Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1830 birgt durch integrierte Leistungen Fallstricke. Erfahren Sie, wie Sie die Nierenfreilegung rechtssicher liquidieren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1830
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die Leistung unter der Ziffer 1830 wie folgt:
Operative Freilegung einer Niere – gegebenenfalls mit Gewebeentnahme, Punktion und/oder Eröffnung eines paranephritischen Abszesses –
Diese urologische Leistung ist mit 1110 Punkten bewertet. Sie deckt den operativen Zugang und die Darstellung des Organs ab. Die Formulierung „gegebenenfalls“ verdeutlicht, dass integrierte Teilschritte wie eine Gewebeentnahme (Probeexzision) oder eine Punktion bereits mit der Gebühr abgegolten sind.
GOÄ 1830 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Der primäre Anwendungsbereich der GOÄ 1830 liegt in der offenen chirurgischen Darstellung des Nierenlagers. Typische Indikationen umfassen die Freilegung zur diagnostischen Abklärung unklarer Raumforderungen mittels offener Biopsie. Auch die Entlastung tiefer liegender, paranephritischer Abszesse erfordert diesen operativen Zugang.
Ein weiterer wichtiger Praxisbereich ist die retrograde Schienung des Harnleiters. Wird ein Double-J-Katheter im Rahmen einer offenen Ureterotomie eingelegt, erfolgt die Abrechnung analog über die Ziffer 1830. Dies unterscheidet sich grundlegend von der transvesikalen Einbringung, die nach anderen Ziffern bewertet wird.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1830
Fallbeispiel 1: Diagnostische Nierenbiopsie
Bei einem Patienten besteht der Verdacht auf einen unklaren parenchymatösen Nierenprozess. Es erfolgt die offene operative Freilegung der Niere und die Entnahme einer Gewebeprobe zur Histologie. Da die Probeexzision integraler Bestandteil der Ziffer 1830 ist, wird ausschließlich diese Ziffer mit dem Regelsatz (2,3-fach) liquidiert. Eine zusätzliche Abrechnung der Ziffer 2402 ist ausgeschlossen.
Fallbeispiel 2: Sanierung eines paranephritischen Abszesses
Ein Patient stellt sich mit einem ausgedehnten, eitrigen paranephritischen Abszess vor. Der Operateur legt die Niere frei und nimmt die Eröffnung und Drainage des Abszesses vor. Aufgrund der ausgeprägten Entzündungssituation und des erhöhten Präparationsaufwands wird die Ziffer 1830 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Harnleiterschienung via Ureterotomie
Aufgrund einer Striktur wird ein Double-J-Katheter mittels offener Ureterotomie eingelegt. Diese Leistung ist in der GOÄ nicht direkt abgebildet. Die Abrechnung erfolgt daher analog nach GOÄ 1830, da der operative Aufwand dieser Ziffer entspricht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1830: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Teilleistungen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen streichen regelmäßig zusätzlich angesetzte Ziffern für die Probeexzision (Ziffer 2402) oder die Punktion (Ziffer 315). Diese Maßnahmen sind als fakultative Leistungsbestandteile explizit in der Ziffer 1830 enthalten.
Achtung: Die Ziffer 1830 darf niemals neben größeren operativen Eingriffen an der Niere wie der Zystenexzision (Ziffer 1831) oder der Nierenresektion (Ziffer 1836) abgerechnet werden. Die Freilegung ist in diesen komplexeren Ziffern bereits als vorbereitender Schritt enthalten.
Zudem führt die Verwechslung mit der transvesikalen Kathetereinlage häufig zu Beanstandungen. Letztere muss korrekt nach Ziffer 1812 liquidiert werden und darf nicht fälschlicherweise analog zur Ziffer 1830 deklariert werden.
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Dokumentation der GOÄ 1830: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation des Operationsverlaufs ist essenziell, um Honorarkürzungen abzuwehren. Der OP-Bericht muss den gewählten chirurgischen Zugangsweg und die Darstellung der Niere detailliert beschreiben. Auch die Durchführung fakultativer Schritte wie einer Biopsie oder Abszesseröffnung muss präzise dokumentiert werden.
Dokumentation: „Lumbotomie links. Schichtweise Präparation bis in das Spatium retroperitoneale. Darstellung der linken Niere. Stumpfe Freilegung des unteren Nierenpols. Punktion einer solitären Zyste und Aspiration von klarem Zysteninhalt. Sorgfältige Blutstillung, schichtweiser Wundverschluss.“
Besondere anatomische Verhältnisse oder intraoperative Erschwernisse müssen im Bericht explizit erwähnt werden. Nur so lässt sich eine spätere Schwellenwertüberschreitung gegenüber Kostenträgern überzeugend begründen.
GOÄ 1830: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Gebührensatzes über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus erfordert eine patientenindividuelle Begründung. Typische Gründe für das Erreichen des Höchstsatzes (3,5-fach) sind ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen. Auch eine schwere Entzündung im Rahmen eines paranephritischen Abszesses rechtfertigt die Steigerung aufgrund des erhöhten Risikos und Zeitaufwands.
Typische Ziffernkombinationen
Erlaubt ist die Kombination mit selbstständigen Leistungen, die nicht dem urologischen OP-Gebiet angehören oder nicht explizit ausgeschlossen sind. Dazu gehören beispielsweise präoperative Ultraschalluntersuchungen der Niere. Die postoperative Überwachung oder Anästhesieleistungen sind ebenfalls regelhaft kombinierbar, sofern sie von unterschiedlichen Ärzten erbracht werden.
Tipp: Bei der analogen Anwendung der Ziffer 1830 für die Ureterotomie zur Double-J-Einlage sollte im Rechnungsformular zwingend der Zusatz „analog“ sowie eine kurze Erläuterung der erbrachten Leistung angegeben werden.
Ziffer 1830 in der neuen GOÄ
Für die Operative Freilegung einer Niere – gegebenenfalls mit Gewebeentnahme, Punktion und/oder Eröffnung eines paranephritischen Abszesses – (148,81 € beim heutigen 2,3-fachen Satz) sieht der Entwurf keine eigene Nachfolgeleistung vor. Aus der v6-Nachlesung der Nullgruppen (06.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1830
Was hat nicht gestimmt?