Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4802 erfordert Präzision bei der Dokumentation schwieriger histologischer Aufbereitungen. Erfahren Sie, wie Sie Fehler vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4802
Histologische Untersuchung und Begutachtung eines Materials mit besonders schwieriger Aufbereitung desselben (z. B. Knochen mit Entkalkung)
Die GOÄ-Ziffer 4802 beschreibt eine hochspezialisierte Leistung aus dem Bereich der pathologischen Histologie. Sie umfasst nicht nur die reine Begutachtung, sondern explizit auch die aufwendige technische Vorbereitung des Gewebes. Diese Vorbereitung unterscheidet sich maßgeblich von Standardverfahren, da das Material ohne Sonderbehandlung nicht schneidbar oder färbbar wäre.
Im Zentrum dieser Leistung steht die Überwindung technischer Barrieren bei der Gewebeaufbereitung. Typische Schritte beinhalten langwierige Entkalkungsprozesse, spezielle Einbettungsverfahren oder den Einsatz von Spezialmikrotomen. Erst nach diesen Schritten kann die eigentliche mikroskopische Beurteilung und diagnostische Einordnung durch den Pathologen erfolgen.
GOÄ 4802 in der Praxis: Herausforderungen bei schwieriger Materialaufbereitung
Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 4802 ist im klinischen Alltag an spezifische materialtechnische Voraussetzungen gebunden. Der häufigste Anwendungsfall ist die Untersuchung von Knochengewebe, das vor der Verarbeitung mittels Säuren oder Komplexbildnern entkalkt werden muss. Ohne diese Entkalkung würden die empfindlichen Mikrotommesser bei der Schnittherstellung beschädigt.
Neben Knochenbiopsien fallen auch andere kalzifizierte Gewebe unter diese Ziffer. Dazu gehören beispielsweise stark verkalkte Gefäßwände, Herzklappen oder Gewebe mit fremdkörperassoziierten Ablagerungen. Auch extrem zähes oder heterogenes Material, das eine modifizierte Einbettungstechnik erfordert, rechtfertigt den Ansatz dieser Ziffer.
Tipp: Achten Sie darauf, dass die Notwendigkeit der schwierigen Aufbereitung, wie die mehrtägige Entkalkung, im Laborbuch und im Befundbericht lückenlos dokumentiert ist.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4802
Fallbeispiel 1: Histologie einer Beckenkammbiopsie
Ein Patient stellt sich mit Verdacht auf eine systemische Knochenmarkerkrankung vor. Es erfolgt eine Beckenkammtrepanation zur Gewinnung eines soliden Knochenzylinders. Im pathologischen Labor muss dieser Zylinder über mehrere Tage hinweg chemisch entkalkt werden, bevor Dünnschnitte angefertigt werden können.
Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 4802. Da es sich um einen Knochenzylinder mit notwendiger Entkalkung handelt, ist der Tatbestand der besonders schwierigen Aufbereitung vollumfänglich erfüllt.
Fallbeispiel 2: Untersuchung einer verkalkten Herzklappe
Nach einem operativen Klappenersatz wird die native, hochgradig kalzifizierte Aortenklappe zur histopathologischen Untersuchung eingesandt. Aufgrund der massiven Kalkeinlagerungen ist eine direkte Schnittpräparation unmöglich. Das Gewebe muss einer intensiven Vorbehandlung zur Entkalkung unterzogen werden.
Auch in diesem Szenario ist der Ansatz der GOÄ-Ziffer 4802 gerechtfertigt. Die aufwendige Vorbehandlung des pathologisch veränderten Weichgewebes hebt die Leistung über das Niveau einer Standardhistologie hinaus.
Fallbeispiel 3: Exzision eines Knochenfragments bei Osteomyelitis
Bei einem Patienten mit chronischer Osteomyelitis wird ein Sequester operativ entfernt. Das entnommene Knochenfragment wird zur Bestätigung der Diagnose und zum Ausschluss einer Malignität histologisch untersucht. Auch hier erfordert das harte Gewebe eine präparative Entkalkung.
Die Abrechnung der histologischen Begutachtung erfolgt über die Ziffer 4802. Die Dokumentation weist die osteolytischen und osteosklerotischen Veränderungen sowie den Entkalkungsprozess detailliert aus.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4802: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4802 ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung mit Standardziffern. Die Ziffern 4800 und 4801 für einfache histologische Untersuchungen sind am selben Material strikt ausgeschlossen. Prüfstellen der privaten Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen filtern solche Dopplungen systematisch heraus.
Zudem ist die Abgrenzung zu den Ziffern der Zytologie (z. B. GOÄ 4810 oder 4811) zu beachten. Eine Kombination dieser Ziffern für dasselbe Untersuchungsmaterial ist unzulässig. Wenn aus einer Probe sowohl ein Ausstrich als auch ein histologisches Präparat gewonnen wird, muss die Abrechnung präzise nach den Vorgaben der Ausschlussliste erfolgen.
Achtung: Die bloße Tatsache, dass es sich um Knochengewebe handelt, reicht manchen Prüfern ohne den expliziten Nachweis der Entkalkung oder einer vergleichbar aufwendigen Methode nicht aus. Dokumentieren Sie das angewandte Verfahren präzise.
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Dokumentation der GOÄ 4802: Praxisbewährte Hinweise
Eine rechtssichere Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4802 steht und fällt mit der Qualität der medizinischen Dokumentation. Der Befundbericht muss den technischen Mehraufwand klar widerspiegeln. Es empfiehlt sich, die spezifische Methode der Vorbehandlung namentlich im Befund zu erwähnen.
Dazu gehört die Angabe des verwendeten Entkalkungsmediums sowie gegebenenfalls der Dauer des Prozesses. Auch die makroskopische Beschreibung des Ausgangsmaterials liefert wichtige Argumente für die Abrechnungsbegründung bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
Dokumentationsbeispiel:
Makroskopie: 1,5 cm langer, harter Knochenzylinder. Technischer Ablauf: Fixierung in Formalin, anschließende chemische Entkalkung mittels EDTA über 48 Stunden. Vollständige Einbettung in Paraffin. Mikroskopie und Begutachtung nach Standard- und Spezialfärbung.
GOÄ 4802: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert der GOÄ-Ziffer 4802 liegt beim 2,3-fachen Satz. Ein Überschreiten dieses Satzes bis zum 3,5-fachen Höchstsatz ist bei außergewöhnlich schwierigen Fällen möglich. Dies muss auf der Liquidation patientenbezogen begründet werden.
Gerechtfertigte Gründe für eine Steigerung sind beispielsweise eine extrem lange Entkalkungsdauer bei besonders dichten Knochenstrukturen oder die Notwendigkeit, zahlreiche Stufenschnitte zur Diagnosesicherung anzufertigen. Auch die histologische Aufarbeitung von Gewebe mit komplexen metallischen Implantaten, die eine spezielle Trenn-Dünnschliff-Technik erfordern, rechtfertigt einen erhöhten Steigerungssatz.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ-Ziffer 4802 mit Sonderleistungen aus dem Abschnitt N kombiniert. Dazu gehören insbesondere Spezialfärbungen nach der GOÄ-Ziffer 4815. Diese sind neben der 4802 voll berechnungsfähig, sofern sie medizinisch indiziert sind.
Auch immunhistochemische Untersuchungen nach der GOÄ-Ziffer 4817 können in schwierigen differentialdiagnostischen Fällen zusätzlich angesetzt werden. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Mengenbegrenzungen und Kombinationsverbote der jeweiligen Ziffern eingehalten werden.
Ziffer 4802 in der neuen GOÄ
Die histologische Untersuchung mit besonders schwieriger Aufbereitung (klassisches Beispiel: Knochen mit Entkalkung) wird zur neuen Nummer 13001 — „Histologische Untersuchung und Begutachtung eines Materials, nach besonders aufwendiger technischer Aufbereitung" — mit einem Festpreis von 42,56 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 38,76 €). Die neue Legende benennt als Regelbeispiele die Knochenaufarbeitung, die Positionierung der Schleimhaut und die Anfertigung von Stufenschnitten. Wie bei der Standardleistung gilt: 13001 und 13000 sind für dasselbe Material gegenseitig ausgeschlossen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4802
Was hat nicht gestimmt?