Boston Bowel Preparation Scale, sollte im Bericht festgehalten werden.
Dokumentation: Koloskop bis zum Coecum unter Sicht vorgeschoben. Inspektion der Bauhin-Klappe und des Appendixabgangs. Gute Vorbereitung (BBPS 9). Keine pathologischen Befunde im gesamten Kolon. Fotodokumentation erfolgt.
Tipp: Sollte eine terminale Ileoskopie durchgeführt werden, dokumentieren Sie den Übertritt in das terminale Ileum detailliert. Dies rechtfertigt eine Erhöhung des Steigerungsfaktors.
GOÄ 687: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert von 2,3 kann bei Vorliegen besonderer Erschwernisse überschritten werden. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungsfaktor (bis zum 3,5-fachen Satz) sind ausgeprägte Divertikulose, starke Fixierung des Darms durch postoperative Adhäsionen oder eine extrem zeitaufwendige Reinigung bei unzureichender Vorbereitung.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die hohe Koloskopie mit dem Zuschlag für Videoendoskopie nach GOÄ 682 kombiniert. Auch die Analgosedierung (z. B. nach GOÄ 451/452) sowie die Überwachung mittels Pulsoxymetrie oder EKG sind regelmäßige Bestandteile der Abrechnung. Bei interventionellen Eingriffen ist die Kombination mit der Polypektomie nach GOÄ 695 zulässig.
Ziffer 687 in der neuen GOÄ
Die Hohe Koloskopie bis zum Coecum – gegebenenfalls einschließlich Probeexision und/oder Probepunktion – wird zur neuen Nummer 3220 — Festpreis 246,04 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 201,09 €). Abgerechnet wird je Sitzung.
Die neue Legende lautet: „Totale Koloskopie bis zum Zökum, einschließlich rektal digitaler Untersuchung -Pulsoxymetrie oder transkutaner Messung des Sauerstoffpartialdrucks, - bis zu fünf Probeexzisionen, je Sitzung".
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 687
Was hat nicht gestimmt?