Die Abrechnung der Exartikulation im Ellenbogen- oder Kniegelenk nach GOÄ 2160 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Ausschlüssen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2160
Exartikulation in einem Ellenbogen- oder Kniegelenk - 1110 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 2160 beschreibt die vollständige operative Abtrennung einer Gliedmaße direkt im Gelenkspalt des Ellenbogens oder des Knies. Im Gegensatz zur Amputation erfolgt hierbei keine Durchtrennung des Knochens, sondern die Lösung der gelenkigen Verbindung. Diese anspruchsvolle chirurgische Leistung umfasst alle Teilschritte, die für die Durchführung der Exartikulation medizinisch notwendig sind.
Dazu gehören der Hautschnitt, die Darstellung und Präparation der Gelenkkapsel sowie der umliegenden Bänder und Sehnen. Auch die Unterbindung der großen Blutgefäße und die fachgerechte Kürzung der Nervenstämme zur Vermeidung von Neuromen sind in der Ziffer enthalten. Der abschließende Wundverschluss, gegebenenfalls unter Einlage von Drainagen, ist ebenfalls mit der Gebühr abgegolten.
GOÄ 2160 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Die Indikation zur Exartikulation im Ellenbogen- oder Kniegelenk stellt im klinischen Alltag eine schwerwiegende therapeutische Entscheidung dar. Typische Szenarien umfassen irreversible Gewebeschäden durch schwere Traumata, bei denen eine Rekonstruktion der Extremität unmöglich ist. Auch fortgeschrittene maligne Tumoren der Knochen oder Weichteile, die keine extremitätenerhaltende Resektion erlauben, erfordern diesen Eingriff.
Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet sind chronische, therapieresistente Infektionen wie eine ausgeprägte Osteomyelitis oder eine fulminante Gasbrandinfektion. Bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen mit ausgedehnter Gangrän kann die Exartikulation im Kniegelenk eine lebensrettende Maßnahme sein. Die Abgrenzung zu transkondylären Amputationen ist essenziell, da letztere knöcherne Durchtrennungen erfordern und anders bewertet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2160
Fallbeispiel 1: Knieexartikulation bei pAVK im Stadium IV
Ein Patient stellt sich mit einer fortgeschrittenen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und einer feuchten Gangrän des Unterschenkels vor. Da rekonstruktive Gefäßeingriffe erfolglos blieben, erfolgt die Knieexartikulation zur Vermeidung einer Sepsis. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2160 zum 2,3-fachen Satz, da der Eingriff ohne außergewöhnliche Komplikationen verläuft.
Fallbeispiel 2: Ellenbogenexartikulation nach schwerem Trauma
Nach einem schweren industriellen Maschinenunfall zeigt sich eine subtotale Amputation des Unterarms mit massiver Trümmerung der Weichteile und Knochen. Eine Replantation ist medizinisch ausgeschlossen, weshalb die Exartikulation im Ellenbogengelenk durchgeführt wird. Aufgrund der komplexen anatomischen Rekonstruktion der Weichteile zur Stumpfbildung wird ein erhöhter Steigerungsfaktor von 3,5 gewählt.
Fallbeispiel 3: Knieexartikulation bei malignem Weichteilsarkom
Bei einem Patienten mit einem rezidivierenden, tief sitzenden Weichteilsarkom des proximalen Unterschenkels ist eine R0-Resektion nur durch eine Exartikulation im Kniegelenk möglich. Der Eingriff wird planmäßig durchgeführt und die Wunde primär verschlossen. Neben der GOÄ 2160 werden die Anästhesieleistungen und die postoperative Überwachung gesondert in Rechnung gestellt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2160: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Berechnung von Teilschritten, die bereits in der Hauptleistung enthalten sind. Insbesondere die Gelenkeröffnung (Arthrotomie) nach den Ziffern 2102 oder 2104 darf nicht separat liquidiert werden. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen diese Abrechnungsausschlüsse sehr konsequent und streichen unzulässige Doppelnennungen.
Zudem ist die Abgrenzung zu reinen Amputationen wichtig. Wird der Knochen oberhalb des Gelenks durchtrennt, ist die GOÄ 2160 nicht anwendbar, sondern die entsprechende Amputationsziffer zu wählen. Auch die Synovektomie nach Ziffer 2124 ist im Rahmen derselben Sitzung am selben Gelenk nicht neben der Exartikulation berechenbar.
Achtung: Die Ziffern für die operative Versorgung von Knochenbrüchen oder Gelenkbandrekonstruktionen im selben Operationsgebiet sind am selben Tag ausgeschlossen. Prüfen Sie vor der Rechnungsstellung genau, ob kollidierende Ziffern auf der Liquidation stehen.
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Dokumentation der GOÄ 2160: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise OP-Dokumentation ist das beste Mittel, um Honorarkürzungen durch Kostenträger abzuwenden. Der Operationsbericht muss die medizinische Notwendigkeit der Exartikulation zweifelsfrei darlegen. Es empfiehlt sich, die genauen anatomischen Schritte wie die Präparation der Gelenkkapsel und die Durchtrennung der Haltebänder detailliert zu beschreiben.
Auch die Versorgung der großen Gefäß-Nerven-Stränge muss dokumentiert werden. Die Erwähnung der Ligatur der Arteria und Vena poplitea sowie die Kürzung des Nervus tibialis sichern die Plausibilität des Eingriffs. Ein standardisierter Dokumentationsbaustein erleichtert den Praxisalltag erheblich.
Dokumentation: Nach Hautschnitt und Darstellung des Kniegelenks erfolgt die schrittweise Durchtrennung des Kapsel-Band-Apparates. Vollständige Exartikulation im Kniegelenk unter Schonung der Patellarsehne für die Stumpfdeckung. Ligatur der A. und V. poplitea, Kürzung des N. ischiadicus unter leichter Traktion. Primärer Wundverschluss nach Einlegen einer Redon-Drainage.
GOÄ 2160: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus erfordert eine patientenindividuelle, medizinische Begründung. Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad kann durch ausgeprägte Verwachsungen oder Vernarbungen infolge von Voroperationen begründet werden. Auch eine starke Adipositas permagna, die den operativen Zugang erheblich erschwert, rechtfertigt einen höheren Steigerungsfaktor.
Weitere anerkannte Gründe sind ein unvorhergesehen hoher Blutverlust, der zeitaufwendige Blutstillungsmaßnahmen erfordert, oder das Vorliegen einer floriden, septischen Infektion im Operationsgebiet. Die Begründung muss auf der Rechnung verständlich und nachvollziehbar formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Leistung nach GOÄ 2160 können begleitende Maßnahmen abgerechnet werden, sofern sie nicht den Ausschlüssen unterliegen. Hierzu gehören die Anästhesieleistungen sowie die postoperative Überwachung. Auch die postoperative Schmerztherapie mittels Katheterverfahren ist unter Beachtung der GOÄ-Regeln separat berechenbar.
Tipp: Achten Sie darauf, dass Verbrauchsmaterialien wie spezielle Gefäßclips, Nahtmaterialien oder Drainagesysteme gemäß Paragraph 10 GOÄ als Sachkosten gesondert ausgewiesen werden, um keinen Honorarverlust zu erleiden.
Ziffer 2160 in der neuen GOÄ
Die neue GOÄ löst die bisherige Ziffer 2160 in mehrere spezifische Leistungen auf — welche zutrifft, hängt von der Art des Eingriffs ab:
- 7703 „Exartikulation in einem Ellenbogengelenk, einschließlich - plastischer Deckung mit den …“ – bei: Exartikulation im Ellenbogengelenk (728,31 €)
- 7705 „Exartikulation in einem Kniegelenk, einschließlich - plastischer Deckung mit den …“ – bei: Exartikulation im Kniegelenk (796,69 €)
Heute bringt die 2160 beim 2,3-fachen Satz 148,81 €. Die Spanne reicht von 728,31 € bis 796,69 € — die Dokumentation entscheidet, welche Ziffer ansetzbar ist.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2160
Was hat nicht gestimmt?