Die Abrechnung von Zeitzuschlägen bei Kombinationsnarkosen nach GOÄ 463 birgt Fallstricke. Erfahren Sie, wie Sie jede weitere halbe Stunde korrekt liquidieren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 463
Kombinationsnarkose mit endotrachealer Intubation, jede weitere angefangene halbe Stunde - 348 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 463 beschreibt die zeitliche Fortführung einer Kombinationsnarkose mit endotrachealer Intubation. Diese Leistung schließt sich unmittelbar an die Grundleistung nach der Ziffer 462 an, welche die erste Stunde der Narkose abdeckt. Die Ziffer ist somit eine reine Zeitzuschlagsgebühr für längere operative Eingriffe.
Die Leistung umfasst die kontinuierliche Überwachung und Steuerung der Narkosetiefe sowie die Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen des Patienten. Alle anästhesiologischen Maßnahmen, die zur Fortführung der Narkose mittels Inhalations- und Injektionsanästhetika notwendig sind, sind mit dieser Gebühr abgegolten. Die endotracheale Intubation selbst ist bereits in der Grundleistung enthalten und wird hier fortgeführt.
GOÄ 463 in der Praxis: Korrekte Zeiterfassung und Indikation
In der klinischen Praxis ist die exakte Erfassung der Narkosezeit das entscheidende Kriterium für die Abrechnung der GOÄ 463. Die Narkosezeit beginnt mit der Vorbereitung zur Einleitung und endet, wenn der Patient stabil an den Aufwachraum übergeben wird. Erst nach Ablauf der ersten 60 Minuten, die durch die Ziffer 462 abgegolten sind, darf die Ziffer 463 zum ersten Mal angesetzt werden.
Typische Indikationen für den Einsatz dieser Ziffer sind langwierige chirurgische Eingriffe, die eine tiefe Muskelrelaxierung und kontrollierte Beatmung erfordern. Hierzu zählen beispielsweise große abdominalchirurgische, orthopädische oder unfallchirurgische Operationen. Die kontinuierliche Präsenz des Anästhesisten während der gesamten Narkosedauer ist eine zwingende Voraussetzung für die Liquidation.
Tipp: Jede angefangene halbe Stunde zählt. Beträgt die Narkosedauer beispielsweise 65 Minuten, kann die Ziffer 463 bereits einmal neben der Ziffer 462 berechnet werden, da die erste halbe Stunde der Verlängerung angefangen wurde.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 463
Fallbeispiel 1: Osteosynthese bei komplexer Fraktur
Ein Patient unterzieht sich einer komplexen Osteosynthese am Oberschenkel. Die dokumentierte Narkosezeit beträgt insgesamt 110 Minuten. Die ersten 60 Minuten werden über die Ziffer 462 abgerechnet. Für die verbleibenden 50 Minuten wird die Ziffer 463 zweimal angesetzt, da die zweite Verlängerungseinheit mit 20 Minuten bereits angefangen wurde.
Die Abrechnung erfolgt somit mit 1 × GOÄ 462 und 2 × GOÄ 463. Diese Kombination spiegelt den zeitlichen Aufwand der Narkoseführung präzise wider.
Fallbeispiel 2: Multiviszerale Bauchoperation
Bei einer ausgedehnten abdominalen Operation beträgt die Narkosedauer 215 Minuten. Nach Abzug der ersten Stunde verbleiben 155 Minuten. Dies entspricht fünf vollen halben Stunden und einer angefangenen sechsten halben Stunde von 5 Minuten.
Die korrekte Abrechnung lautet in diesem Fall 1 × GOÄ 462 und 6 × GOÄ 463. Die lückenlose Dokumentation im Narkoseprotokoll sichert den Erstattungsanspruch gegenüber der privaten Krankenversicherung.
Fallbeispiel 3: Schilddrüsenresektion mit schwierigem Atemweg
Eine Schilddrüsenresektion dauert aufgrund anatomischer Besonderheiten und schwieriger Intubationsverhältnisse insgesamt 85 Minuten. Die Narkose wird als Kombinationsnarkose durchgeführt. Nach der ersten Stunde verbleiben 25 Minuten, was einer angefangenen halben Stunde entspricht.
Hier wird 1 × GOÄ 462 und 1 × GOÄ 463 abgerechnet. Aufgrund des schwierigen Atemwegs kann zudem ein erhöhter Steigerungssatz für beide Ziffern in Erwägung gezogen werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 463: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 463 ist die mangelnde Abgrenzung zu den vertraglichen Ausschlüssen. Die Ziffer darf nicht neben den Leistungen nach den Ziffern 270 bis 274 (Infusionen, Transfusionen) sowie 279 berechnet werden. Auch die gleichzeitige Abrechnung der Ziffern 427 und 428 (neuroleptanalgetische Überwachung) ist explizit ausgeschlossen.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist die fehlerhafte Zeitberechnung. Wenn die Schnitt-Naht-Zeit der Chirurgen fälschlicherweise mit der Narkosezeit gleichgesetzt wird, führt dies regelmäßig zu Kürzungen. Die Narkosezeit ist meist länger als die reine Operationszeit, was durch das Anästhesieprotokoll exakt belegt werden muss.
Achtung: Die Ziffer 1532 (intraoperative Autotransfusion) ist ebenfalls neben der GOÄ 463 ausgeschlossen. Sollte eine solche Maßnahme zwingend erforderlich sein, muss geprüft werden, welche Ziffernkombination honorartechnisch vorteilhafter ist.
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Dokumentation der GOÄ 463: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Narkoseprotokoll müssen der exakte Beginn und das Ende der Narkose minutengenau festgehalten werden. Auch die kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter (Blutdruck, EKG, Sauerstoffsättigung, endexspiratorisches CO2) muss lückenlos dokumentiert sein.
Besondere Vorkommnisse, wie Blutdruckabfälle, Nachdosierungen von Anästhetika oder Beatmungsprobleme, sollten detailliert vermerkt werden. Diese Angaben dienen nicht nur der Patientensicherheit, sondern liefern auch die notwendige Begründung für eventuelle Steigerungssätze.
Dokumentation: Narkosebeginn: 08:15 Uhr, Narkoseende: 10:35 Uhr. Gesamtdauer: 140 Minuten. Kontinuierliche endotracheale Beatmung und Überwachung ohne Besonderheiten. Übergabe an Aufwachraum in stabilem Zustand.
GOÄ 463: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 463 kann bei Vorliegen besonderer Umstände über den Schwellenwert von 2,3 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz sind eine ausgeprägte kardiovaskuläre Instabilität des Patienten, die eine kontinuierliche medikamentöse Gegensteuerung erfordert. Auch ein extrem hoher Body-Mass-Index (Adipositas permagna) oder schwere pulmonale Vorerkrankungen, die die Beatmung erschweren, rechtfertigen eine Erhöhung des Faktors.
Die Begründung muss stets patientenbezogen, konkret und für den medizinischen Laien verständlich auf der Rechnung formuliert werden. Pauschale Floskeln wie "erhöhter Zeitaufwand" reichen für eine erfolgreiche Durchsetzung meist nicht aus.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der obligatorischen Kombination mit der Grundleistung nach GOÄ 462 wird die GOÄ 463 häufig mit Überwachungsleistungen kombiniert, sofern diese nicht ausgeschlossen sind. Erlaubt ist beispielsweise die Abrechnung von Ziffern für das Legen eines zentralen Venenkatheters (Ziffer 261) oder einer arteriellen Kanüle (Ziffer 260) zur invasiven Blutdruckmessung.
Auch postoperative Überwachungsleistungen im Aufwachraum können unter Beachtung der zeitlichen Trennung und der jeweiligen Ausschlüsse zusätzlich in Ansatz gebracht werden. Eine sorgfältige Prüfung der Ziffernkombinationen sichert eine leistungsgerechte Vergütung.
Ziffer 463 in der neuen GOÄ
Die Verlängerung der Intubationsnarkose je weitere angefangene halbe Stunde geht in das zeitbasierte Allgemeinanästhesie-Modell über. Das Vergütungssystem ist identisch mit dem der Basisziffer 462:
- 1704 Allgemeinanästhesie — erste 15 Minuten, einmal je Sitzung (119,34 €)
- 1705 Zuschlag je weitere vollendete 30 Minuten (88,62 €)
- 1706 Zuschlag für die letzte angefangene 30 Minuten (Abschlussleistung, einmal) (45,21 €)
Bei fiberoptischer Intubation kommt 1707 (45,69 €) hinzu, bei seitengetrennter 1708 (50,25 €) — beide nicht nebeneinander. Heute bringt die 463 beim 2,3-fachen Satz 46,64 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 463
Was hat nicht gestimmt?