Die Abrechnung der interstitiellen Brachytherapie nach GOÄ 5846 wirft oft Fragen auf. Unser Leitfaden zeigt die korrekte Anwendung bei der Seed-Implantation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 5846
GOÄ-Ziffer 5846: Interstitielle Brachytherapie, je Fraktion - Punktzahl: 2100
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 5846 umfasst die Durchführung einer interstitiellen Brachytherapie pro einzelner Fraktion. Bei dieser hochspezialisierten strahlentherapeutischen Methode wird die Strahlenquelle mithilfe von Applikatoren direkt und invasiv in das Tumorgewebe eingebracht. Dieser Vorgang wird in der medizinischen Fachsprache auch als Spickung bezeichnet.
Im Gegensatz zur Kontakttherapie oder der intrakavitären Brachytherapie dringt das Verfahren direkt in das Gewebe ein. Die Leistung nach Ziffer 5846 schließt ein gegebenenfalls erforderliches Nachladeverfahren (Afterloading) vollständig ein. Die Maßnahme kann je nach klinischer Indikation in Kurznarkose oder unter lokaler Betäubung durchgeführt werden.
GOÄ 5846 in der Praxis: Präzise Tumorbestrahlung von innen
In der klinischen Praxis wird die interstitielle Brachytherapie besonders häufig als Low-Dose-Rate-Brachytherapie bei lokal begrenzten Prostatakarzinomen eingesetzt. Diese Methode wird auch als Prostata-Seed-Implantation (PSI) bezeichnet. Dabei werden kleinste Strahlungsquellen dauerhaft in die Vorsteherdrüse eingebracht, um das Tumorgewebe gezielt von innen heraus zu zerstören.
Für die korrekte Abrechnung der PSI existieren klare Abrechnungsempfehlungen der Bundesärztekammer. Die Implantation von Seeds über drei Hohlnadeln wird dabei als eine Fraktion definiert und berechtigt zum einmaligen Ansatz der Ziffer 5846 analog. Die Indikation ist an spezifische klinische Parameter wie das Prostatavolumen und den PSA-Wert gebunden.
Tipp: Achten Sie darauf, dass für eine medizinisch indizierte Seed-Implantation ein PSA-Wert von unter 10 ng/ml und ein Gleason-Score von unter 7 dokumentiert sein sollten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 5846
Fallbeispiel 1: LDR-Brachytherapie der Prostata mit 24 Hohlnadeln
Ein Patient mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom erhält eine interstitielle Low-Dose-Rate-Brachytherapie. Insgesamt werden unter Ultraschallkontrolle 24 Hohlnadeln zur Platzierung der Jod-125-Seeds eingebracht. Da drei Hohlnadeln einer Fraktion entsprechen, ergeben sich rechnerisch exakt acht Fraktionen.
Die Abrechnung erfolgt durch den achtmaligen Ansatz der Ziffer 5846 analog. Zusätzlich wird die Platzierung der Hohlnadeln über die Ziffer 319 GOÄ insgesamt 24-mal in Rechnung gestellt. Die verwendeten Seeds werden als Sachkosten gesondert nachgewiesen.
Fallbeispiel 2: Seed-Implantation mit abweichender Nadelanzahl
Bei einer Prostata-Seed-Implantation werden insgesamt 20 Hohlnadeln erfolgreich platziert. Die mathematische Aufteilung durch drei ergibt sechs vollständige Fraktionen und einen Rest von zwei Hohlnadeln. Die verbleibenden zwei Nadeln lösen keine eigenständige siebte Fraktion aus.
Der Arzt rechnet daher die Ziffer 5846 analog insgesamt sechsmal ab. Der erhöhte Zeitaufwand für die zwei zusätzlichen Nadeln wird über eine Faktorerhöhung bei der sechsten Fraktion gemäß Paragraph 5 der GOÄ abgebildet. Die Punktion nach Ziffer 319 GOÄ wird 20-mal angesetzt.
Fallbeispiel 3: Interstitielles Afterloading bei gynäkologischem Rezidiv
Eine Patientin stellt sich mit einem lokalisierten vaginalen Rezidiv vor. Es erfolgt die interstitielle Einbringung von Applikationsnadeln in das Tumorbett zur Durchführung einer Afterloading-Therapie. Die Bestrahlung wird in zwei getrennten Fraktionen an unterschiedlichen Tagen durchgeführt.
Der behandelnde Arzt rechnet je Bestrahlungstag eine Fraktion nach Ziffer 5846 ab. Die invasive Einbringung der Applikatoren wird entsprechend der zugrundeliegenden operativen Ziffern separat liquidiert. Die Dokumentation weist die fraktionierte Durchführung präzise nach.
Häufige Fehler bei der GOÄ 5846: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der fehlerhaften Berechnung der Fraktionsanzahl bei der Prostata-Seed-Implantation. Private Krankenversicherungen prüfen sehr genau, ob die Höchstgrenze von acht Fraktionen pro Therapieserie überschritten wurde. Jeder analoge Ansatz über diese Grenze hinaus führt regelmäßig zu Beanstandungen und Honorarkürzungen.
Zudem ist die Ziffer 5846 laut den allgemeinen Bestimmungen nicht neben den Ziffern 5840 und 5841 berechenbar. Eine Ausnahme bildet die prä- und posttherapeutische Bestrahlungsplanung bei der PSI, die einmalig analog nach Ziffer 5840 berechnet werden darf. Hier müssen die Rechnungsbegründungen besonders rechtssicher formuliert sein.
Achtung: Die Lokalanästhesie der Harnröhre nach Ziffer 488 sowie das Einlegen eines Blasenkatheters nach Ziffer 1732 sind neben der Ziffer 319 nicht gesondert berechenbar.
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Dokumentation der GOÄ 5846: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen durch Prüfstellen. In der Patientenakte müssen die genaue Anzahl der implantierten Hohlnadeln sowie die Anzahl der Fraktionen zweifelsfrei dokumentiert werden. Auch die intraoperative Anpassung der Bestrahlungsplanung sollte schriftlich festgehalten werden.
Bei der Verwendung von abweichenden Nadelzahlen ist die Begründung für den erhöhten Zeitaufwand direkt in der Dokumentation zu verankern. Dies erleichtert die spätere Begründung der Schwellenwertüberschreitung auf der Liquidation. Nur so kann ein langwieriger Schriftwechsel mit den Kostenträgern effektiv vermieden werden.
Dokumentationsbeispiel: Interstitielle LDR-Brachytherapie der Prostata (PSI) bei lokal begrenztem Prostatakarzinom. Einbringung von insgesamt 21 Hohlnadeln unter sonographischer Kontrolle. Kontinuierlicher Abgleich mit der präoperativen Bestrahlungsplanung. Erfolgreiche Applikation von Jod-125-Seeds, entsprechend 7 Fraktionen analog GOÄ 5846.
GOÄ 5846: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes von 1,8 bis zum Höchstsatz von 2,5 ist bei schwierigen anatomischen Verhältnissen zulässig. Typische Begründungen sind eine ausgeprägte Hyperplasie der Prostata oder eine schwierige intraoperative Lagekorrektur der Hohlnadeln. Auch ein ungewöhnlich hoher Zeitaufwand beim Abgleich der Bestrahlungsplanung rechtfertigt eine Faktorerhöhung.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der analogen Ziffer 5846 wird die Platzierung der Hohlnadeln nach Ziffer 319 GOÄ je Nadel abgerechnet. Die begleitende Sonographie ist nach den Ziffern 410 und 420 GOÄ berechnungsfähig. Eine zusätzlich erforderliche Zystourethroskopie kann über die Ziffer 1787 GOÄ liquidiert werden. Die Sachkosten für die Prostata-Seeds sind gesondert auszuweisen.
Ziffer 5846 in der neuen GOÄ
Die interstitielle Brachytherapie je Fraktion (heute beim 2,3-fachen Satz: 220,32 €) wird im Entwurf nach Dosisrate aufgeteilt:
- 13628 Interstitielle HDR-Brachytherapie durch Nadeln, Applikatoren oder Kanäle, je Bestrahlungssitzung (902,54 €)
- 13630 Permanente interstitielle LDR-Brachytherapie (Seeds) durch Nadeln, Applikatoren oder Kanäle, je Bestrahlungsserie (1.593,45 €) — im Krankheitsfall für dasselbe Zielvolumen nur einmal
Die frühere Beschränkung der alten Ziffer auf bis zu acht Fraktionen wird in den neuen Positionen nicht übernommen. Welche Ziffer gilt, entscheidet die Dosisrate: HDR oder permanente LDR.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 5846
Was hat nicht gestimmt?