Erfahren Sie, wie Sie den Mikro-Herzkatheterismus nach GOÄ-Ziffer 630 korrekt abrechnen, Sachkosten ausgleichen und typische Honorarverluste vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 630
Mikro-Herzkatheterismus unter Verwendung eines Einschwemmkatheters – einschließlich Druckmessungen nebst fortlaufender EKG-Kontrolle –
Die GOÄ-Ziffer 630 beschreibt eine hochspezifische kardiologische und intensivmedizinische Leistung. Im Zentrum steht der Mikro-Herzkatheterismus, der mithilfe eines flexiblen, vom Blutstrom eingeschwemmten Katheters durchgeführt wird. Diese Methode erlaubt eine präzise Diagnostik direkt am Krankenbett, ohne dass zwingend eine Durchleuchtung notwendig ist.
Die Leistung umfasst neben dem eigentlichen Einführen des Katheters auch die kontinuierliche Druckmessung in den rechten Herzhöhlen und der Pulmonalarterie. Zudem ist die fortlaufende EKG-Kontrolle obligater Bestandteil der Ziffer. Alle diese Teilschritte sind mit der Punktzahl von 908 Punkten abgegolten.
GOÄ 630 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Der klinische Einsatz der GOÄ 630 erfolgt meist auf Intensivstationen oder in spezialisierten kardiologischen Funktionsbereichen. Typische Indikationen sind die Abklärung einer pulmonalarteriellen Hypertonie oder das hämodynamische Monitoring bei kardiogenem Schock. Auch zur Steuerung einer komplexen Katecholamintherapie liefert das Verfahren essenzielle Daten.
Im Vergleich zum klassischen Rechtsherzkatheter nach GOÄ 626 zeichnet sich dieses Verfahren durch die Verwendung eines Einschwemmkatheters aus. Der Katheter wird passiv durch den Blutstrom in die Zielposition geschwemmt. Dies minimiert das Risiko für mechanische Komplikationen im Herzen erheblich.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 630
Fallbeispiel 1: Diagnostik bei pulmonaler Hypertonie
Ein Patient stellt sich mit unklarer Belastungsdyspnoe vor. Zum Ausschluss einer pulmonalarteriellen Hypertonie wird ein Einschwemmkatheterismus in Ruhe durchgeführt. Die Druckwerte in der Arteria pulmonalis werden erfolgreich dokumentiert. Die Abrechnung erfolgt regelhaft mit der GOÄ-Ziffer 630 zum 2,3-fachen Satz.
Fallbeispiel 2: Monitoring bei kardiogenem Schock
Bei einem Patienten im kardiogenen Schock wird ein Swan-Ganz-Katheter zur kontinuierlichen Überwachung des pulmonalkapillaren Verschlussdrucks (PCWP) gelegt. Aufgrund der hohen Materialkosten des Spezialkatheters und des kritischen Zustands wird der Faktor gesteigert. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 630 und dem 3,5-fachen Steigerungssatz.
Fallbeispiel 3: Belastungsuntersuchung bei Herzinsuffizienz
Zur genaueren Beurteilung einer diastolischen Herzinsuffizienz erfolgt der Mikro-Herzkatheterismus sowohl in Ruhe als auch unter definierter ergometrischer Belastung. Der erhebliche zeitliche und personelle Mehraufwand rechtfertigt eine Erhöhung des Faktors. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 630 mit einem gesteigerten Faktor von 3,0.
Häufige Fehler bei der GOÄ 630: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler betrifft die gesonderte Berechnung des verwendeten Kathetermaterials. Die offiziellen Bestimmungen legen fest, dass die Kosten für den Einschwemmkatheter bereits in der Gebühr enthalten sind. Eine separate Rechnungsstellung als Sachkosten wird von privaten Krankenversicherungen regelmäßig gestrichen.
Zudem müssen die strikten Ausschlussziffern beachtet werden. So ist die Nebeneinanderberechnung mit den Ziffern für den Standard-Herzkatheterismus (GOÄ 626, 628) oder der Oxymetrie (GOÄ 602) unzulässig. Werden zusätzlich oxymetrische Messungen durchgeführt, muss stattdessen die GOÄ-Ziffer 632 gewählt werden.
Achtung: Versuchen Sie niemals, den Einschwemmkatheter als Sprechstundenbedarf oder Einzelrezept abzurechnen. Nutzen Sie bei teuren Spezialkathetern konsequent die Möglichkeit der Faktorsteigerung zur wirtschaftlichen Kompensation.
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Dokumentation der GOÄ 630: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Befundbericht müssen der Zugangsweg, der verwendete Kathetertyp und alle gemessenen Druckkurven exakt dokumentiert sein. Auch der Nachweis der fortlaufenden EKG-Überwachung während des gesamten Eingriffs ist zwingend erforderlich.
Besonders bei einer geplanten Faktorsteigerung müssen die medizinischen Gründe detailliert in der Akte und auf der Rechnung vermerkt werden. Dazu gehören beispielsweise schwierige anatomische Verhältnisse oder eine instabile Hämodynamik des Patienten.
Dokumentation: Mikro-Herzkatheterismus über V. jugularis interna rechts. Platzierung des Einschwemmkatheters unter fortlaufendem EKG-Monitoring. Druckmessung: RA 5 mmHg, RV 25/4 mmHg, PA 28/12 mmHg, PCWP 9 mmHg. Keine Rhythmusstörungen, stabiler Verlauf.
GOÄ 630: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den Schwellenwert von 2,3 ist bei der GOÄ 630 ein wichtiges Werkzeug zur Kostendeckung. Da teure Einmal-Katheter (wie der Swan-Ganz-Katheter) nicht separat berechnet werden dürfen, ist eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz bei deren Verwendung medizinisch und wirtschaftlich begründbar. Auch Untersuchungen unter Belastung rechtfertigen diesen Schritt.
Typische Ziffernkombinationen
Wird der Katheter über das rechte Herz hinaus durch die Vorhofscheidewand in das linke Herz geführt, ist zusätzlich die GOÄ-Ziffer 629 berechnungsfähig. Häufig kombinierbar sind zudem sonographische Leistungen des Herzens nach den GOÄ-Ziffern 422 oder 424, sofern diese medizinisch indiziert sind. Eine sorgfältige Prüfung der Abrechnungsausschlüsse bleibt jedoch in jedem Einzelfall unerlässlich.
Tipp: Formulieren Sie die Begründung für eine Faktorsteigerung patientenindividuell. Verwenden Sie klare Begriffe wie "erhöhter Sachkostenaufwand durch Swan-Ganz-Spezialkatheter zur Wedge-Druck-Messung" oder "erschwerter Zugang bei ausgeprägter Adipositas".
Ziffer 630 in der neuen GOÄ
Der Mikro-Herzkatheterismus mit Einschwemmkatheter einschließlich Druckmessungen (heute beim 2,3-fachen Satz: 121,72 €) wird im Entwurf nach dem Kontext aufgeteilt:
- 1713 Anlage, Messungen und Überwachung des Pulmonaliskatheters (Swan-Ganz-Katheter) zur invasiven Überwachung der Herzkreislauffunktion während einer Anästhesieleistung, einschließlich Punktion, Schleuse, Katheterpositionierung, Druckmessungen (121,33 €) — nicht neben den kardiologischen Katheterleistungen 3001 oder 3007
- 3046 Rechtsherzkatheteruntersuchung mit Pulmonalisdruckmessung (105,00 €) — Auffangregel für die eigenständige diagnostische Rechtsherzkatheteruntersuchung ohne Anästhesiekontext
Der Anästhesiekontext ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal: Swan-Ganz-Monitoring während einer Narkose → 1713; eigenständige Rechtsherzkatheteruntersuchung → 3046.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 630
Was hat nicht gestimmt?