Die GOÄ-Ziffer 2000 regelt die Erstversorgung kleiner Wunden. Erfahren Sie alles zu Indikationen, korrekter Kombination und rechtssicherer Abrechnung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2000
Erstversorgung einer kleinen Wunde
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 2000 umfasst die medizinische Erstversorgung einer kleinen, frischen Verletzung der Haut oder Schleimhaut. Diese Leistung deckt die Wundreinigung, die Blutstillung sowie das Anlegen eines ersten sterilen Verbandes ab.
Die Ziffer ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik „Wundversorgung, Fremdkörperentfernung“ angesiedelt. Sie bezieht sich ausschließlich auf die Versorgung von Haut und Unterhautfettgewebe.
GOÄ 2000 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Die Abrechnung der GOÄ 2000 setzt eine frische Wunde voraus, die keiner chirurgischen Naht bedarf. Typische Indikationen im Praxisalltag sind oberflächliche Schnittwunden, Schürfwunden, kleinere Platzwunden oder thermische Verletzungen wie leichte Verbrennungen.
Für die Abgrenzung einer „kleinen“ Wunde wird in der Praxis die Definition des Operationen- und Prozedurenschlüssels (OPS) herangezogen. Demnach gilt eine Wunde als klein, wenn ihre Länge bis zu 3 cm, ihre Fläche bis zu 4 cm² oder ihr Raumvolumen bis zu 1 cm³ beträgt.
Größere oder stark verunreinigte Wunden, die ebenfalls ohne Naht versorgt werden, fallen hingegen unter die GOÄ-Ziffer 2003. Chronische oder infizierte Wunden dürfen nicht über die Ziffer 2000 abgerechnet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2000
Fallbeispiel 1: Versorgung einer Schürfwunde am Knie
Ein Patient stellt sich nach einem Sturz mit einer oberflächlichen, leicht verschmutzten Schürfwunde am Knie vor. Die Wunde wird desinfiziert, mechanisch gereinigt und mit einem sterilen Wundverband versorgt. Da die Wunde oberflächlich ist und keine Naht benötigt, erfolgt die Abrechnung über die GOÄ-Ziffer 2000.
Fallbeispiel 2: Schnittverletzung am Unterarm
Eine Patientin weist eine 2 cm lange, saubere Schnittwunde am Unterarm auf, die nicht klafft. Nach der Wundreinigung wird die Wunde mittels Steristrips adaptiert und ein Verband angelegt. Da keine chirurgische Naht erfolgt, ist die GOÄ 2000 die korrekte Abrechnungsposition.
Fallbeispiel 3: Versorgung mehrerer kleiner Wunden
Nach einem Fahrradsturz weist ein Patient zwei voneinander unabhängige, kleine Schürfwunden an unterschiedlichen Extremitäten auf. Beide Wunden werden separat gereinigt und verbunden. In diesem Fall kann die GOÄ-Ziffer 2000 zweimal abgerechnet werden, wobei die Dokumentation die Lokalisationen genau beschreiben muss.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2000: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Abrechnung der GOÄ 2000 für Wunden, die im Rahmen eines operativen Eingriffs entstanden sind. Der Wundverschluss bei Operationen ist grundsätzlich Bestandteil der operativen Hauptleistung und darf nicht separat berechnet werden.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen regelmäßig die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 2000 und Ziffern für aufwendigere Wundversorgungen wie der GOÄ 2001 (Wundversorgung mit Naht). Diese Ziffern schließen sich gegenseitig für dieselbe Wunde aus.
Achtung: Die Versorgung von Wunden nach einer Zahnextraktion darf niemals über die GOÄ 2000 abgerechnet werden, da es sich hierbei um eine typische Operationswunde handelt.
Auch die Abrechnung von chronischen, eiternden oder nekrotischen Wunden über diese Ziffer führt zu Beanstandungen. Hierfür ist stattdessen die GOÄ-Ziffer 2006 heranzuziehen.
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Dokumentation der GOÄ 2000: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die exakte Lokalisation, die Wundgröße sowie die Art der Wundreinigung detailliert festgehalten werden.
Auch die verwendeten Materialien für den Verband und der Ausschluss von Infektionszeichen sollten dokumentiert werden. Bei der Abrechnung mehrerer Wunden muss die Unabhängigkeit der Verletzungen klar aus der Akte hervorgehen.
Dokumentationsbeispiel: Erstversorgung einer frischen, 2 cm langen Schnittwunde am linken Unterarm. Mechanische Reinigung mit Kochsalzlösung, Desinfektion mit Octenisept. Kein Infektionsverdacht. Wundverschluss mittels Steristrips, steriler Wundverband angelegt.
GOÄ 2000: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Ein Überschreiten des Regelsatzes von 2,3 (bis zum 3,5-fachen Satz) ist bei der GOÄ 2000 möglich, erfordert jedoch eine einzelfallbezogene Begründung. Typische Begründungen sind ein erhöhter Zeitaufwand bei starker Verschmutzung der Wunde oder eine erschwerte Kooperation, beispielsweise bei Kleinkindern.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 2000 lässt sich gut mit anderen Leistungen kombinieren. Häufig wird neben der Wundversorgung eine symptombezogene Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 oder eine Beratung nach GOÄ-Ziffer 1 abgerechnet.
Sollte eine Lokalanästhesie notwendig sein, kann diese über die GOÄ-Ziffer 490 zusätzlich in Rechnung gestellt werden, da die Anästhesie nicht in der GOÄ 2000 enthalten ist.
Tipp: Denken Sie bei der Erstversorgung von Wunden auch an die Überprüfung des Impfschutzes. Eine eventuell notwendige Tetanus-Impfung kann über die GOÄ-Ziffer 375 abgerechnet werden.
Ziffer 2000 in der neuen GOÄ
Je nach Befund und Vorgehen löst die Erstversorgung einer kleinen Wunde (heute 9,38 € beim 2,3-fachen Satz) in der neuen GOÄ unterschiedliche Leistungen aus:
- Bei kleine Wunde über die Subcutis hinaus in die Tiefe reichend, ohne Wundverschluss: 5902 (je Wunde) (18,18 €)
- Bei in allen anderen Fällen: 5900 (je Wunde) (8,51 €)
Die Preisspanne reicht von 8,51 € bis 18,18 € — eine präzise Dokumentation entscheidet über den Ansatz.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2000
Was hat nicht gestimmt?