GOÄ 422: Echokardiographie (M-Mode) korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 422
Eindimensionale echokardiographische Untersuchung mittels Time-Motion-Diagramm, mit Bilddokumentation – gegebenenfalls einschließlich gleichzeitiger EKG-Kontrolle –
Punktzahl 200  
Einfachsatz 11,66 € 1,0x
Regelhöchstsatz 26,82 € 2,3x
Höchstsatz 40,81 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 422 für die M-Mode-Echokardiographie wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles über Ausschlüsse, Steigerungssätze und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 422

Eindimensionale echokardiographische Untersuchung mittels Time-Motion-Diagramm, mit Bilddokumentation – gegebenenfalls einschließlich gleichzeitiger EKG-Kontrolle –

Die GOÄ-Ziffer 422 beschreibt eine spezialisierte sonographische Leistung aus dem Bereich der Kardiologie. Sie umfasst die eindimensionale echokardiographische Untersuchung, die auch als M-Mode-Echokardiographie oder Time-Motion-Diagramm bekannt ist. Diese Methode liefert eine extrem hohe zeitliche Auflösung, was die exakte Beurteilung von sich schnell bewegenden Herzstrukturen ermöglicht.

Die im Leistungstext erwähnte EKG-Kontrolle dient primär der zeitlichen Zuordnung der Ultraschallbilder zu den einzelnen Phasen des Herzzyklus. Sie stellt keine eigenständige diagnostische EKG-Ableitung dar. Eine Bilddokumentation ist für die vollständige Erbringung und Abrechnung dieser Ziffer zwingend vorgeschrieben.

GOÄ 422 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen

In der modernen kardiologischen Diagnostik wird die M-Mode-Sonographie meist gezielt eingesetzt, um präzise Messungen von Wandstärken und Herzhöhlendurchmessern durchzuführen. Typische Indikationen sind die Abklärung einer myokardialen Hypertrophie bei arterieller Hypertonie oder die Beurteilung von Klappenbewegungen. Auch bei der Diagnostik eines Perikardergusses liefert das Time-Motion-Diagramm wertvolle Details.

Tipp: Nutzen Sie die hohe zeitliche Auflösung der GOÄ 422 gezielt für die Dokumentation von feinen Bewegungsabläufen der Mitral- oder Aortenklappe, wenn eine reine 2D-Darstellung keine eindeutigen Messergebnisse liefert.

Obwohl die zweidimensionale Echokardiographie heute den Standard bildet, bleibt die eindimensionale Untersuchung ein unverzichtbares Werkzeug für quantitative Messungen. Die exakte Bestimmung der linksventrikulären Funktion profitiert erheblich von den scharfen Grenzflächen, die im M-Mode dargestellt werden können. Die Abrechnung setzt jedoch voraus, dass die Untersuchung als selbstständige Leistung und nicht nur als Nebenprodukt einer 2D-Echokardiographie durchgeführt wurde.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 422

Fallbeispiel 1: Verlaufskontrolle bei arterieller Hypertonie

Ein Patient mit bekannter arterieller Hypertonie stellt sich zur Routinekontrolle vor. Zur Beurteilung einer möglichen linksventrikulären Hypertrophie führt der Arzt eine gezielte M-Mode-Echokardiographie durch. Die Wandstärken des Septums und der Hinterwand werden präzise vermessen und im PACS dokumentiert. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 422 zum Regelhöchstsatz (2,3-fach).

Fallbeispiel 2: Verdacht auf Mitralklappenprolaps

Bei der Auskultation eines Patienten fällt ein spätsystolisches Klickgeräusch auf. Zur weiteren Abklärung erfolgt eine eindimensionale echokardiographische Untersuchung der Mitralklappenbewegung. Das Time-Motion-Diagramm zeigt die typische posteriore Bewegung des Segels in der Spätsystole. Die Dokumentation erfolgt per Bildausdruck, abgerechnet wird die GOÄ 422 mit einer medizinischen Begründung für den erhöhten Aufwand bei leichten Arrhythmien.

Fallbeispiel 3: Ausschluss eines Perikardergusses

Ein Patient klagt über lageabhängige Thoraxschmerzen nach einem viralen Infekt. Zum Ausschluss eines Perikardergusses wird eine M-Mode-Untersuchung durchgeführt, um echofreie Räume hinter der Hinterwand darzustellen. Es zeigt sich kein Erguss, die Untersuchung wird schriftlich und bildlich dokumentiert. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 422 neben der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5.

Häufige Fehler bei der GOÄ 422: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 422 ist die unzulässige Kombination mit der GOÄ-Ziffer 423 (zweidimensionale Echokardiographie). Da die zweidimensionale Untersuchung die eindimensionale Untersuchung in der Regel beinhaltet, ist die Nebeneinanderberechnung explizit ausgeschlossen. Prüfstellen der privaten Krankenversicherungen streichen die GOÄ 422 in diesen Fällen konsequent.

Achtung: Achten Sie streng darauf, die GOÄ 422 nicht neben den EKG-Leistungen der Nummern 650 bis 655 abzurechnen, es sei denn, es liegt eine eigenständige, separat dokumentierte kardiologische Indikation für das EKG vor.

Ein weiterer Angriffspunkt bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen ist die fehlende oder unvollständige Bilddokumentation. Ein bloßer schriftlicher Befund ohne archivierte Ultraschallbilder oder Ausdrucke rechtfertigt die Abrechnung dieser Ziffer nicht. Stellen Sie daher sicher, dass die Bilddaten dauerhaft im PACS-System oder der Patientenakte hinterlegt sind.

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Dokumentation der GOÄ 422: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Für die GOÄ 422 müssen neben der Indikation die konkreten Messwerte der Herzstrukturen dokumentiert werden. Dazu gehören standardmäßig die septale Wandstärke, die Hinterwanddicke sowie die enddiastolischen Durchmesser des linken Ventrikels.

Dokumentation: M-Mode-Echokardiographie bei V. a. hypertensive Herzkrankheit. Messwerte: IVSd 12 mm, LVPWd 11 mm, LVEDD 49 mm. Keine systolische Bewegungsstörung. Bilddokumentation im PACS unter PACS-ID 98765 gesichert. Integrierte EKG-Triggerung zur zeitlichen Zuordnung genutzt.

Zusätzlich sollte im Befundbericht erwähnt werden, dass die integrierte EKG-Triggerung zur zeitlichen Zuordnung der Herzphasen verwendet wurde. Dies untermauert die korrekte Erbringung des Leistungsinhalts der GOÄ 422. Die Aufbewahrungsfrist für die digitalen Bilddaten beträgt gemäß den rechtlichen Vorgaben mindestens zehn Jahre.

GOÄ 422: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Ein Überschreiten des Schwellenwertes von 2,3 bis hin zum 3,5-fachen Steigerungssatz muss patientenbezogen begründet werden. Typische Gründe sind eine erschwerte Schallbarkeit bei ausgeprägter Adipositas permagna oder starkem Lungenemphysem. Auch ausgeprägte Atembeschwerden oder Tremor, die eine ruhige Bildakquisition behindern, rechtfertigen einen höheren Faktor.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 422 lässt sich hervorragend mit beratenden Leistungen wie der GOÄ-Ziffer 1 oder der GOÄ-Ziffer 3 kombinieren. Auch die Kombination mit anderen sonographischen Leistungen, die nicht das Herz betreffen (z. B. Schilddrüsensonographie nach GOÄ 410), ist zulässig. Ausgeschlossen sind hingegen Kombinationen mit den Ziffern 401, 404 bis 406, 423, 424 sowie 435.

Ziffer 422 in der neuen GOÄ

Die bisherige Ziffer 422 hat in der neuen GOÄ keinen eigenen Nachfolger — die Leistung geht in Nummer 1302 auf und ist dort mit dem Festpreis von 67,92 € abgegolten (aktueller 2,3-facher Satz der alten Ziffer: 26,82 €). Die neue Ziffer 1302 kombiniert B-Mode- und M-Mode-Verfahren zwingend; eine isolierte M-Mode-Untersuchung ist als eigenständige Leistung nicht mehr vorgesehen.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 422

Nein, die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 422 und GOÄ 423 ist laut den Abrechnungsbestimmungen ausgeschlossen. Wenn sowohl eine ein- als auch eine zweidimensionale echokardiographische Untersuchung durchgeführt wird, ist ausschließlich die GOÄ 423 anzusetzen.
Ein eigenständiges EKG nach den Ziffern 650 ff. darf nur dann neben der GOÄ 422 abgerechnet werden, wenn eine separate medizinische Indikation vorliegt. Die reine Einblendung der EKG-Kurve zur zeitlichen Zuordnung des Ultraschallbildes ist bereits in der GOÄ 422 enthalten und darf nicht extra berechnet werden.
Eine Erhöhung des Steigerungssatzes bis zum 3.5-fachen Satz ist bei erschwerten Untersuchungsbedingungen möglich. Typische Begründungen sind ausgeprägte Adipositas, starke Dyspnoe des Patienten oder schwere Herzrhythmusstörungen, die die Bildgewinnung erheblich erschweren.
Ja, die schriftliche und bildliche Dokumentation ist ein obligater Bestandteil der Leistungsbeschreibung der GOÄ 422. Ohne eine archivierte Bilddokumentation (z. B. im PACS) ist die Leistung bei einer Prüfung nicht abrechnungsfähig.
Grundsätzlich steht die GOÄ allen approbierten Ärzten offen, sofern sie die entsprechende fachliche Qualifikation besitzen. In der vertragsärztlichen Versorgung gelten jedoch strenge Qualitätsbeurteilungs-Richtlinien, während im privaten Bereich die medizinische Notwendigkeit und Fachkunde im Vordergrund.
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