GOÄ 5422: Myokardszintigraphie in Ruhe korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 5422
Szintigraphische Untersuchung des Myokards mit myokardaffinen Tracern in Ruhe – gegebenenfalls einschließlich EKG im zeitlichen Zusammenhang mit der Untersuchung –
Punktzahl 1000  
Einfachsatz 58,29 € 1,0x
Regelhöchstsatz 104,92 € 1,8x
Höchstsatz 145,72 € 2,5x

Die Abrechnung der Myokardszintigraphie in Ruhe nach GOÄ-Ziffer 5422 wirft oft Fragen auf. Dieser Leitfaden zeigt Fallbeispiele, Ausschlüsse und Steigerungstipps.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 5422

Szintigraphische Untersuchung des Myokards mit myokardaffinen Tracern in Ruhe – gegebenenfalls einschließlich EKG im zeitlichen Zusammenhang mit der Untersuchung –

Die GOÄ-Ziffer 5422 beschreibt eine nuklearmedizinische Untersuchung des Herzmuskels unter Ruhebedingungen. Diese Leistung ist mit 1000 Punkten bewertet und bildet die Basis für die Diagnostik von Durchblutungsstörungen oder Vitalitätseinschränkungen des Myokards. Ein eventuell zeitgleich durchgeführtes EKG ist bereits mit dieser Gebühr abgegolten.

Die Untersuchung umfasst die Applikation von myokardaffinen Tracern sowie die anschließende szintigraphische Erfassung. Typische Tracer sind Thallium-201 oder Technetium-99m-markierte Verbindungen wie MIBI. Auch metabolische Untersuchungen mit Jod-123-markierten Fettsäuren fallen unter diese Leistungsbeschreibung.

GOÄ 5422 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert

Die Durchführung einer Myokardszintigraphie in Ruhe ist insbesondere bei der Frage nach der Vitalität des Myokards nach einem abgelaufenen Herzinfarkt indiziert. Sie dient der Differenzierung zwischen narbigem Gewebe und noch vitalem, aber minderperfundiertem Herzmuskelgewebe.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Infarktdiagnostik in der Akutphase oder bei unklarem EKG-Befund. Hierbei kommen spezielle Tracer zum Einsatz, die sich selektiv im infarzierten Gewebe anreichen. Die präzise Indikationsstellung ist für die Erstattung durch private Krankenversicherungen von zentraler Bedeutung.

Tipp: Wenn im direkten Anschluss an die Ruhe-Untersuchung eine Belastungsuntersuchung erfolgt, darf nicht die GOÄ 5422 abgerechnet werden. In diesem Fall ist die Kombinationsziffer GOÄ 5424 anzusetzen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 5422

Fallbeispiel 1: Vitalitätsnachweis bei chronischer KHK

Ein Patient mit bekannter koronarer Herzkrankheit stellt sich zur Abklärung der Myokardvitalität vor einer geplanten Revaskularisation vor. Es erfolgt eine Myokard-Durchblutungsszintigraphie in Ruhe mit Tc-99m-MIBI.

Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 5422 zum Regelsatz (1,8-fach). Zusätzlich wird die computergestützte Auswertung nach GOÄ-Ziffer 5486 berechnet, da eine quantitative Analyse der Perfusionsdaten durchgeführt wurde.

Fallbeispiel 2: Ausschluss eines akuten Myokardinfarkts

Bei unklarem EKG und persistierenden Thoraxbeschwerden wird eine Infarktszintigraphie mit Tc-99m-Phosphaten durchgeführt. Die Untersuchung erfolgt in Ruhe zur Lokalisation und Größenbestimmung des Infarktareals.

Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 5422. Da der Patient aufgrund starker Unruhe eine verlängerte Aufnahmezeit und eine aufwendigere Lagerung erforderte, wird ein erhöhter Steigerungssatz von 2,3 angewendet.

Fallbeispiel 3: Metabolische Untersuchung bei Kardiomyopathie

Zur Beurteilung des Fettsäuremetabolismus bei einer dilatativen Kardiomyopathie wird eine metabolische Szintigraphie mit J-123-markierten Fettsäuren durchgeführt. Die Aufnahmen erfolgen in Ruhe.

Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 5422. Da eine dreidimensionale Darstellung mittels SPECT erfolgte, wird zusätzlich der Zuschlag nach GOÄ 5487 in Ansatz gebracht.

Häufige Fehler bei der GOÄ 5422: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die gleichzeitige Berechnung von EKG-Leistungen. Die Ziffern 650 bis 656 (wie das Ruhe-EKG oder Belastungs-EKG) sind neben der GOÄ 5422 explizit ausgeschlossen, sofern sie im zeitlichen Zusammenhang stehen.

Ebenso führt die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 5422 und der Belastungs-Myokardszintigraphie (GOÄ 5423) regelmäßig zu Kürzungen. Werden beide Untersuchungen an einem Tag oder im engen zeitlichen Verlauf durchgeführt, muss stattdessen die Kombinationsziffer GOÄ 5424 gewählt werden.

Achtung: Private Krankenversicherungen prüfen genau, ob die Ruhe-Untersuchung als Einzeluntersuchung medizinisch begründet war oder ob es sich um einen Teil einer zweiphasigen Untersuchung (Ruhe und Belastung) handelte.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 5422: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Befundbericht müssen der verwendete Tracer, die applizierte Aktivität in Megabecquerel (MBQ) sowie die genauen Akquisitionszeiten lückenlos festgehalten werden.

Zudem sollte die medizinische Notwendigkeit der reinen Ruhe-Untersuchung klar aus der Dokumentation hervorgehen. Auch die Befundauswertung und die daraus resultierende therapeutische Konsequenz müssen dokumentiert sein.

Dokumentationsbeispiel: Myokardszintigraphie in Ruhe am DD.MM.YYYY. Indikation: Vitalitätsnachweis bei KHK vor PCI. Applikation von 370 MBq Tc-99m-MIBI i.v. Akquisition in SPECT-Technik. Keine Komplikationen. Befund: Vitales Myokard im posterolateralen Segment.

GOÄ 5422: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Ein Überschreiten des Schwellenwertes (1,8-fach) bis zum Höchstsatz (2,5-fach) ist bei erhöhtem Aufwand möglich. Typische Begründungen sind eine erschwerte Lagerung bei ausgeprägter Adipositas, mangelnde Kooperationsfähigkeit des Patienten oder technische Artefakte, die zusätzliche Aufnahmen erforderlich machen.

Auch eine besonders zeitaufwendige Auswertung bei komplexen anatomischen Verhältnissen kann als individuelle Begründung herangezogen werden. Die Begründung muss stets patientenbezogen und nachvollziehbar auf der Rechnung formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Sehr häufig wird die GOÄ 5422 mit den Zuschlägen für computergestützte Auswertungsverfahren kombiniert. Hierzu zählen die GOÄ-Ziffer 5486 für die computergestützte Analyse und die GOÄ-Ziffer 5487 für die SPECT-Rekonstruktion.

Nicht berechnungsfähig sind hingegen die physikalisch-chemischen Zuschläge nach den Ziffern 5480 bis 5485, da diese in den modernen szintigraphischen Leistungen bereits kalkulatorisch berücksichtigt sind.

Ziffer 5422 in der neuen GOÄ

Die Myokardszintigraphie mit myokardaffinen Tracern in Ruhe erhält mit Nummer 13510 einen direkten Nachfolger: „Szintigraphische Untersuchung des Myokards mit myokardaffinen Tracern in Ruhe, ggf. einschließlich EKG im zeitlichen Zusammenhang mit der Untersuchung" zum Festpreis von 99,77 €. Der bisherige 2,3-fache Satz lag bei 104,92 €, der Festpreis liegt damit leicht darunter.

Nicht berechnungsfähig neben 2900, 2901, 2903, 2908, 2922, 13511 oder 13512. Bei zusätzlicher Stimulationsuntersuchung ist 13512 anstelle von 13510 anzusetzen.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 5422

Nein, die Abrechnung von EKG-Leistungen nach den GOÄ-Ziffern 650 bis 656 ist neben der GOÄ 5422 ausgeschlossen. Ein im zeitlichen Zusammenhang durchgeführtes EKG ist bereits mit der Gebühr für die Szintigraphie abgegolten. Daher darf für das EKG keine eigene Gebühr angesetzt werden.
Die GOÄ 5422 rechnet die reine Myokardszintigraphie in Ruhe ab. Die GOÄ 5424 hingegen umfasst die kombinierte Untersuchung in Ruhe und unter Belastung. Letztere ist anzuwenden, wenn beide Phasen im zeitlichen Zusammenhang stattfinden.
Neben der GOÄ 5422 können die Zuschläge für computergestützte Auswertungen nach GOÄ 5486 und für die SPECT-Technik nach GOÄ 5487 berechnet werden. Andere physikalische Zuschläge wie die Ziffern 5480 bis 5485 sind hingegen ausgeschlossen.
Eine Steigerung über den 1,8-fachen Satz hinaus ist bei überdurchschnittlichem Aufwand zulässig. Typische Begründungen sind eine erschwerte Lagerung bei ausgeprägter Adipositas oder starke Bewegungsartefakte des Patienten. Die Begründung muss patientenindividuell auf der Rechnung dokumentiert werden.
Nein, die GOÄ-Ziffern 5422 für die Ruhe-Untersuchung und 5423 für die Belastungs-Untersuchung schließen sich gegenseitig aus. Bei einer kombinierten Durchführung an einem Tag muss stattdessen die GOÄ-Ziffer 5424 herangezogen werden.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich