GOÄ 2066: Hohlhandphlegmone abrechnen – Tipps & Fehler

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2066
Eröffnung der Hohlhandphlegmone
Punktzahl 450  
Einfachsatz 26,23 € 1,0x
Regelhöchstsatz 60,33 € 2,3x
Höchstsatz 91,81 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2066 birgt Fallstricke. Erfahren Sie, wie Sie die Hohlhandphlegmone korrekt dokumentieren und Honorarverluste vermeiden.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2066

Eröffnung der Hohlhandphlegmone

Die GOÄ-Ziffer 2066 beschreibt eine spezifische chirurgische Intervention an der Hand. Sie ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Extremitätenchirurgie angesiedelt. Mit 450 Punkten bewertet, stellt sie eine anspruchsvolle chirurgische Leistung dar.

Die Leistung umfasst die operative Spaltung und Entlastung einer tiefen, diffusen eitrigen Entzündung im Bereich der Hohlhand. Hierbei müssen anatomische Logen eröffnet und nekrotisches Gewebe entfernt werden. Das Einbringen von Drainagen zur Sicherung des Sekretabflusses ist explizit in der Leistung enthalten und darf nicht gesondert berechnet werden.

GOÄ 2066 in der Praxis: Indikation und klinische Relevanz

Eine Hohlhandphlegmone ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige chirurgische Intervention erfordert. Typische Indikationen für die Abrechnung der GOÄ 2066 sind fortgeschrittene, eitrige Infektionen der tiefen Handkompartimente. Diese entstehen häufig nach Bagatelltraumata, Bissverletzungen oder durch die Fortleitung eines Panaritiums.

Die Abgrenzung zu oberflächlichen Abszessen ist für die korrekte Abrechnung essenziell. Handelt es sich lediglich um eine oberflächliche Entzündung der Haut, sind andere Ziffern heranzuziehen. Die GOÄ 2066 setzt die Eröffnung der tiefen Hohlhandfaszie und die Sanierung der darunter liegenden Logen voraus.

Achtung: Die Eröffnung eines Sehnenscheidenpanaritiums ist nicht über die GOÄ 2066, sondern über die speziellere Ziffer 2031 abzurechnen. Eine genaue anatomische Zuordnung im OP-Bericht ist daher zwingend erforderlich.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2066

Fallbeispiel 1: Akute Hohlhandphlegmone nach Dornenstich

Ein Patient stellt sich mit einer schmerzhaften, prall-elastischen Schwellung der Hohlhand nach einer Gartenarbeit vor. Nach Lokalanästhesie erfolgt die Inzision, die Eröffnung der tiefen Loge, die Spülung und das Einlegen einer Laschendrainage. Abgerechnet werden die GOÄ 2066 sowie die GOÄ 2010 für den sterilen Wundverband.

Fallbeispiel 2: Phlegmone mit Beteiligung der Sehnenscheide

Bei einer ausgedehnten Infektion der Hohlhand zeigt sich intraoperativ, dass auch die Sehnenscheide des Beugers betroffen ist. Neben der Eröffnung der Hohlhandphlegmone (GOÄ 2066) führt der Arzt eine Spaltung der Sehnenscheide durch. In diesem Fall ist die GOÄ 2032 (Spaltung einer Sehnenscheide) zusätzlich zur GOÄ 2066 berechnungsfähig.

Fallbeispiel 3: Ambulante Operation unter Regionalanästhesie

Die Sanierung der Hohlhandphlegmone erfolgt als ambulanter Eingriff in der Praxis. Neben der operativen Leistung nach GOÄ 2066 und der Anästhesie kann der Arzt den Zuschlag 440 oder Zuschlag 442 für ambulantes Operieren ansetzen. Dies sichert eine adäquate Vergütung des erhöhten Sachkostenaufwands.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2066: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ziffern aus dem Bereich 2427 bis 2432. Diese Ziffern betreffen die Eröffnung von Abszessen oder Karbunkeln an anderen Lokalisationen. Die GOÄ schließt diese Kombinationen explizit aus, um eine Doppelabrechnung ähnlicher chirurgischer Leistungen zu verhindern.

Private Krankenversicherungen (PKV) beanstanden zudem häufig die gesonderte Berechnung von Drainagen. Da das Einlegen von Drainagen laut Leistungsbeschreibung inbegriffen ist, führt die zusätzliche Angabe von Ziffern wie der GOÄ 2006 regelmäßig zu Kürzungen. Der Fokus sollte stattdessen auf der korrekten Dokumentation des chirurgischen Aufwands liegen.

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Dokumentation der GOÄ 2066: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Prüfstellen. Im OP-Bericht müssen der genaue Zugangsweg, die betroffenen anatomischen Strukturen und das Ausmaß der eitrigen Einschmelzung detailliert beschrieben werden. Auch die durchgeführte Wundspülung und das Einbringen des Drainagematerials gehören in die Akte.

Besonders wichtig ist der Nachweis, dass die Infektion die tiefe Faszie der Hohlhand überschritten hat. Ohne diesen Nachweis stufen private Kostenträger den Eingriff gerne als einfache Abszesseröffnung ab. Eine präzise Wortwahl im Bericht sichert somit den Abrechnungsanspruch.

Dokumentation: Längsinzision über der Hohlhand, stumpfe Präparation in die Tiefe unter Schonung der Gefäß-Nervenbündel. Eröffnung der tiefen Hohlhandloge, Entleerung von rahmigem Eiter. Ausgiebige Spülung mit antiseptischer Lösung, Einlegen einer Easy-Flow-Drainage, steriler Verband.

GOÄ 2066: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen oder stark adipösen Patienten kann der Schwellenwert von 2,3 überschritten werden. Auch eine ausgeprägte Gewebenekrose, die ein zeitaufwendiges Debridement erfordert, rechtfertigt eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz. Die Begründung muss patientenindividuell und medizinisch nachvollziehbar in der Rechnung formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Erlaubt und medizinisch sinnvoll ist die Kombination mit der GOÄ 2010 (Wundverband) sowie der GOÄ 2032 (Spaltung einer Sehnenscheide). Sollten während des Eingriffs Nerven- oder Sehnenrekonstruktionen notwendig werden, können die Ziffern 2087 (Sehnennaht) oder 2090 (Nervennaht) ebenfalls angesetzt werden. Dies erhöht das Gesamthonorar bei komplexen Traumata erheblich.

Tipp: Nutzen Sie bei ambulanten Eingriffen immer die passenden OP-Zuschläge wie die Nummer 440, um die Vorhaltung von Sterilgut und OP-Infrastruktur wirtschaftlich abzubilden.

Ziffer 2066 in der neuen GOÄ

Die Eröffnung der Hohlhandphlegmone wird zur neuen Nummer 5606 — Festpreis 58,56 €. Das liegt 3 % unter dem heutigen 2,3-fachen Satz von 60,33 €. Die Hohlhandphlegmone ist ein tiefer als subkutan gelegener Prozess; Drainage ist nach alter Kommentierung inbegriffen und nach 5606 gegebenenfalls ebenfalls.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2066

Die GOÄ 2066 darf bei der operativen Eröffnung einer tiefen, diffusen eitrigen Entzündung im Bereich der Hohlhand abgerechnet werden. Voraussetzung ist, dass die Infektion die tiefe Hohlhandfaszie betrifft. Oberflächliche Abszesse rechtfertigen diese Ziffer nicht.
Nein, das Einlegen von Drainagen ist bereits in der Leistungsbeschreibung der GOÄ 2066 enthalten. Eine gesonderte Abrechnung von Drainageziffern wie der GOÄ 2006 ist daher nicht zulässig. Der zeitliche Mehraufwand kann jedoch über den Steigerungsfaktor geltend gemacht werden.
Die GOÄ 2066 darf nicht zeitgleich mit den Ziffern 2427 bis 2432 abgerechnet werden. Diese Ziffern betreffen die Eröffnung von Abszessen oder Karbunkeln an anderen Körperstellen. Eine Kombination dieser Leistungen am selben Operationstag ist ausgeschlossen.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz hinaus lässt sich durch einen erhöhten operativen Aufwand begründen. Typische Gründe sind ausgeprägte Gewebenekrosen, schwierige anatomische Verhältnisse oder eine starke Adipositas des Patienten. Auch eine stark verzögerte Blutstillung kann als Begründung dienen.
Ja, bei einer ambulanten Durchführung der Operation kann der entsprechende Zuschlag angesetzt werden. In der Regel kommt hierfür der Zuschlag nach Nr. 440 oder Nr. 442 in Betracht. Dies dient der Abgeltung der erhöhten Sachkosten für sterile Instrumente und Materialien.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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