GOÄ 3144: Naht bei Magen-Darm-Perforation korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3144
Naht der Magen- und/oder Darmwand nach Perforation oder nach Verletzung – einschließlich Spülung des Bauchraumes –
Punktzahl 1900  
Einfachsatz 110,75 € 1,0x
Regelhöchstsatz 254,72 € 2,3x
Höchstsatz 387,62 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3144 bei Magen- oder Darmperforationen birgt Fallstricke. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Honorarverluste sicher vermeiden.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3144

Naht der Magen- und/oder Darmwand nach Perforation oder nach Verletzung – einschließlich Spülung des Bauchraumes –

Die GOÄ-Ziffer 3144 beschreibt eine chirurgische Kernleistung bei akuten abdominalen Notfällen. Sie umfasst den operativen Verschluss von Defekten der Magen- oder Darmwand, die durch pathologische Prozesse oder Traumata entstanden sind. Die obligate Spülung des Bauchraumes zur Entfernung von Fremdmaterial oder Sekreten ist bereits in der Bewertung enthalten.

GOÄ 3144 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert

Die Anwendung dieser Ziffer erfolgt typischerweise im Rahmen von Notfalloperationen bei akutem Abdomen. Häufige Indikationen sind die freie Perforation eines Ulcus ventriculi oder Ulcus duodeni sowie traumatische Darmverletzungen. Auch entzündliche Prozesse wie eine perforierte Divertikulitis oder Komplikationen bei Morbus Crohn rechtfertigen den Einsatz.

Klinisch steht die schnelle Sanierung des Entzündungsherdes im Vordergrund, um eine lebensbedrohliche Sepsis zu verhindern. Die Wahl des chirurgischen Zugangswegs ist für die Abrechnung primär unerheblich, sofern die Kriterien der Leistungsbeschreibung erfüllt sind. Eine präzise Differenzierung der anatomischen Strukturen ist für die fehlerfreie Zuordnung unerlässlich.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3144

Fallbeispiel 1: Übernähung eines perforierten Ulcus ventriculi

Ein Patient stellt sich mit akutem Abdomen und freier Luft im Röntgenbild vor. Bei der Notfall-Laparotomie zeigt sich eine perforierte Magenhinterwand. Nach der Exzision der Ulkusränder erfolgt die zweireihige Naht der Magenwand sowie die anschließende Spülung der Bauchhöhle. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3144 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Versorgung einer traumatischen Dünndarmverletzung

Nach einem stumpfen Bauchtrauma wird eine operative Revision durchgeführt, bei der eine Darmwandverletzung des Jejunums versorgt werden muss. Der Operateur verschließt den Defekt mittels Direktnaht und führt eine gründliche Spülung durch. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 3144 unter Berücksichtigung des erhöhten Aufwands.

Fallbeispiel 3: Perforierte Sigmadivertikulitis mit lokaler Spülung

Bei einer gedeckt perforierten Divertikulitis wird der entzündliche Defekt am Colon sigmoideum direkt übernäht. Da keine ausgedehnte Peritonitis vorliegt, reicht eine lokale Spülung des betroffenen Quadranten aus. Dieser Eingriff wird korrekt mit der GOÄ 3144 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3144: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler liegt in der unzulässigen Nebeneinanderberechnung von Ziffern, die explizit ausgeschlossen sind. Die GOÄ-Ziffer 3144 darf nicht neben den Ziffern 3145 bis 3183 abgerechnet werden. Dies betrifft insbesondere größere Resektionseingriffe am Magen-Darm-Trakt, bei denen der Wandverschluss als Zielleistung gilt.

Achtung: Die gleichzeitige Abrechnung der GOÄ 3144 neben den Ziffern 3145 bis 3183 ist laut Gebührenordnung ausgeschlossen. Bei größeren Eingriffen wie Magen- oder Darmteilresektionen ist die Naht der Wand als Zielleistung bereits abgegolten.

Zudem führt die Kombination mit der Ziffer 3139 häufig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen. Liegt eine ausgedehnte, eitrige Peritonitis vor, die eine ausgedehnte Revision erfordert, ist die Ziffer 3139 anstelle der 3144 zu wählen. Eine parallele Abrechnung beider Ziffern in derselben Sitzung ist gebührenrechtlich nicht zulässig.

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Dokumentation der GOÄ 3144: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Prüfstellen. Im Operationsbericht müssen die Lokalisation des Defekts, die Größe der Perforation sowie die verwendete Nahttechnik detailliert beschrieben werden. Auch die Menge und Art der verwendeten Spülung müssen zwingend dokumentiert sein.

Dokumentation: Freie Perforation an der Magenvorderwand von 8 mm Durchmesser. Exzision der Ränder, zweireihige Naht mit PDS 4-0. Ausgiebige Spülung des gesamten Abdomens mit 3000 ml warmer Kochsalzlösung bis zum klaren Rücklauf.

Besondere Erschwernisse, die eine Erhöhung des Steigerungsfaktors rechtfertigen, sollten direkt im Bericht hervorgehoben werden. Dazu gehören beispielsweise starke Verwachsungen oder eine erschwerte Übersicht bei ausgeprägter Adipositas.

Tipp: Dokumentieren Sie die Menge der Spülflüssigkeit und das Vorliegen von fibrinösen Belägen detailliert. Dies liefert die medizinische Begründung für eine eventuelle Schwellenwertüberschreitung.

GOÄ 3144: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen oder fortgeschrittenem Entzündungsstadium kann der Steigerungsfaktor bis 3,5 angewendet werden. Typische Begründungen sind eine erschwerte Zugänglichkeit bei adipösen Patienten oder ausgeprägte Verwachsungen nach Voroperationen. Auch eine massive Kontamination der Bauchhöhle rechtfertigt den erhöhten Faktor.

Typische Ziffernkombinationen

Wird die Perforationsstelle zusätzlich durch das Aufnähen von großem Netz gesichert, kann diese Netzplombe analog über die Ziffer 3172 berechnet werden. Diagnostische Leistungen wie der präoperative Ultraschall des Abdomens nach Ziffer 410 oder 420 sind ebenfalls separat berechnungsfähig. Zuschläge für ambulante Durchführung oder Notfälle ergänzen das Abrechnungsspektrum sinnvoll.

Ziffer 3144 in der neuen GOÄ

Naht der Magen- und/oder Darmwand nach Perforation oder nach Verletzung – einschließlich Spülung des Bauchraumes – (Ziffer 3144) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10678 weitergeführt — „Naht oder Nähte der Magen- und/oder Darmwände (nach Perforation, Verletzung, lokalen Resektionen) …". Der Festsatz beträgt 717,14 € (bisher 2,3-facher Satz: 254,72 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3144

Nein, die Ziffer 3144 ist neben den Ziffern 3145 bis 3183 ausgeschlossen. Bei einer Magenteilresektion ist der Verschluss der Magenwand als Zielleistung bereits in der Hauptleistung enthalten. Eine separate Berechnung ist daher nicht zulässig.
Ja, die Spülung des Bauchraumes ist ein integraler Bestandteil der Leistungsbeschreibung der GOÄ 3144. Sie darf nicht als eigenständige Leistung separat in Rechnung gestellt werden. Lediglich bei einer ausgedehnten Peritonitis kann unter Umständen die Ziffer 3139 anstelle der 3144 treten.
Das Aufnähen eines omentalen Patches zur Sicherung der Naht kann analog über die GOÄ-Ziffer 3172 berechnet werden. Da diese Leistung nicht explizit in der GOÄ aufgeführt ist, erfolgt die Liquidation gemäß Paragraf 6 Absatz 2 der GOÄ. Dies sollte im OP-Bericht genau dokumentiert werden.
Eine Erhöhung über den Schwellenwert von 2,3 ist bei erschwerten Bedingungen wie starker Adipositas, ausgeprägten Verwachsungen oder massiver Kontamination der Bauchhöhle möglich. Auch ein instabiler Patientenzustand im Notfall kann als Begründung dienen. Die spezifischen Gründe müssen in der Rechnung nachvollziehbar dargelegt werden.
Nein, die gleichzeitige Abrechnung der Ziffern 3144 und 3139 in derselben Sitzung ist gebührenrechtlich ausgeschlossen. Liegt eine schwere, ausgedehnte Peritonitis vor, die eine umfassende Revision erfordert, ist die höher bewertete Ziffer 3139 zu wählen. Die Naht der Perforation ist dann in dieser komplexeren Leistung enthalten.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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