GOÄ 1786: Zystoskopie mit Biopsie korrekt abrechnen

7 Min. Lesezeit
GOÄ 1786
Zystoskopie einschließlich Entnahme von Gewebematerial
Punktzahl 355  
Einfachsatz 20,69 € 1,0x
Regelhöchstsatz 47,59 € 2,3x
Höchstsatz 72,42 € 3,5x

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 1786 (Zystoskopie mit Gewebeentnahme): So rechnen Sie die urologische Kombinationsleistung rechtssicher und fehlerfrei ab.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1786

Ziffer 1786: Zystoskopie einschließlich Entnahme von Gewebematerial – 355 Punkte

Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 1786 umfasst die endoskopische Inspektion der Harnblase, bei der zusätzlich Gewebematerial entnommen wird. Diese Biopsie dient in der Regel der histopathologischen Abklärung von Schleimhautveränderungen oder Tumorsuspizien.

Im Leistungsumfang sind alle vorbereitenden und begleitenden Maßnahmen der Endoskopie enthalten. Wichtig ist, dass die Ziffer 1786 eine Kombinationsleistung darstellt, die sowohl die diagnostische Zystoskopie als auch die operative Probenentnahme in einer einzigen Position bündelt.

GOÄ 1786 in der Praxis: Indikation und klinischer Einsatz

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1786 ist immer dann indiziert, wenn im Rahmen einer Blasenspiegelung auffällige Schleimhautareale biopsiert werden müssen. Typische Indikationen sind der Verdacht auf ein Urothelkarzinom, chronisch-entzündliche Veränderungen oder die Abklärung einer unklaren Hämaturie.

Eine klare Abgrenzung muss zur einfachen diagnostischen Zystoskopie nach GOÄ-Ziffer 1785 erfolgen. Sobald eine Gewebeprobe entnommen wird, verdrängt die höher bewertete Ziffer 1786 die Ziffer 1785 vollständig.

Tipp: Die zusätzliche Abrechnung einer selbstständigen Biopsieziffer wie der GOÄ-Ziffer 2402 neben der Zystoskopie ist unzulässig, da die Probenentnahme ein integraler Bestandteil der Ziffer 1786 ist.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1786

Fallbeispiel 1: Abklärung einer schmerzlosen Makrohämaturie

Ein Patient stellt sich mit einer schmerzlosen Makrohämaturie vor. Bei der Zystoskopie zeigt sich ein suspekter Befund an der Blasenhinterwand, von dem eine Zangenbiopsie entnommen wird.

Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 1786 für die Zystoskopie mit Gewebeentnahme. Die einfache Zystoskopie nach Ziffer 1785 darf hierbei nicht zusätzlich berechnet werden.

Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei bekanntem Blasenkarzinom

Bei einer routinemäßigen Kontroll-Zystoskopie nach transurethraler Resektion eines Blasenkarzinoms wird ein Rezidivverdacht geäußert. Es erfolgt die Entnahme von repräsentativem Gewebematerial zur histologischen Sicherung.

Neben der GOÄ-Ziffer 1786 können gegebenenfalls anästhesiologische Leistungen oder Sachkosten für das Einmalinstrumentarium gesondert in Rechnung gestellt werden.

Fallbeispiel 3: Zystoskopie mit Harnleitersondierung und Biopsie

Es wird eine retrograde Ureteropyelographie durchgeführt, bei der gleichzeitig eine auffällige Stelle in der Blase biopsiert werden muss. Hierfür müssen zwei verschiedene Instrumente nacheinander zum Einsatz kommen.

In diesem speziellen Fall ist die Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Ziffer 1786 und der GOÄ-Ziffer 1788 (Harnleitersondierung) zulässig, da der Einsatz unterschiedlicher Endoskope medizinisch begründet und dokumentiert ist.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1786: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die unzulässige Kombination mit anderen endoskopischen Ziffern. Die GOÄ-Ziffer 1786 schließt die gleichzeitige Berechnung der einfachen Zystoskopie (Ziffer 1785) sowie der Urethrozystoskopie beim Mann (Ziffer 1787) am selben Tag strikt aus.

Ebenfalls häufig beanstandet wird die gesonderte Berechnung von Blutstillungsmaßnahmen. Der Gebrauch einer Koagulationsschlinge oder die Anwendung von Elektrokoagulation zur Blutstillung während oder unmittelbar nach der Materialentnahme ist mit dem Honorar der Ziffer 1786 bereits vollständig abgegolten.

Achtung: Private Krankenversicherungen kürzen regelmäßig Rechnungen, bei denen neben der Ziffer 1786 zusätzlich die Ziffer 2402 (Biopsie ohne Eröffnung einer Körperhöhle) für dieselbe Entnahme angesetzt wurde. Dies stellt eine unzulässige Doppelabrechnung dar.

Auch die Fluoreszenzendoskopie bei Urothelkarzinom (PDD) darf nicht über die Ziffer 1248 abgerechnet werden. Hierfür ist laut Beschluss der Bundesärztekammer die Analogziffer A 1890 (analog zu Ziffer 1789) heranzuziehen.

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Dokumentation der GOÄ 1786: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch private Kostenträger oder Beihilfestellen. Im OP-Bericht beziehungsweise im Untersuchungsprotokoll müssen die Lokalisation der Probenentnahme sowie die Anzahl der entnommenen Biopsate exakt festgehalten werden.

Zudem sollte die medizinische Notwendigkeit der Biopsie (z. B. makroskopische Auffälligkeiten der Schleimhaut) klar beschrieben sein. Falls besondere Erschwernisse vorlagen, die eine Steigerung des Gebührensatzes rechtfertigen, müssen diese detailliert im Freitext begründet werden.

Dokumentationsbeispiel:
"Urethrozystoskopie: Inspektion der Harnblase zeigt an der linken Seitenwand ein rötliches, leicht erhabenes Areal von ca. 5 mm Durchmesser. Durchführung einer gezielten Zangenbiopsie (1 Gewebeprobe) zur histologischen Abklärung. Blutstillung mittels Elektrokoagulation. Keine Komplikationen."

GOÄ 1786: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelsatz der GOÄ-Ziffer 1786 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 47,59 €. Bei Vorliegen besonderer Erschwernisse kann die Leistung bis zum 3,5-fachen Satz (72,42 €) gesteigert werden.

Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind anatomische Engpässe wie eine ausgeprägte Prostatahyperplasie, starke Blutungen während der Entnahme, die die Sicht erheblich behinderten, oder eine extreme Unruhe des Patienten bei der Untersuchung in Lokalanästhesie.

Typische Ziffernkombinationen

Erlaubt und häufig sinnvoll ist die Kombination mit anästhesiologischen Leistungen (z. B. Ziffer 490 für die Infiltrationsanästhesie) oder mit urologischen Basisleistungen wie der Ziffer 1 (Beratung) oder Ziffer 5 (Symptombezogene Untersuchung) in einer separaten Sitzung.

Nicht nebeneinander berechenbar sind hingegen die Ziffern des urologischen Ausschlusskranzes, insbesondere die Ziffern 1700 bis 1702 (Katheterismus) sowie die Ziffern 1728 bis 1733 (endoskopische Steinzertrümmerung/Resektionen).

Ziffer 1786 in der neuen GOÄ

Die alte Ziffer 1786 (Zystoskopie einschließlich Entnahme von Gewebematerial, heute 47,59 € beim 2,3-fachen Satz) wird in der neuen GOÄ strukturell neu gefasst:

  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10100:
    • 10100 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Jungen bis zum vollendeten 2. Lebensjahr, flexibel (98,07 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10101:
    • 10101 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Jungen ab dem 3. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, flexibel (91,13 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10102:
    • 10102 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystokopie) beim Mann bzw. Jungen ab dem 13… (84,21 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10103:
    • 10103 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Jungen bis zum vollendeten 2. Lebensjahr, starr (98,07 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10104:
    • 10104 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Jungen ab dem 3. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, starr (91,13 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10105:
    • 10105 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Mann bzw. Jungen ab dem 1… (84,21 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10106:
    • 10106 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Mädchen bis zum vollendeten 2. Lebensjahr, flexibel (95,00 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10107:
    • 10107 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Mädchen ab dem 3. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, flexibel (86,06 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10108:
    • 10108 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) bei der Frau bzw. beim Mädchen ab dem 13. Lebensjahr, flexibel (77,12 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10109:
    • 10109 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Mädchen bis zum vollendeten 2. Lebensjahr, starr (95,00 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10110:
    • 10110 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) beim Mädchen ab dem 3. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, starr (86,06 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)
  • Bei Zystoskopie mit Gewebeentnahme; Zielbasis 10111:
    • 10111 Diagnostische Endoskopie des unteren Harntraktes (Urethrozystoskopie) bei der Frau bzw. beim Mädchen ab dem 13. Lebensjahr, starr (77,12 €)
    • 10119 Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10100, 10101, 10102, 10103, 10104, 10105, 10106, 10107, 10108, … (61,25 €) (Zuschlag)

Die Spanne der primären Festpreise reicht von 77,12 € bis 98,07 € — die Dokumentation des konkreten Eingriffs und der Patientenmerkmale entscheidet über die zutreffende Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1786

Nein, die Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Ziffer 2402 neben der Ziffer 1786 ist nicht zulässig. Die Entnahme von Gewebematerial ist bereits integraler Bestandteil der Leistungsbeschreibung der Ziffer 1786. Eine zusätzliche Abrechnung der Biopsie stellt eine unzulässige Doppelabrechnung dar.
Nein, die Anwendung der Elektrokoagulation zur Blutstillung ist mit dem Honorar der GOÄ-Ziffer 1786 abgegolten. Dies gilt sowohl für den Gebrauch der Koagulationsschlinge während als auch nach der Materialentnahme. Zusätzliche Ziffern für die Blutstillung dürfen in diesem Zusammenhang nicht angesetzt werden.
Eine Nebeneinanderberechnung der Ziffern 1786 und 1788 ist nur dann zulässig, wenn für die beiden Leistungen nachweislich zwei verschiedene Instrumente benutzt werden mussten. Dies muss in der Patientendokumentation medizinisch begründet und nachvollziehbar dargelegt werden. Andernfalls greifen die üblichen urologischen Abrechnungsausschlüsse.
Neben der GOÄ-Ziffer 1786 sind unter anderem die Ziffern 1785 (einfache Zystoskopie) und 1787 (Urethrozystoskopie beim Mann) am selben Tag ausgeschlossen. Auch die Ziffern für Katheterisierungen (1700–1702) sowie weitere endoskopische Eingriffe wie die Ziffer 1789 dürfen nicht zeitgleich berechnet werden. Eine vollständige Liste der Ausschlüsse findet sich im urologischen Regelwerk der GOÄ.
Eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz ist bei Vorliegen besonderer Erschwernisse mit einer individuellen Begründung möglich. Typische Gründe sind anatomische Besonderheiten wie eine schwere Prostatahyperplasie oder starke intraoperative Blutungen, die den Eingriff erheblich verzögert haben. Die Begründung muss patientenbezogen und für den medizinischen Laien verständlich in der Rechnung formuliert sein.
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